Besuchsdienst

Besucher auf vier Pfoten verzaubert Senioren in Pflegeheim

Kuschelzeit im Pflegeheim: Für die Bewohner ist der Besuch von Mareike Plücker (Mitte) und ihrem Hund Sammy eine willkommene Abwechslung. Hier streichelt Bewohnerin Marta den siebenjährigen Australian Shepherd. Foto:

Kuschelzeit im Pflegeheim: Für die Bewohner ist der Besuch von Mareike Plücker (Mitte) und ihrem Hund Sammy eine willkommene Abwechslung. Hier streichelt Bewohnerin Marta den siebenjährigen Australian Shepherd. Foto:

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen.  Ehrenamtliche Helferin der Malteser besucht mit ihrem Hund Senioren in einem Heim. Für die ist das eine schöne Abwechslung vom Alltag.

Aufgeregt huscht Sammy durch den Aufenthaltsraum, schnuppert hier, schnüffelt dort – dann hat er einen der intensiv duftenden Hundekekse gefunden. Hastig schlingt er ihn herunter, nur um dann ruckartig seinen Kopf zu heben und sein Frauchen Mareike Plücker anzuschauen. „Such!“ kommandiert sie und schon ist Sammys Nase wieder auf dem Boden und schnuppert wieder nach einem versteckten Keks. Ein Lachen geht durch den Raum.

Sammy hat eine Gabe, um die ihn so mancher Mensch beneiden dürfte: dem Australian Shepherd fliegen die Herzen nur so zu. Flauschiges Fell, zutraulich, lebhaft, verspielt, ein treuer Gesichtsausdruck. Kein Wunder also, dass der siebenjährige Rüde auch die Herzen der Bewohner des Gesbe Betreuungszentrums in Essen-Katernberg im Sturm erobert hat.

Hier kommt Sammy regelmäßig samstags mit Frauchen Mareike Plücker zu Besuch, um den Alltag der Pflegeheim-Bewohner etwas zu verschönern. Sammys Aufgabe ist dabei denkbar einfach: süß sein, Leckerchen finden und essen, sich streicheln lassen und ab und zu mal ein kleines Kunststück. Und die kann er: ob Rolle, Männchen oder Pfötchen geben – Sammy ist zu allem bereit, manchmal mit einem Keks als Ansporn, aber immer mit voller Hingabe und zur Verzückung der Bewohner.

Besuchsdienst der Malteserkommt in Pflegeheime

Seine Besitzerin Mareike Plücker dient dabei als Animateurin, ist aber auch Ansprechpartnerin und Kummerkasten für die Bewohner. Seit mehr als drei Jahren schon ist die Bürokauffrau im Besuchsdienst der Malteser in Essen aktiv, kam über einen Zeitungsartikel zum ehrenamtlichen Engagement. „Ich bin der Meinung, dass mein Hund total klasse ist und wollte das unbedingt mit Menschen teilen.“

Dass sowohl Heimbewohner als auch Mitarbeiter die tierische Ablenkung toll finden, erzählt Betreuungskraft Michaela Spröd: „Die Bewohner gehen gut drauf ein. Sammy ist sehr lebhaft, sie freuen sich, wenn er zu Besuch kommt.“ Die Bewohner, das sind etwa Friedhelm, der seit zehn Jahren in dem Betreuungszentrum wohnt und selbst mal einen Dackel namens Rico hatte, oder Marta, die im Rollstuhl sitzt und jede Gelegenheit nutzt, den Australian Shepherd zu streicheln, oder Renate, die an diesem Tag sowas wie Sammys Liebling zu sein scheint, zu der er immer wieder zum schmusen kommt. „Für mich ist es das Größte, wenn die Leute sich freuen und Sammy ihnen ein Lächeln aufs Gesicht zaubert“, sagt Mareike Plücker über ihre Motivation. Es bleibt aber nicht nur bei einem Lächeln, Sammy schafft es auch, Schmerzen und Leiden vergessen zu machen, zumindest für einen Moment: „Da funktioniert dann plötzlich auch die linke Hand wieder, die sonst nicht funktioniert.“

Genau das ist auch die Idee hinter dem Besuchsdienst mit Hund der Malteser: „Besonders Hunde sind in der Lage, Körper, Geist und Seele aufs Tiefste zu berühren und zu bewegen“, so die Hilfsorganisation. Rund 50 Besuchshunde mitsamt Hundeführern gibt es laut Malteser-Angaben in der Diözese Essen. Sie besuchen nicht nur Pflegeeinrichtungen, wie Sammy, sondern auch Kindergärten, Seniorenzentren oder auch Privathaushalte. In Essen ist Mareike Plücker mittlerweile Gruppenleiterin des Dienstes, organisiert unter anderem Lehrgänge für künftige Hundeführer. „Wir sind immer auf der Suche nach weiteren Ehrenamtlichen.“ Die Hunde müssen dafür auch nicht viel können, so Plücker. Menschen sollten sie mögen und auf einige Grundbefehle hören. „Man muss in der Lage sein, den Hund für einen Moment zur Seite zu schicken, wenn es für Mensch oder Tier kurz zu viel wird.“

Sammy ist ein verspielterund aktiver Hund

Für Sammy, den süßen Australian Shepherd mit dem hellblauen Namens-Halstuch sind nämlich die Besuche im Pflegeheim ebenso abwechslungsreich wie für die Besucher – aber auch anstrengend, wie Frauchen Mareike Plücker erklärt: „Ich weiß, dass ich danach nicht mehr viel mit ihm machen muss.“ Und das, obwohl der Rüde ein sehr verspielter und aktiver Hund ist. „Es gibt auch Hunde, die zu bettlägerigen Patienten ins Bett klettern können, um dort mit ihnen zu kuscheln. Mein Hund ist dafür aber nicht geeignet.“ Zutraulich ist er dafür aber sehr, holt sich immer wieder zwischen Kunststückchen und Leckerlis Streicheleinheiten bei den Bewohnern ab, hat keine Berührungsängste bei neuen Menschen im Raum und teilt sich auch ganz brav mit den Bewohnern ein knackiges Stück Apfel, das Betreuungskraft Michaela Spröd vorbereitet hat.

Mittlerweile ist Sammy nämlich liebgewonnener Stammgast im Betreuungszentrum – mit festem Platz im Regal für Näpfchen und Leckerlis und einem eigenen Besuchsschild auf dem Wochenplan. Der Abschied fällt daher nicht schwer. „Nächste Woche kommen wir wieder“, sagt Mareike Plücker. Die Heimbewohner sind schon voller Vorfreude.

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