Wirtschaft

Eine Geschäftsidee macht wissenschaftliche Bücher zum Schatz

Geschäftsführerin Diane Korneli-Dreier in der privaten Bibiliothek mit Büchern von Vater und Großvater.

Geschäftsführerin Diane Korneli-Dreier in der privaten Bibiliothek mit Büchern von Vater und Großvater.

Foto: Volker Herold / FUNKE Foto Services

Duisburg-Rheinhausen  Ein Erfolgsmodell: Die Wissenschaftliche Versandbuchhandlung Dietmar Dreier besorgt von Rheinhausen aus Fachliteratur für Kunden in aller Welt.

. Als weltweiter Dreh- und Angelpunkt hat sich inzwischen Logport etabliert. Hier kommen Waren jeglicher Art aus aller Herren Länder an oder treten ihre Reise zu fernen Zielen an. Etliche Duisburger Firmen bewegen sich auf dem internationalen Parkett. Bestens bekannt sind große Unternehmen. Aber es gibt auch die kleinen Familienbetriebe, die weltweit agieren, wie die „Wissenschaftliche Versandbuchhandlung Dietmar Dreier“ in Bergheim, die inzwischen in zweiter Generation weit über die Grenzen Deutschlands geschäftlich tätig ist.

Von außen kaum sichtbar ist der Firmensitz in einem unter Denkmalschutz stehenden ehemaligen Herrenhaus mit einem kleinen Park am Bernhard-Röcken-Weg. Geschäftsführerin Diane Korneli-Dreier wartet in der ersten Etage am Ende einer wunderschön geformten Holztreppe, die an Wänden mit Bildern von Schriftstellern und Philosophen entlang führt. Neben ihr steht eine junge Frau und strahlt noch heller als die draußen hoch am Himmel stehende Sonne. „Unsere drei Auszubildenden haben heute mündliche Prüfung. Die junge Frau hatte als erste den Termin und hat bestanden“, freut sich die Chefin.: http://Hier_gibt_es_mehr_Artikel,_Bilder_und_Videos_aus_Duisburg{esc#217475921}[teaser

Seit ihr Vater Dietmar Dreier die Buchhandlung 1981 gründete, ist das Unternehmen Ausbildungsbetrieb. Rund 90 junge Menschen lernten hier ihren Beruf „Groß- und Außenhandelskaufmann/-frau“. „Wir sind keine Sortimentsbuchhandlung. Die jungen Leute sind mit der Ausbildung breit aufgestellt und können alles machen“, erklärt Diane Korneli-Dreier, die in der früheren Moerser Buchhandlung Böckler „Buchhändlerin“ lernte und in die Fußstapfen ihres Vaters trat.

Er war früher im „Stern-Verlag“ Düsseldorf tätig, einst Deutschlands größte Buchhandlung. Dietmar Dreier baute den Bereich Bibliothekslieferant auf und hatte die Idee, für Bibliotheken Bücher aus dem Ausland zu besorgen. „Vorher hatten sich Bibliotheken selbst darum bemüht“, erzählt Diane Korneli-Dreier. Ihr Vater erkannte die Nische im Buchhandel, war einer der Ersten in Deutschland, der das Geschäftsmodell umsetzte, machte sich in einem kleinen Ladenlokal selbstständig. An seiner Seite: eine Kollegin und eine Schreibmaschine.

Kunden aus aller Welt

Inzwischen ist der Firmensitz in Bergheim der vierte Standort der Versandbuchhandlung. Duisburg war Dietmar Dreier, dem gebürtigen Homberger, immer wichtig. „Es gibt hier die Universität. Er wollte Duisburg immer unterstützen“, erklärt Diane Korneli-Dreier. Die 45-Jährige stieg vor 23 Jahren ins Unternehmen ein, baute damals den neuen Bereich E-Book auf. Seit dem Tod ihres Vaters vor etwa zehn Jahren führt Diane Korneli-Dreier den Familienbetrieb als alleinige Geschäftsführerin. Zu ihren Kunden zählen europaweit Universitäten, Max-Planck-Institute, Deutsch-Archäologische Institute mit den Sitzen in Rom, Istanbul und Madrid, aber auch Nationalbibliotheken in London, Paris und Wien.

Die „graue Literatur“

Aus den USA, aus Großbritannien, aus den Niederlanden und aus dem deutschsprachigen Raum besorgt das 40-köpfige Team alles, was gewünscht ist: wissenschaftliche Monografien aus dem In- und Ausland, E-Books und Datenbanken, Fortsetzungen und Serien, Print- und E-Medien, Informationsmedien aus sämtlichen Fachbereichen, antiquarische - und die allgemein kaum bekannte „graue Literatur“.

„Es sind Kleinschriften, die nicht in einem normalen Verlag erscheinen. Dazu zählen unter anderem Jubiläumsheftchen von Heimatvereinen. Die Bayerische Staatsbibliothek in München sammelt solche Hefte“, erklärt Diane Korneli-Dreier, die sich aktuell um eine europaweite Ausschreibung einer Uni-Bibliothek in Finnland kümmert.

Ein Affe im Bücherregal

Diane Korneli-Dreier blickt positiv in die Zukunft: „Wir sind gut aufgestellt, haben den Wandel mitgestaltet und uns neue Dienstleistungen einfallen lassen. Wir können individuell auf Kunden zugehen.“ Nicht mit einem Kunden, dafür aber mit einem „speziellen Besucher“ hatte übrigens vor vielen Jahren ihr Vater zu tun, als der Firmensitz noch in Wedau war.

Ein nicht gerade kleiner Affe war aus dem Duisburger Zoo ausgebüxt und über den Wintergarten in die Warenausgangsabteilung gerast. Die damalige Mitarbeiterin rannte schreiend in den Garten. Der Affe setzte sich in ein Regal und warf alle Bücher für die Bibliothekskunden auf den Boden. Dietmar Dreier rannte mit den Worten „Der Affe ist los!“ in sein Büro und rief die Polizei an.

>>> Zur Geschichte des Firmensitzes: Einer der ältesten Höfe Bergheims

Der Firmensitz der Wissenschaftlichen Versandbuchhandlung Dietmar Dreier befindet sich in einem Haus mit einer langen Geschichte. Das Herrenhaus am Bernhard-Röcken-Weg 1 (Bernhard Röcken war Generaldirektor der Zeche Diergardt-Mevissen) war ein Teil des ehemaligen Gutshofes „Schauenhof“ und gehörte zu den ältesten und größten Höfen Bergheims.

Der „Crölls-Hof“, später nach seinem Besitzer Johann Schauen „Schauenshof“ genannt, wird erstmals 1481 erwähnt. 1875 wird den bäuerlichen Gebäuden das Herrenhaus hinzugefügt. Bis 1911 bleibt die Nutzung ausschließlich landwirtschaftlicher Art.

Erst nach dem Erwerb des Geländes mit sämtlichen Gebäudeteilen durch die Zeche „Gewerkschaft Wilhelmine Mevissen“ wird aus dem Gutshof eine Verwaltungszentrale.Etliche Umbaumaßnahmen waren erforderlich. Aus den ehemaligen Stallungen, Öl- und Krautmühlen sowie aus den begehbaren Backöfen wurden Büros. Das Herrenhaus blieb als repräsentatives Wohnhaus des Zechendirektors mit kleinen Veränderungen erhalten. Unverändert geblieben sind der malerische Innenhof und der kleine Park, der einst den Hof umgab. Hier steht noch die Jahrhunderte alte Blutbuche, die von der Anwesenheit der Amerikaner im Schauenhof zeugt.

Noch immer gut leserlich ist die mitgewachsene Inschrift „Pittsburgh 1945“. Weitere Zeitzeugen aus diesen Jahren sind weiträumige Schutzbunkeranlagen unter dem gesamten Gebäude, teilweise bis zu drei Etagen unter der Erde. Dort lagern heute tausende von Verlags- und Kundenrechnungen der Wissenschaftlichen Versandbuchhandlung Dietmar Dreier.

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