Böllern lernen

Der ganz große Knall – ein Böllerkurs in Keppeln

Viel Rauch und ganz schön laut - die Böllerschützen St. Evermarus Borth begrüßen das neue Jahr. Silvesterböllern

Viel Rauch und ganz schön laut - die Böllerschützen St. Evermarus Borth begrüßen das neue Jahr. Silvesterböllern

Foto: Böllergruppe St. Evermarus Borth

Uedem-Keppeln  Es knallt und zischt und raucht - Böllern hat am Niederrhein eine lange Tradition – nicht nur zu Silvester. Wir waren in einem Böller-Kurs.

. Besonders fein ausgesteuert scheint diese Kunst ja nicht gerade zu sein. Zumindest nicht auf den ersten Blick, pardon: auf das erste Getöse.

Bumm, Peng, Knall.

Glücklicherweise hat man ‘was für die Ohren dabei. Schnell ‘reingestopft. Dann: Buff, Tscheng, Plopp.

Angesagt ist: ein Böller-Lehrgang.

Wie jetzt? Böller-Lehrgang? Was um alles in der Welt ist das? Und wer tut sich freiwillig so etwas an?

Ortstermin in Keppeln. Eineinhalb Tage haben 18 Leute die Theorie gepaukt, Physik, Gesetze, bevor sie an die Kanonen dürfen. Wobei: Echte Kanonen stehen da nicht auf der Wiese vor der Bürgerbegegnungsstätte. Sondern nur die Teile, um die es beim Böllern eigentlich geht. Rohre. Behälter mit Schwarzpulver. Holzgeräte zum Festdrücken des Pulvers. Korkplatten, um die Rohre nach oben abzudichten. Zünder. Fernsteuerung. Das ist fast schon alles.

Unbedenklichkeitsbescheinigung

Aber man muss wissen, was man da tut. Und man muss es dürfen. Um beides geht es beim Kurs. Nur wer besteht, darf Schwarzpulver kaufen. Um überhaupt am Kurs teilnehmen zu können, muss man zuvor eine Unbedenklichkeitsbescheinigung beim Kreisordnungsamt beantragen.

Scheint also alles nicht ganz unkompliziert zu sein. Sollte hinter dem Geböller doch noch etwas anderes stecken als, nun ja, lauter Krach? Könnte man mit dem Schwarzpulver zum Beispiel einen Tresor aufsprengen? „Blödsinn“, lacht Dieter Lang. Der Erfurter ist Pyrotechniker, hat sein Hobby irgendwann zum Beruf gemacht und führt nun quer durch Deutschland Lehrgänge durch. Man kann ihn auch im Guinessbuch der Rekorde finden. 2016 hat er mehr als tausend Feuerwerksbomben mit 75 mm Durchmesser mit nur einem elektrischen Zünder gestartet. Das Video dieses Ereignisses ist schon ziemlich eindrucksvoll.

Man kann auch den Wiederlader-Schein machen

Schnell wird klar: Das Böllern ist nur eine Facette aus einem breiten Spektrum. Einige Kursteilnehmer haben den Wiederlader-Schein gemacht. Sie dürfen nun leere Patronenhülsen aufsammeln und wiederbefüllen. Ist erheblich günstiger als neue Patronen.

Aber das ist nicht alles: „Es macht Spaß, weil es um Präzision geht.“ Natascha Remmers aus Xanten ist eine der vier Frauen, die am Kurs teilnehmen. Sie ist begeisterte Sportschützin. Warum? „Mein Sohn hat starkes Interesse am Schießen, und ich dachte, bevor ich es ihm verbiete, schaue ich mir das erst mal selber an.“ Sie hat gewissermaßen Feuer gefangen. Den Kurs fand sie super. „Es war überhaupt nicht langweilig.“ Auch nicht der lange Theorieteil.

Als das Geböller dann schließlich startet, merkt man schon, dass es beileibe nicht nur um den Erhalt einer jahrhundertealten Tradition geht, wie es das Böllern nun mal ist. Sondern dass noch etwas anderes im Spiel ist. Nämlich eine geradezu kindliche Begeisterung.

Schwarzpulver

Dieter Lang ist dafür das beste Beispiel: „Ich habe so etwas schon als Kind gerne gemacht, und diese Kindheitsträume habe ich verwirklicht.“ Mit dieser Freude im Gesicht bewerten auch die Kursteilnehmer die einzelnen Böllerschüsse. „Der

war aber gut!“ – „Ich hätte nicht gedacht, dass das so abgeht!“ – „Was für eine Flammensäule!“

Tatsächlich, Böller ist nicht gleich Böller. Die Sache ist doch weit sensibler, als man anfangs dachte. Man würde am liebsten selbst ‘mal ausprobieren, was für einen Kracher man da aus dem Rohr herauslocken kann. Geht aber nicht. Die Gesetze.

Ist auch ganz gut so, findet Dieter Lang. Achim Janhsen aus Goch, begeisterter Böllerschütze von St. Barbara Keppeln, zeigt auf die schwarzen Spuren auf den Steinen.

Da hat Dieter Lang den Unterschied von Schwarzpulver und Nitro demonstriert.

Beim Nitro kann man zuschauen, wie es gemächlich abbrennt. „Beim Schwarzpulver läuft man nicht weg, das geht sofort hoch.“

Es ist also nicht wie in Actionfilmen, wo die Helden sich durch einen Hechtsprung aus der explodierenden Pulverkammer retten? „Das kann man alles nicht ernstnehmen“, sagt Lang. Dann doch lieber mal so richtig böllern. Da ist garantiert jedes Dezibel echt.

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