Soziales

Eine kleine Erfolgsgeschichte aus dem Kreis Wesel

Rund 17 200 Kinder im Kreis Wesel nehmen zurzeit Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket in Anspruch.

Rund 17 200 Kinder im Kreis Wesel nehmen zurzeit Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket in Anspruch.

Foto: Gero Breloer/dpa

Kreis Wesel.   Weniger Bürokratie für arme Kinder hat NRW-Sozialminister Laumann gefordert. Doch im Kreis Wesel ist weniger Bürokratie kaum möglich.

Von wegen Bürokratiemonster. Der Kreis Wesel ist ein Positivbeispiel, wenn es um die Inanspruchnahme von Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket für Kinder geht. Das betonen Michael Müller, Geschäftsführer des Jobcenters Kreis Wesel, und Kreisdirektor Ralf Berensmeier ausdrücklich. Anlass dafür ist ein NRZ-Bericht vom 22. Januar. NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann (CDU) hatte bei einem Redaktionsbesuch in Essen weniger Bürokratie für arme Kinder gefordert.

Übersichtlicher Globalantrag

Weniger Bürokratie geht im Kreis Wesel kaum, finden Müller und Berensmeier. Denn hier wurde von vornherein großer Wert darauf gelegt, dass Eltern bei der Beantragung keine langen Wege zurücklegen müssen und alles aus einer Hand erhalten. „Wir haben immer versucht, es für den Bürger so einfach wie möglich zu machen“, sagt Müller, und Berensmeier verweist auf den übersichtlich gestalteten Globalantrag, der gerade mal eine Seite plus eine weitere Seite Anlage umfasst. In letzterer sind die sieben Möglichkeiten nach dem Bildungs- und Teilhabepaket aufgeführt. Angefangen bei der mehrtägigen Klassenfahrt, für die 2017 rund 530 000 Euro im Kreis flossen, über den eintägigen Ausflug (30 000 €), Kultur, Sport, Freizeit (166 000 €), Schülerbeförderung (7000 €), Lernförderung (240 000 €), Schulbedarfspaket (892 000 €) bis zum größten Batzen, der Mittagsverpflegung, mit 1,3 Millionen Euro.

Ein Alleinstellungsmerkmal

Die gemeinsame Anlaufstelle von Kreis und Jobcenter gibt es bereits seit April 2011 in der Agentur für Arbeit an der Reeser Landstraße 61. Elf Mitarbeiter sind in dem Kundenbüro in der ersten Etage tätig, vier vom Kreis, der Rest vom Jobcenter. All dies sei ein Alleinstellungsmerkmal, bei den Kreisen ganz sicher, so Berensmeier, und bei den kreisfreien Städten wohl auch. Diese Organisationsform gebe es nur noch einmal in Süddeutschland, weiß Müller. Hier müssen nicht die Eltern klären, nach welcher gesetzlichen Grundlage Leistungen möglich sind, hier hilft man vor Ort. Dazu müssen Auswärtige nicht erst nach Wesel kommen. Sie können ihre Anliegen auch im Jobcenter ihrer Kommune erledigen. Der Abruf der Mittel ist entsprechend hoch, er liegt bei 80 Prozent derer, die einen Anspruch darauf hätten. Und auch die Dienstleister, wie etwa die Hausaufgabenhilfe und die Caterer der Mittagsverpflegung, profitierten von der bürokratiearmen Lösung.

„Wenn man eine gute Idee hat, sollte man sie auch kundtun“, findet Berensmeier. „Es ist eine kleine Erfolgsgeschichte“, sagt er Richtung Laumann. Vielleicht schaut er ja mal vorbei, um sich vor Ort davon zu überzeugen, wie es ohne viel Bürokratie funktioniert...

>>>ZAHLEN UND FAKTEN

Schulsozialarbeiter beraten in den allgemeinbildenden Schulen über die Möglichkeiten des Bildungs- und Teilhabepakets. Auch das macht sich bei der Ausgabenentwicklung bemerkbar.

Waren es 2011 noch rund 1,2 Millionen Euro, die im Kreis Wesel genutzt wurden, lag die Zahl im vergangenen Jahr bei 3,1 Millionen Euro. 2011 gab es 14 402 Anträge, 2017 dann 16 402. Insgesamt waren das 3 143 312,08 Euro, die den Kindern zugute kamen.

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