Gamescom-Start

Wie Experten übers Suchtpotenzial von Computerspielen denken

Ein Besucher probiert auf „Gamescom“ ein Spiel mit VR-Brille aus: Die weltgrößte Computerspielmesse öffnet in Köln wieder ihre Türen – an diesem Dienstag zunächst für Fachbesucher, ab Mittwoch fürs allgemeine Publikum.

Ein Besucher probiert auf „Gamescom“ ein Spiel mit VR-Brille aus: Die weltgrößte Computerspielmesse öffnet in Köln wieder ihre Türen – an diesem Dienstag zunächst für Fachbesucher, ab Mittwoch fürs allgemeine Publikum.

Foto: Christophe Gateau / dpa

An Rhein und Ruhr.  Eine Studie sieht deutschlandweit 465.000 „Risiko-Gamer“ im Alter von 12 bis 17 Jahren. Fachleute raten Eltern zu „skeptischer Gelassenheit“.

Die weltweit größte Messe für Computer- und Videospiele, Gamescom, startet an diesem Dienstag (20. August 2019), bis zum Wochenende werden hunderttausende Spielefans in den Kölner Messehallen erwartet. Junge Leute verbringen immer mehr zeit mit Computerspielen. Experten weisen auf das von der Branche befeuerte Suchtpotenzial von Computerspielen hin, warnen gleichwohl vor Panik: „Gaming ist längst zur Popkultur geworden“, meint Daniel Heinz vom „Spieleratgeber NRW“.

Eine kürzlich von der Krankenkasse DAK vorgelegte Studie sieht deutschlandweit 465.000 sogenannte „Risiko-Gamer“ im Alter von 12 bis 17 Jahren. Diese zeigten ein riskantes oder pathologisches Spielverhalten im Sinne einer Sucht. Durch Personalisierung, Belohnungen für hohes Spielengagement und den Open-End-Charakter vieler Computerspiele werde einer möglichen Sucht Vorschub geleistet. Die Jugendlichen hätten im Einzelfall im vergangenen Halbjahr bis zu 1000 Euro für Computerspiele und immer neues Zubehör ausgegeben.

PC-Rollenspiele mit besonderem Suchtpersonal

„Computerspiel- und klassische Glücksspielindustrie haben voneinander gelernt – ob absichtlich oder nicht, will ich mal außen vorlassen“, sagt Matthias Speich, Fachreferent Sucht beim Wohlfahrtsverband Der Paritätische in NRW. Er kritisiert, wenn Spieler zum Kauf immer neuer Apps und Spiele animiert werden. Daniel Heinz vom „Spieleratgeber NRW“, hinter dem die Fachstelle für Jugendmedienkultur NRW steht, sieht vor allem in Rollenspielen am Computer ein besonderes Suchtpotenzial.. Aber auch der immer größer werdende E-Sports-Markt mit Preisgeldern im teilweise hohen fünf- bis sechsstelligen Bereich habe eine besondere Anziehung auf junge Menschen.

Eltern rät Experte Heinz aber zu „skeptischer Gelassenheit“. Technik spiele im Alltag von Kindern und Jugendlichen heute eine ganz andere Rolle als früher: „Der Bildschirm ist ein erweiterter Sozialraum. Gaming-Plattformen sind zu sozialen Netzwerken geworden, wo Begegnung stattfindet.“Seiner Erfahrung nach sei exzessives Gaming bei vielen Jugendlichen nur eine Phase, die sie nach einiger Zeit überwinden.

Eltern sollten sich die Spiele von ihren Kindern erklären lassen

Heinz wie auch Speich raten Eltern, sich Computerspiele von ihren Kinder erklären und sich wirklich darauf einzulassen. „Dann kann man gemeinsam Regeln für den Umgang damit aufstellen“, sagte Matthias Speich. Eltern sollten Sohn oder Tochter beobachten, ob es einen Kontrollverlust gibt, aber dabei fair bleiben.

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