Gratis-Comic-Tag

Gratis-Comic-Tag: Im Evermore fühlt sich Batman heimisch

Die Papp-Aufsteller von Sheldon Cooper (The Big Bang Theory) und Marvel-Star Black Widow gehören zum festen Inventar des Evermore in der Kamp-Lintforter Innenstadt.

Die Papp-Aufsteller von Sheldon Cooper (The Big Bang Theory) und Marvel-Star Black Widow gehören zum festen Inventar des Evermore in der Kamp-Lintforter Innenstadt.

Foto: Volker Herold

Kamp-Lintfort.   Am Samstag, 11. Mai, gibt es in Kamp-Lintfort wieder kostenlose Comics. Dazu hat Dirk Philipeit zwei bekannte Zeichner ins Evermore eingeladen.

Für Dirk Philipeit ist der kommende Samstag ein besonderer Tag. Denn am 11. Mai ist Gratis-Comic-Tag. Wir trafen den Inhaber des Comic-Ladens Evermore zu einem Gespräch über Lucky Luke und Asterix. Und er erklärte uns, warum sein Laden international bekannter ist als in Kamp-Lintfort.

Herr Philipeit, sind Comics heute noch angesagt?

Comics sind mehr im Trend als jemals zuvor! Das sieht man schon am aktuellen Kinoprogramm. 60 Prozent der Filme kommen mittlerweile aus dem Comic-Bereich. Und da sind noch nicht einmal Mangas (japanische Comics) dabei, die vor allem Jugendliche ansprechen. Und wir haben den Zenit noch nicht erreicht. Ich sehe, dass viele ältere Leute noch immer Comics lesen und dass viele junge Leute einsteigen. Da ist also noch Luft nach oben.

Wer kommt hier in der Regel zu Ihnen in den Laden? Studenten?

Das vermuten die meisten. Aber Studenten haben wenig Geld für Comics. Ein weiteres Problem ist die Sprache: Wir haben viele ausländische Studenten, die sich für Comics interessieren. Aber sie können oft nicht Deutsch. Man darf auch nicht vergessen, dass 80 bis 90 Prozent der Comics für Erwachsene sind. Das heißt, der Durchschnitt ist hier um die 30 Jahre alt.

Sheldon Cooper würde sich wohl fühlen

Wie kann ich mir dann die Kunden vorstellen, die zu Ihnen kommen? Nerds wie bei der US-Sitcom The Big Bang Theory?

Eigentlich geht das so Querbeet. Jugendliche und Ältere lesen eher Mangas. Die Standard-Comics werden vor allem von Sammlern gelesen. Die kommen auch mal im Anzug hier hin.Ich habe einen Arzt hier, einen Politiker, einen Chemiker. Das sind die Stammkunden, die mir auf die Schnelle einfallen. Comic-Leser haben einen hohen Bildungsstand, das wird oft ein bisschen unterschätzt.

Wie wichtig ist so eine Aktion wie der Gratis-Comic-Tag?

Der ist sehr wichtig, denn er ist dafür da, um Leute für andere Sachen zu interessieren. Das Programm deckt das gesamte Spektrum ab, von Comedy bis Action. Und die Verlage geben sehr viel Geld für Leseproben aus, die es an diesem Tag kostenlos gibt.

Haben Sie etwas Besonderes geplant?

Wir haben zwei Comic-Zeichner hier: Steve Scott und Romano Molenaar. Steve Scott ist eigentlich bei DC und zeichnet Batman. Unter anderem hat er die Comic-Adaption von „The Dark Knight“ gezeichnet.

Und Romano hat die Storm-Reihe von Splitter, die im Splitter-Bereich eigentlich die erfolgreichste Serie ist. Er zeichnet aber auch DC.

Beide waren schon häufiger hier. Mark Texeira, einer der bekanntesten Zeichner der Welt, zum Beispiel auch. Wie schaffen Sie das?

Ich bin über einen Bekannten an die Leute gekommen. Er ist sehr gut vernetzt. Und die Zeichner sind auch untereinander vernetzt. Wenn also einer hier war und es gut fand, empfiehlt er mich weiter.

Viele scheinen sich bei Ihnen wohl zu fühlen.

Zumindest kommen die meisten nochmal, wenn sie einmal hier waren (lacht). Die Zeichner, die ins Evermore kommen, sind in der Szene sehr bekannt. Im Vorfeld rufen Leute aus ganz Europa an und fragen bei mir wegen Zeichnungen an. Wenn die Zeichner dann hier sind, bringen sie die fertigen Bilder mit. Dafür zahlen Sammler dann auch mal bis zu 2000 Euro. International ist das Evermore bekannter als hier in Kamp-Lintfort (lacht).

Wirklich?

Ein Stammkunde hat sich mal mit einem Kollegen in Köln getroffen. „Wir haben jetzt in Lintfort ‘nen Comic-Laden“, sagte er seinem Freund. Da antwortete der: „Na klar, weiß ich doch. Das Evermore. Weiß ich von einer amerikanischen Internetseite.“

Welche Rolle spielen deutsche Comic-Zeichner?

Keine große Rolle. Da sind die Franko-Belgier schon stärker.

Warum ist das so?

Ich kann es mir nicht erklären. Irgendwie haben wir Deutschen das Comiczeichnen nicht drauf. Das ist genauso wie mit Filmen. Für sowas sind wir nicht geeignet. Aber dafür haben wir einen Tatort .

Asterix ist immer noch beliebt

Bieten sich Comics auch in der Schule und beim Lernen an?

Sie sind definitiv ein guter Einstieg. Ich hatte schon Sprachlehrer hier, die Flüchtlingen mit Comics Deutsch beigebracht haben. Ein Kunde ist Deutsch-Lehrer und hat gefragt, ob er hier eine Unterrichtsstunde machen kann. Seine Schüler durften sich dann einen Comic aussuchen und dazu eine Rezension schreiben.

Sterben Klassiker wie Lucky Luke, oder Tim und Struppi aus?

Das glaube ich nicht, auch wenn die Nachfrage sicherlich nachlassen wird. Aber viele Eltern geben die Comics an ihre Kinder weiter. Der Vater sucht sich hier seinen Comic aus und fängt dann auch schon an, seinen Nachwuchs in die richtige Richtung zu bringen. Das sieht man hier sehr oft.

http://Kamp-Lintfort-_Das_Geschäft_mit_den_Superhelden{esc#12272496}[news]

Und was haben Sie in der Kindheit am liebsten gelesen?

Asterix.

Gibt es Asterix noch immer?

Na klar. Der letzte Asterix-Comic war wieder klasse. Das war aber nicht immer so. Asterix und Obelix war zwischenzeitlich Müll. „Gallien in Gefahr“ ist einer der miesesten Comics, die ich je gesehen hab. Das ist kein Asterix mehr. (Zeigt auf Superhelden und Außerirdische im Comic). Die Zeichner und Autoren wussten nicht mehr, was sie machen sollen. Als dann ein neues Team kam, ging es wieder bergauf. Wenn die das nicht geschafft hätten, wäre Asterix wahrscheinlich so gut wie tot.

Darum hat Lucky Luke mit dem Rauchen aufgehört

Ich habe gerne Lucky Luke gelesen...

Der läuft auch immer noch gut. Aber er hat sich verändert. (Zeigt aufs Cover). Siehst du, eine kleine Feinheit. Früher hatte Lucky Luke eine Zigarette im Mund. Heute hat er einen Strohhalm im Mund. Es gibt sogar einen Comic, in dem er mit dem Rauchen aufgehört hat. Passt heute nicht mehr, dass in einem Kinder-Comic geraucht wird. Finde ich auch nicht schlecht. Früher hat er lässig seine Zigarette gedreht mit einer Hand, das können sich die Kinder heute nicht als Vorbild nehmen.

Die Welt steckt in einer Katastrophe. Welcher Comic-Held rettet uns?

Och, da würde ich Captain Marvel nehmen. Sieht schnuckelig aus. Besser als Superman.

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