Laufen

Einen Berlin-Marathon wird Laurenz Thissen nie vergessen

Laurenz Thissen im Einsatz: Hier beim Drevenacker Abendlauf im Jahr 2015.

Laurenz Thissen im Einsatz: Hier beim Drevenacker Abendlauf im Jahr 2015.

Foto: Markus Joosten

Am Niederrhein.   Seit 35 Jahren moderiert Laurenz Thissen mittlerweile Volksläufe. Ein Ereignis wird er nie vergessen: den ersten Berlin-Marathon nach der Wende.

Wo auch immer am Niederrhein ein Lauf-Wettbewerb stattfindet, ist einer nicht weit entfernt: Laurenz Thissen. Seit 35 Jahren moderiert der Weezer Volksläufe zwischen Kleve und Duisburg. Viele Läufer bezeichnen ihn deshalb sogar als die Stimme des Niederrheins. Im Gespräch mit der NRZ sprach er über seine Karriere als Moderator und einen Lauf, den er wohl nie mehr vergessen wird.

Herr Thissen, Sie moderieren jetzt schon seit 35 Jahren Laufveranstaltungen. Wie hat alles angefangen?

Angefangen hat alles in den 80er-Jahren mit kleinen Veranstaltungen. Ich war damals selbst Läufer und viel unterwegs. Bei den Läufen hatte aber keiner den Mut, ans Mikrofon zu gehen. Dann wurde ich gefragt und ich dachte mir: „Okay, dann machst du das jetzt.“ Das war 1984 am Asperberg, ab da ging es dann los.

Laufen Sie heute auch noch?

Ich bemühe mich als Gesundheitsläufer. Richtig laufen kann ich sonst nicht mehr, weil ich in meiner Läuferkarriere Achillessehnen-Probleme hatte. Dafür wandere ich aber sehr viel und fahre Fahrrad. Letztes Jahr habe ich an einem Tag noch eine 200-Kilometer-Tour gemacht, das war mein Ehrgeiz. Das will ich in diesem Jahr auch noch mal mit 70 Jahren versuchen.

So ganz haben Sie das Laufen aber nicht aufgegeben, schließlich moderieren Sie immer noch viele Laufveranstaltungen. Sind Sie denn noch nervös?

Ja. Sie müssten mal morgens vor einem Lauf hier sein. Ich sage immer zu meiner Frau: „Wir müssen gehen.“ Und sie sagt: „Es ist doch noch Zeit.“ Aber je früher ich da bin, desto ruhiger bin ich. Ich bringe Tische mit, ich habe meinen berühmten Koffer dabei. Das muss ja aufgebaut werden. Und je früher ich dann da bin, umso besser ist es. Obwohl, na klar, die Nervosität hat etwas abgenommen.

Was macht für Sie auch heute noch die Faszination am Laufen aus?

Die Facette des Alters zieht sich von 0 bis 100. Das war für mich schon immer faszinierend. Dann die unterschiedlichen Strecken – durch die Stadt, durch den Wald. Und dann Marathons, wo nicht mehr die Schnellsten dabei sind, aber Ältere, die noch den Ehrgeiz haben, diese Strecken zu laufen. Und man baut auch zu den Veranstaltern tolle Verhältnisse auf.

Einen Berlin-Marathon wird Thissen nie vergessen

Gibt es eine Veranstaltung oder Momente, an die Sie sich ganz besonders erinnern?

Zuerst einmal Berlin. Das war für mich das größte Erlebnis, weil man es nicht mehr wiederkaufen kann. Meine Frau und ich sind 1990 nach der Wende den Berlin-Marathon gelaufen. Da bekomme ich jetzt noch Gänsehaut. Wir sind durchs Brandenburger Tor gelaufen und dann war auf einmal ein kleiner Mann neben mir, der hielt mir die Hand und heulte wie ein Schlosshund. Weil er aus der DDR kam.http://Heimatläufer_in_Schermbeck_flott,_fröhlich_und_in_Feierlaune{esc#217096061}[news]

Das ist wohl ein besonderer Momente, den man so ähnlich kaum mehr erleben kann...

Definitiv. Das war natürlich vom Emotionalen her das Größte, was man erleben kann.Den Kontrast haben meine Frau und ich auf Hawaii erlebt. Das war einer meiner langsamsten Läufe, vier Stunden und 44 Minuten. Manche Läufer gingen während des Marathons in die Kneipe, Bier trinken. Und dann fragten sie, ob ich ein Foto machen könnte. Das ist der langsamste Marathon der Welt. Es lief zum Beispiel auch ein Japaner mit, der war 92 Jahre alt und lief barfuß. Andere Läufer kamen in Flipflops, ein GI kam mit Rucksack und war dann 15 Stunden unterwegs.

„Die DLRG hatte richtig Mühe, sie reinzukriegen“

Und als Moderator? Was ist Ihnen da im Gedächtnis geblieben?

In Bonn habe ich einmal einen Triathlon angesagt – das war die Zeit, als Lothar Leder den Iron Man von Hawaii gewonnen hat. Ich hatte mich vorher schlaugemacht und wusste, dass die Spitze beim Iron Man schwimmend 50 Minuten brauchte. Als ich dann in Bonn das erste Mal auf die Uhr schaute, schwammen die Teilnehmer 38 bis 40 Minuten. „Ehm, das kann doch gar nicht sein“, dachte ich. Es stimmte aber. Die Schwimmer wurden mit einem Boot weggefahren und starteten dann von einer Rampe den Rhein abwärts – also mit dem Strom. Die DLRG hatte richtig Mühe, sie wieder reinzukriegen. Das war unglaublich.

Das klingt nach Action. Heute sind viele Veranstaltungen große Events und Tausende Läufer nehmen teil. Bleibt das so?

Gute Frage. Es gibt heute zum Beispiel immer mehr Firmenläufe. Und musst nicht viel bezahlen und bekommst auch noch ein T-Shirt obendrauf. Abends geht es nach der Arbeit gemeinsam mit den Kollegen zum Lauf. Das macht natürlich viel aus. Es gibt aber einen Trend, hin zu hin zu kleineren Strecken, Halbmarathons oder 10-Kilometer. Also keine großen Marathons mehr. Und dann gibt es noch große Events wie beispielsweise Mudmasters. Da gehen teilweise Menschen hin, die vollkommen untrainiert sind. Aber am Ende können sie sagen: „Ich war dabei.“ Und dann gibt es eine Urkunde und ein schönes Gruppenfoto zum Abschluss.

Zusätzlich achten die Menschen heute mehr auf ihre Gesundheit.

Der Mensch tut heute was für sich. Das hat sich gewandelt. Wenn man viele Kilometer frisst, wie wir so schön sagen, ist es auch wichtig, Ausgleich zu schaffen. Das haben wir früher nicht gemacht. Bei uns war es früher so: Warm machen, laufen und ein bisschen ausdehnen. Heute ist das anders. Die Leute gehen ins Fitnessstudio und/oder schwimmen. Das macht viel mehr Sinn. Das gab es bei uns früher nicht. Menschen in meinem Alter, die 30 Jahre Laufleben hinter sich haben, hört man nur über ein Thema reden: ihre Verletzungen. Rückenschmerzen, Hüfte kaputt, Knie kaputt.

Zum Abschluss: Warum sollte man seine Laufschuhe schnüren und laufen gehen?

Das ist einfach zu beantworten: Laufen befreit. Vom Alltag, vom Kopf her. Es gibt nichts Schöneres, du lässt alles neben dir liegen. Es ist nicht nur das Laufen, es ist das Training, das fit sein. Du gewinnst durch Laufen sehr viel und lernst immer wieder viele Leute kennen.

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