Serie von Rhein und Ruhr

Gefährlich oder ruhig: Rhein und Ruhr sind grundverschieden

Jochen Lettmann in der Werkstatt seines Kanubau-Unternehmens in Moers.

Jochen Lettmann in der Werkstatt seines Kanubau-Unternehmens in Moers.

Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services

Moers.  Jochen Lettmann war Olympiateilnehmer im Kanufahren. Im Interview erzählt der Krefelder, warum er das Element Wasser so besonders findet.

Der Geruch steigt sofort in die Nase. Frisch verarbeitetes Gummi, neue Neoprenanzüge hängen an den Wänden. Wer das Geschäft der Firma Lettmann in Moers betritt, der weiß sofort worum es hier geht - Wassersport. Seit mehr als 50 Jahren verkauft der Kanu-Herrsteller seine eigenen Boote, die auch weit über die Grenzen von Deutschland bekannt sind. Geschäftsführer ist Jochen Lettmann, breites Kreuz, ehemaliger Europa-und Weltmeister im Kanuslalom. Der 50-Jährige war schon auf unzähligen Gewässern unterwegs. Im Interview mit Lucas Bayer erzählt Lettmann, was für ihn die Gewässer in der Region auszeichnen.

Was verbinden Sie mit dem Rhein und der Ruhr?

Ich verbinde damit Heimat. Das Ruhrgebiet und der Rhein, da bin ich groß geworden. Auf diesen beiden Gewässern bin ich außerdem in meinem Leben am häufigsten gepaddelt.

Kann man die beiden Flüsse irgendwie charakterisieren?

Sie sind grundverschieden. Der Rhein ist ein sehr schnell fließender Fluss, der besonders für einen Leihen ein sehr gefährliches Gewässer sein kann. Die Schifffahrt ist schnell unterwegs und man wird dort schnell hingezogen, ohne dass man das so richtig mitbekommt. Die Ruhr hat einen ganz anderen Landschaftscharakter. Wenn ich von Schwerte bis nach Ruhrort fahre komme ich durch ganz unterschiedliche Gebiete – ich sehe Berge, grüne Wälder oder Industrielandschaft.

Ist einer der beiden Flüsse ihr Liebling?

Ich würde den Rhein als Liebling bezeichnen, weil er für mich noch mehr Heimat ausstrahlt. Aber fahrt-und paddeltechnisch ist es schöner auf der Ruhr, weil das Fahren darauf angenehmer ist.

Gibt es Dinge, die man beachten muss, wenn man auf dem Rhein oder Ruhr paddeln möchte?

Grundsätzlich darf man auf jedes Gewässer gehen, auf dem es nicht explizit verboten ist. Man muss aber aufpassen wenn viele Schiffe darauf unterwegs sind, beispielsweise auf dem Rhein oder den Schifffahrtskanälen. Es gibt allerdings viele Gewässer, wo man üben kann. Beispielsweise auf dem Baldeneysee sind wunderschöne erste Touren möglich und da ist es auch sehr sicher.

Sie sind ehemaliger Kanufahrer und bauen diese mittlerweile selber. Was fasziniert Sie an dem Element Wasser?

Wir haben mehr Wasser- als Landflächen bei uns auf der Erde. Dadurch kann ich überall fahren und andere Länder und Sitten erkunden.

Was macht für Sie die Sportart Kanufahren aus?

Die Verbundenheit mit dem Element Wasser und natürlich, dass ich mich draußen in der Natur bewegen kann auf nicht ausgewiesenen Pfaden. Das heißt, ich paddle da lang, wo vorher noch kein anderer war. Es ist anders als beim Wandern, wo ich meistens eine gewisse Wegreihenfolge habe.

Wie sind Sie zum Kajakbauen gekommen?

Das ist familiär bedingt. Mein Vater hat damit angefangen. Er hat 1965 die Firma mit meiner Mutter zusammen gegründet. Meine Schwester und ich haben diese dann 2004 übernommen.

Was war Ihr erstes Boot, das Sie gebaut haben?

Das war mein Slalomboot von 1989. Das habe ich selber gebaut und designed.

Wie lange dauert es, ein komplettes Boot zu bauen?

Das kann zwischen zwei Tagen und zwei Monaten dauern. Es kommt darauf an, was genau der Kunde haben möchte.

Was für Mlnwaterialien werden genutzt? Gibt es Unterschiede zu früher?

Früher hat man im Modellbau alles mit der Hand gemacht. Das heißt, es sind Blöcke gebaut worden, in denen dann auch gefahren und getestet wurde. Das wird heute zum Teil auch noch so gemacht: Es wird ein Prototyp erstellt, in dem man fahren kann und dann wird geschaut, wie fährt der sich. Nur früher ist aus diesem Prototypen direkt die Form gebaut worden, heutzutage wird es digitalisiert und aus dem Rohling wird ein symmetrisches Boot ausgefräst.

Was muss alles geprüft werden, bevor ein Boot auf den Markt kommt?

In erster Linie kümmern wir uns vom Produktionsteam darum. Wir arbeiten auch mit Spitzensportlern an unserer Seite, mit denen wir im Dialog sind. Das Design legt in der Regel mein Vater oder ich fest. Wir kriegen aber auch Anweisungen: Das Boot soll das und das können. Dann setzen wir das natürlich um. Dann wird ein Prototyp gefertigt. Profisportler oder ich, wenn ich reinpasse, gehen damit anschließend aufs Wasser und testen.

Gibt es bei ihren Kunden Bestseller-Boote?

Natürlich gehen die Neuheiten in den meisten Bereichen erst einmal am besten, das ist klar. Manche Neuheiten brauchen allerdings ein wenig. Im Tourensport ist das zweite oder dritte Jahr besser. Die müssen sich erst einmal auf dem Markt beweisen.

Wie beliebt ist der Kanusport heutzutage?

Es ist zum Glück so, dass es nur eine leichte Steigerung der Beliebtheit gibt. Das Problem mit großen Steigerungen ist, dass danach meist ein großer Fall kommt. Von daher ist der Kanusport in der glücklichen Lage, relativ stabil zu sein von den Stückzahlen eine leichte Steigerung zu haben. Sie waren Leistungssportler.

Wie oft gehen Sie denn mittlerweile noch aufs Wasser?

Ab und zu bin ich ein paar Tage im Wildwasser unterwegs, beispielsweise in den Alpen, dann kann ich relativ viel fahren. Wenn ich hier in Moers bin habe ich natürlich kein Wildwasser. Dann gehe ich eher auf einen See oder Fluss, wo ich meine Runden drehe. Hier bei uns Zuhause komme ich ein-, zweimal die Woche zum Paddeln.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben