Holland: Neuer Nationalpark

Ab den Haag 50 Kilometer in den Dünen wandern

Der Platz der Erinnerung mit Bourdon_Glocke in den Holllandse Duinen vor Den Haag.

Der Platz der Erinnerung mit Bourdon_Glocke in den Holllandse Duinen vor Den Haag.

Foto: Ulrike Wirtz

Den Haag.  Wer im Hauptbahnhof von Den Haag aus dem Zug steigt, findet um die Ecke bald einen Nationalpark. Hier kann man herrlich in den Dünen wandern.

Das Areal umfasst gut 450 Quadratkilometer, reicht vom Südzipfel der Niederlande entlang der Nordsee-Küste bis Hillegom als nördliche Grenze und knapp zehn Kilometer von der Küste ins Landesinnere; in Den Haag also fast bis Centraal.

Welcher Regierungssitz hat schon Meer mit Sandstrand quasi vor der Haustür, welcher ist noch dazu Teil eines Nationalparks mit Dünen, Wäldern und Heide. Die Dünen geben dem neuen seinen Namen: Nationaal Park Hollandse Duinen. „Für den offiziellen Status wurde eine Stiftung gegründet, der Start ist geplant ab 2021“, sagt Angelique Vermeulen, die für Nationalparks zuständige Expertin des niederländischen Tourismusbüros.

Konkret geht es um die Nordsee-Küste ab Hoek van Holland im Süden bis nahe Noordwijk im Norden, um ihre weite Dünenlandschaft auf rund 50 Kilometern Länge, um ihre idyllischen Dörfer und Gehöfte, um alte, von Menschen angelegte Wälder und Areale, die in unberührte Natur zurückgeführt werden; plus die historischen Städte Leiden, Delft und Den Haag im Gebiet. All das mache es zum schützenswerten Nationalpark, so Angelique Vermeulen: „Die Dünen sind einmalig durch ihre Nähe zum Meer und ihre wertvolle Natur. Hinzu kommen reiche Historie und Kultur in den Dörfern und Städten. Und durch dieses Zusammenspiel von Natur und der vom Menschen geformten Landschaft ist das Terrain so „hollands“.“

Das alles macht auch bisher schon den Reiz der Gegend aus, zumal sie auch jetzt schon mit Naturreservaten und ausgewiesenen historischen Monumenten ihre Schätze schützt. Und wie bisher lässt sich auch künftig das Gebiet bestens per Fahrrad erkunden; entweder im Zug mitgebracht oder vor Ort geliehen.

Die Tour startet am Hauptbahnhof Centraal am Hotel Babylon. Von hier geht es rechterhand einen Kilometer über den Bezuidenhoutseweg, dann links ab in die Boslaan. Und schon ist man mitten im Haagse Bos, der zu den in toto 273.000 Hektar geschütztem Staatsbosbeheer der Niederlande gehört und noch speziell deklariert ist als historisches Monument. Hier wartet grüne Lunge pur mit dichten Laubbäumen, die Schatten spenden, mit Seen, Bächen, Wiesen und Rad- und Wanderwegen.

Wildtiere mitten in der Stadt

Rund 100 Hektar ist der Haagse Bos groß, zieht sich von Den Haag Richtung Städtchen Wassenaar. „Er ist Heimat für Vögel aller Art, auch Eulen und Bussarde“, erklärt die zuständige Försterin Jenny van Leeuwen. „Hier leben Hirsche und Rehe und das mitten in der Stadt. Und Störche haben sich jüngst wieder angesiedelt.“ Jahrhunderte vor 1300 breitete sich das Waldgebiet von Hoek van Holland bis hinter Amsterdam aus. Übrig blieben davon der Haagse Bos und der Haarlemmer Hout und sind die ältesten Wälder im Land. Ein Teil des Haagse Bos heißt Koekamp und war im 16. Jahrhundert Jagdgebiet der Grafen von Holland. Seit 1645 steht im südlichen Haagse Bos der Palast Huis ten Bosch, der spätere Hauptwohnsitz der Royals, nun auch der von König Willem Alexander und Familie. Am hohen Zaun mit Tor und Wachen ist ein Blick auf den Palast im Park möglich; öffentlich zugänglich ist er nicht.

Die Radtour geht weiter Richtung Alt Wassenaar. Statt Wald nun Wiesen, dichte Hecken, Bauernhöfe, Häuser in Klein- und Villenformat. Die Dünen machen sich breit und sind auch historisch bedeutsam. Denn hier bei Wassenaar in den Dünen war im 2. Weltkrieg ein Ort des Schreckens und ist heute ein Ort des Erinnerns. Der liegt in einer Senke namens Waalsdorpervlakte.

Jedes Jahr am 4. Mai erinnert eine Gedenkfeier an die heimischen Opfer des 2. Weltkriegs. Dazu läutet die Bourdon-Glocke, die eigens 1959 errichtet wurde. Die Dünen gehörten nicht nur zum Besatzungsgebiet der deutschen Kriegstreiber, sondern waren auch Teil ihres Atlantikwalls. „In etlichen Bunkern von damals wohnen nun acht Fledermaus-Arten“, hatte Försterin Jenny erzählt.

Die Dünen sind in Jahrtausenden durch Wind und Wasser entstanden, unterteilen sich geologisch in neue und alte. Der Mensch schuf darauf seine Felder und Weiden, zog darauf Rinder und Pferde, züchtete Blumenzwiebeln und anderes mehr und baute Häuser und Gehöfte. Die Gebiete heißen Meijendel, Solleveld und Berkheide – alles Dünenlandschaften vor der Küste und Teil des geplanten Nationalparks. Auch schon jetzt sind sie geschützt, so heißt es abseits der Wege: Zugang verboten, die naturgegebene Flora und Fauna soll in Ruhe wieder gedeihen; ob Strandgräser oder wilde Pflanzen, Beeren oder Wildpilze. Und jede Menge Vögel, sogar Nachtegalen und Schmetterlinge leben hier.

Das und anderes mehr wird gut erklärt im jüngst eröffneten Dunea-Besucherzentrum am schönen Rastplatz De Tapuit.

Natur und Wasser

Im Zentrum ist anschaulich dargestellt, dass unter den Dünen seit Urzeiten ein Süßwasser-Reservoir liegt, dass diesem Flusswasser zugeleitet wird, sich dieses Wasser beim Weg durch die diversen Schichten des Dünenbodens auf natürliche Art reinigt und dass es nach weiterer Aufbereitung als Trinkwasser für 1,2 Millionen Bewohner im westlichen Südholland bereitsteht. Das Zentrum bietet zudem Exkursionen mit Naturexperten wie Jurjen an. Er erklärt: „Aktuell sind knapp 7.000 Pflanzen- und Tierarten in den Dünen hier beheimatet. Genau sind es Stand jetzt 6974.“ Und er weiß, wo zum Beispiel die geschützten Frösche und ihre Kaulquappen und die geschützten Libellen namens weiße Maulkorblibelle zu bewundern sind. Er hat sie mit uns im sogenannten Libellental im Meijendel - nahe dem Prinsenberg - aufgespürt.

Der „Berg“ ist eine schöne Erhebung, und der Ausblick lohnt sich. Hier die Skyline von Den Haag, bis dahin grüne Landschaft mit kleinen Seen. Dort Dünen, noch mehr Dünen, Strand und das Meer. Das nächstgelegene Strandbad: der zu Den Haag gehörende frühere Fischerhafen Scheveningen. Hier entstand die niederländische Strandkultur, wurde 1818 das erste Badehaus gebaut. Von Den Haag Centraal hierher sind es mit dem Rad je nach Route 15, 20 Kilometer. Es ließe sich schön weiterradeln im künftigen Nationalpark: gen Süden oder nach Norden oder zurück nach Den Haag.

Wichtige Websites:Nationalparks: www.nationaalparkshollandseduinen.nl; www.hollandnationalparks.com; Besucherzentrum: www.dunea.nl/duinen; geschützte Wälder: www.staatsbosbeheer.natuurgebieden/holland-duin; Leihräder, auch E-Bikes: www.fietsverhuurzuidholland.nl.

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