Landblick

Die Heilige Familie mitten im prallen Leben

Eine neapolitanische Krippe. Ein buntes Leben und fast ein bisschen versteckt, hinten rechts, die Heilige Familie.

Eine neapolitanische Krippe. Ein buntes Leben und fast ein bisschen versteckt, hinten rechts, die Heilige Familie.

Foto: NRZ

Kevelaer.   Das Niederrheinische Museum zeigt einen kleinen Schatz: Eine neapolitanische Krippe mit Figuren aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Eine wunderbare Alltagslandschaft - gut, dass die Engel da sind...

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Was für eine Pracht, was für eine barocke Lebensfülle. Fischhändler und Metzgerburschen, eine fröhliche Zecherrunde, allerlei Getier, Marktfrauen mit Obst, Eiern und Brot, ein Bettler, der ein paar Cent in seinem ollen Hut sammeln konnte, eine kleine Theatertruppe fesselt die Zuschauer. Und da, ganz am Rande, fast in einer Nebenrolle, die Heilige Familie. In feine Seidentücher gekleidet – doch wenn die Engel in luftiger Höhe nicht wären, fast hätte man Maria und Josef und das Jesuskind glatt übersehen.

Dr. Burkhard Schwering nickt und strahlt. Er nickt, weil das bei neapolitanischen Krippen so üblich ist, dass das Alltagsleben der Menschen im Vordergrund steht. „Natürlich spielen auch die Madonna und das Jesuskind eine wichtige Rolle, aber die Figuren bilden nicht das Zentrum des Interesses.“ Und er strahlt, weil das Niederrheinische Museum ab heute im Rahmen der Krippenausstellung ein Prachtstück zeigen kann: eine neapolitanische Krippe der Barockzeit, fast 15 Quadratmeter groß, mit mehr als 100 handgefertigten Figuren.

„So etwas“, sagt der Museumsleiter, „finden Sie in Deutschland nicht oft. Die Szene der Geburt Christi ist in äußerst aufwendigen, naturgetreuen und detailreichen Straßen- und Marktszenen wiedergegeben – es ist toll, so etwas zeigen zu können.“ Wir schauen uns dann mal etwas um...

Die Runde der Zecher

Gemütliche Szene am Rande, die Zechzeit scheint deutlich fortgeschritten, die Herren haben rote Wangen, einer hockt mit seligem Blick glücklichbetrunken auf einem Schemel.

Der Bettler

Hingestreckt in grober Baumwolle, hat ein paar blitzblanke Euro-Cent-Münzen (!!) im Hut.

Der Pfarrer

Predigt wild entschlossen am Stehpult. Dahinter, welch Schelm in der Regie, lästert ein Transvestit.

Der Fischhändler

Preist seinen Fang an. Rochen, Langusten, Rotbarben, ein Hai- schwanz. Daneben der Stand der Bäuerin, die Hühnereier verkauft.

Die Familie

In der ersten Etage eines feinen Hauses. Die Szene: Mutter und Vater am Bett des Säuglings. Klare Falle: Das ist nicht die Heilige Familie, die ist da, wo die Engel schweben – hier freuen sich ganz irdische Eltern über ein himmlisches Glück.

Der Korallenverkäufer

Die Pfeife im Mund, eine prächtige Korallenkette um den Hals und viele Korallen im Bauchladen vor sich hertragend. Eine Figur mit Symbolgehalt: Korallen gelten von alters her als unheilabweisendes Mittel – vor allem Kinder schützen sie vor Krankheiten und Unglück.

Die drei klugen Jungfrauen

... mit dem Öl. Eine der wenigen Szenen aus der Bibel. Die drei Damen stehen erhöht.

Die Heiligen drei Könige

... ziehen (von rechts) ein mit Pauken und Trompeten und Elefanten. Einer hat in seinem Schatzkästlein sogar richtigen Weihrauch.

Der Frosch

Der Frosch hat wie der Tukan eigentlich nix da zu suchen – hat der Sammler liebe- und humorvoll reingeschmuggelt.

Die Heilige Familie

Von himmlischen Wesen begleitet. Das Jesuskind und die Madonna haben kräftige rote Bäckchen, Maria und Josef sind in Seide gehüllt. Zu Füßen der Szene: umgestürzte Säulen. Ein Bild dafür, dass Jesus geboren ist, wie Phönix aus der Asche, das Alte bricht zusammen um Neuem Platz zu machen?

Der Sammler

Möchte nicht genannt werden. Ist ein Mediziner aus Neuss, der seit Mitte der 1980er Jahre neapolitanische Krippenfiguren des 18. und 19. Jahrhunderts sammelt. Jedes Jahr wird die Krippe neu zusammengestellt – die Kevelaerer Darstellung ist also in besonderem Maße einzigartig.

Krippenausstellung „Licht der Welt“:

„Licht der Welt“ ist das Motto der Krippenausstellung im Nieder-rheinischen Museum für Volkskunde und Kulturgeschichte in Kevelaer. Zahlreiche Krippen kündigen die Geburt Christi an – im Zentrum der Ausstellung bezaubert eine neapolitanische Krippe. Zu sehen bis 20. Januar. Öffnungszeiten: täglich (außer Montag) von 10 bis 17 Uhr. Eintritt: drei Euro, Kinder ab drei Jahren zahlen zwei Euro. Weitere Infos: Niederrheinisches Museum, Hauptstraße 18, 47623 Kevelaer, 02832/9 54 10 oder im Netz unter: www.niederrheinisches-museum-kevelaer.de

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