Neues Buch

Heiliges und Unheiliges: Buch erzählt Kevelaer-Geschichten

Die Gnadenkapelle in Kevelaer.

Die Gnadenkapelle in Kevelaer.

Foto: Foto: / dpa

An Rhein und Ruhr.  Die Journalistin Heike Waldor-Schäfer hat ein Buch mit viel Geschichte und kuriosen Geschichten über den Wallfahrtsort geschrieben.

Warum ausgerechnet Kevelaer? Heike Waldor-Schäfer, die es vor sieben Jahren mit Mann und Dackel in das Städtchen am Niederrhein zog, kann gut erklären, wie es dazu kam, dass Kevelaer der bedeutendste katholische Wallfahrtsort Nordwesteuropas wurde. Und weil sie Geschichte und Geschichten liebt, und weil sie gerne schreibt – schließlich leitet sie die Niederrhein-Redaktion der NRZ – hat sie ein Buch über den „liebenswerten Wallfahrtsort“ geschrieben: „Du mein Kevelaer“.

Neues können auch versierte Kevelaer-Pilger dort entdecken. Zum Beispiel am Ende des Klosterganges (Beichtkapelle am Kapellenplatz, linker Gang, rechte Seite). Im kleinen, mosaikverkleideten Becken an der Wand dürfen sich Besucher gesegnetes Wasser zapfen. Gratis. „Das Wasser ist eigentlich ganz normales Leitungswasser“, weiß Waldor-Schäfer. Anders als in Lourdes stamme es nicht aus einer heilbringenden Quelle, sondern werde jeden Tag neu ins Becken eingefüllt.

„Die Seele erfrischen kann es aber durchaus“, sagt die Autorin und erinnert sich an ihre Tante Elisabeth, die im Schlafzimmer ein kleines Weihwasserpöttchen hängen hatte, in das sie jeden Morgen und jeden Abend zwei Finger ihrer rechten Hand tunkte und sich bekreuzigte. Als Kind begriff die kleine Heike, dass es eine Bedeutung haben musste. Und so bewahrt sie nun selbst zu Hause ein paar Milliliter Lourdes-Wasser auf. „Ich habe es noch nie benutzt“, sagt sie, „aber es kann ja auch nicht schaden, es auf Lager zu haben.“

Eine wunderbare Fröhlichkeit

Das Faszinierende an dem Buch: Die Leser können bei jedem der 15 Kapitel anfangen, sich unterhalten lassen, den Geschichtsunterricht auffrischen und schöne Freizeittipps entdecken. Zum Beispiel einen Besuch bei den Ordensfrauen des Klarissenklosters. Heike Waldor-Schäfer hat das tief beeindruckt. „So sehr die Ordensfrauen hier auch in einer von Beten und Gottesfürchtigkeit geprägten Parallelwelt zu leben scheinen, so sehr sind sie doch mittendrin in ihrem Tun, ihrem Denken und ihrer wunderbar irdischen Fröhlichkeit.“ Seit 127 Jahren leben Frauen hier nach den Regeln der heiligen Klara

von Assisi. Ist das altmodisch? Mag sein. Aber gut. „Was für eine Lebensdisziplin, was für ein beeindruckendes Sichselbstnichtnachvornestellen – und das in unserer Zeit!“, schreibt die Autorin voller Respekt.

Die Wallfahrt ist nicht aus der Mode gekommen. 800.000 Pilger machen sich jedes Jahr auf den Weg in die Marienstadt. Viele Niederländer kommen über die nahe Grenze, aber auch Tamilen, Motorradfahrer, Dackelbesitzer (Es gibt tatsächlich eine Wallfahrt der Dackelfreunde!) und auch wieder mehr junge Menschen. Sie stecken ein Licht an der Kerzenkapelle an. Manche erhoffen sich ein Wunder – und hin und wieder scheint auch eines zu geschehen. Dankes-Tafeln in der Kerzenkapelle zeugen davon.

Und wieso nun ausgerechnet Kevelaer? Nun, weil im Jahr 1641 ein Handelsmann gleich dreimal eine Stimme hörte, die ihm auftrug, an dieser Stelle eine Kapelle zu errichten. Und weil im Jahr danach eine nicht minder wundersame Erscheinung die Aufmerksamkeit der Gläubigen auf ein unscheinbares Marienbildchen lenkte. Das war der Anfang.

Am Ende des schönen Buches steht, was heute für einen Besuch gilt: „Man kann sich in Kevelaer wohl fühlen, auch wenn man mit dem lieben Gott nicht viel am Hut hat. Man kann auch einfach nur sagen: ‘Tach, Maria. Schön, dass Du da bist.“

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