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Corona-Alltag: „Die turbulente Anfangsphase ist vorbei“

Jeden Abend sitzt Familie Ost gemeinsam am Esstisch. Morgens beim Frühstück kümmert sich Mutter Deniz um die beiden Töchter.

Jeden Abend sitzt Familie Ost gemeinsam am Esstisch. Morgens beim Frühstück kümmert sich Mutter Deniz um die beiden Töchter.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

An Rhein und Ruhr  Bei Familie Ost in Dinslaken stellen sich in der Corona-Krise Routinen ein. Für Mia (8) bedeutet die Kontaktsperre aber eine große Umstellung.

Diskussion um Mundschutz, Unsicherheit an der Börse und immer mehr Infizierte – auch drei Wochen nach der bundesweiten Schließung von Schulen und Kitas beherrscht das Coronavirus weiter die Schlagzeilen. Und dennoch: Obwohl ein Ende der Krise nicht in Sicht scheint, kehrt bei Familie Ost aus Dinslaken allmählich etwas Ruhe ein. „Die turbulente Anfangsphase ist vorbei“, sagt Vater Stephan. „Wir wissen jetzt, was auf uns zukommt.“ Zudem müsse sich das Ehepaar keine Sorgen mehr um die Betreuung der beiden Kinder machen.

Auch Tochter Mia, die anfangs noch sehr unter der Kontaktsperre gelitten habe, zeige zunehmend Verständnis. „Die Große vermisst ihre Schulfreunde“, so Stephan. „Aber ich habe schon das Gefühl, dass sie die Situation akzeptiert hat.“ Vor allem bei gutem Wetter gebe es nur selten Knatsch in der Familie. „Dann kann Mia tagsüber in den Garten oder eine Runde mit dem Fahrrad fahren.“ Oder Inlineskaten: „Das ist ihr neues Hobby“, erzählt Stephan.

Damit Mia und ihre zweijährige Schwester Lilly nicht ständig in die Notbetreuung müssen, ist Tante Tülay in dieser Woche spontan von Montag bis Mittwoch eingesprungen. „Sie hat auf die beiden aufgepasst, bis meine Frau und ich von der Arbeit zurückkamen.“ Donnerstag und Freitag arbeitete Stephan im Homeoffice. Mia blieb zuhause, Lilly verbrachte den halben Tag in der Kita. „Die Kleine und Mia parallel würde ich während der Arbeitszeit nicht schaffen“, so der kaufmännische Angestellte.

Vater Stephan im Homeoffice: „Klappt schon sehr gut“

Alles in allem sei Stephan im Homeoffice jedoch überraschend effektiv. „Natürlich muss sich das noch einspielen und Mia fragt auch ab und zu mal nach, wie lange ich noch brauche. Aber das klappt schon sehr gut.“ Die Achtjährige verbringe vormittags viel Zeit in ihrem Zimmer, spiele Lego Friends oder setze sich mit ihren Malsachen neben ihren Vater. „Oder sie telefoniert über Skype und WhatsApp mit ihren Freunden“, so Stephan. Er selbst sei für seine Tochter im Homeoffice nur dann wirklich interessant, wenn die Zweitklässlerin Hunger habe.

Trotzdem legen Stephan und seine Frau Deniz großen Wert darauf, dass Mia nicht stundenlang auf sich allein gestellt ist. Das fange bereits früh morgens an. „Meine Frau und die Kinder versuchen nach dem Aufstehen erst mal ganz in Ruhe zu frühstücken“, erzählt Stephan. Normalerweise müsse es vor der Schule immer deutlich schneller gehen. „Außerdem kann die Große morgens ausschlafen und muss nicht schon um 6.15 Uhr aus dem Bett – da gewinnen wir auch eine oder anderthalb Stunden.“ Entsprechend schnell vergehe die Zeit bis zum Mittag.

Sobald Mutter Deniz nach Hause kommt, stehe das Schulmaterial auf dem Programm. „Mia hat einiges an Aufgaben, die sie bis Ende der Osterferien erledigen muss.“ Jeden Tag gehe Deniz mit Mia anderthalb bis zwei Stunden das Material durch. „Meine Frau weiß ganz genau, wie sie die Aufgaben erklären muss“, so Stephan über die Leiterin im Offenen Ganztag. „Sie kriegt das eindeutig besser hin als ich.“ Zudem spiele Mia regelmäßig mit Lern-Apps wie Antolin. „Wir haben ihr Bücher gekauft und über das Programm kann sie Fragen zum Inhalt beantworten“, erklärt Stephan. Die Kinder aus Mias Klasse erhalten positive Rückmeldungen von ihrem Lehrer und können mit ihm über die App in Kontakt treten. „Das ist ein zusätzlicher Anreiz, um im Stoff zu bleiben.“

Familie Ost rückt in der Krise noch enger zusammen

Ist die Lernphase abgeschlossen, beginne die Familienzeit. „Und nach dem Abendessen geht die Kleine ins Bett“, sagt Stephan. Dann habe Mia ihre Eltern ganz für sich allein. „Wir spielen Gesellschaftsspiele, basteln, lesen oder machen einen Kinoabend.“ Je nach dem, worauf Mia gerade Lust habe. Weil die Zweitklässlerin am nächsten Tag ausschlafen kann, dürfe sie unter der Woche auch mal etwas länger aufbleiben. „Vor allem abends haben wir dadurch viel mehr Zeit für Mia.“

Obwohl die negativen Aspekte laut Stephan weiterhin überwiegen, habe das Coronavirus auch einen positiven Nebeneffekt. „Man wächst als Familie noch enger zusammen.“ Statt Lilly und Mia abwechselnd zu Terminen zu fahren, sei der Alltag für ihn und seine Frau nicht mehr so streng durchgetaktet. „Von jetzt auf gleich gab es plötzlich gar nichts mehr an Aktivitäten“, so Stephan. „Das ist ein Stück weit entschleunigend.“ Auch die beiden Mädchen würden mehr Zeit miteinander verbringen. „Das Geschwisterkind ist jetzt Spielpartner Nummer eins.“

Um am Wochenende für etwas Ablenkung zu sorgen, hat sich Stephan im Internet ein Paar Inlineskates bestellt. „Außerdem wird bei uns im Garten gegrillt“, sagt der zweifache Familienvater. „Das Wetter soll ja zum Glück gut werden.“

>> NRZ begleitet Familie Ost in Corona-Zeiten

Einmal pro Woche berichtet die NRZ über den Corona-Alltag von Familie Ost. Wie geht es den Töchtern Mia und Lilly? Mit welchen Problemen haben Stephan und Deniz zu kämpfen? Und wie beeinflusst das Virus das tägliche Leben? In der kommenden Folge werfen wir einen Blick auf Opa Wolfgang, der die Ostertage ohne seine Familie verbringen muss.

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