Geschenkt

Die Kunst des Bummelns

Immerhin, für diese Art Shopping können sich viele Männer begeistern.

Immerhin, für diese Art Shopping können sich viele Männer begeistern.

Foto: Justin Lane

Männer gehen manchmal bereitwillig mit ihren Frauen shoppen. Damit es schnell geht, zack, zack! Wenn man sie doch im Småland abgeben könnte...

Endlich hatten wir das Bällchenbad für Herren gefunden. Seit zwei Jahren ergibt sich in unseren Urlauben ein Problem: Wohin mit meinem Mann? Da unser Sohn (20) nicht mehr mit uns verreist, ist das familiäre Gleichgewicht gestört. Shoppen in weiblicher Überzahl birgt Konflikte. Diesmal zeichnete sich eine Lösung ab. Wir entdeckten den perfekten Ort, an dem wir Papa über Stunden parken konnten.

Klar, auch Männer gehen gerne mal shoppen. Leider beherrschen sie nicht die Kunst des Bummelns. Ein erfolgreicher Einkauf wird an seiner Geschwindigkeit gemessen. „Kauf!“, schmettert mein Mann, sobald ich aus der Kabine komme. Als wir uns kennenlernten, dachte ich, es handele sich um romantische Verzückung im Stil eines Richard Gere, der seine Pretty Woman ausstaffiert. Mit den Jahren lernte ich: „Kauf!“ heißt: „Kauf, damit wir hier raus können!“ Wohin? Weg! Männer in Geschäften erinnern an Pferde in Autoanhängern – nervöse Fluchttiere, die gegen ihren Willen festgehalten werden. Während meine Tochter und ich gerne bleiben, wo hübsche Dinge sind. Wir können stundenlang Pullis und Ohrringe umkreisen. Wir könnten... wenn nicht dieser Mann an der Ausgangstür stünde und Dellen in den Boden stierte.

Waren wir froh, als in der englischen Provinzhauptstadt ein mehrstöckiger Gitarren-Shop vor uns aufragte. Wir witterten unsere Chance. Gönnerhaft gingen wir in den Laden und sahen hunderte Instrumente. „Das ist besser als im Småland bei Ikea“, flüsterte meine Tochter. Ich überschlug, wie viel Zeit mein Mann jedes Wochenende mit seinen Gitarren verbringt. „Wir holen dich in vier Stunden ab“, flötete ich.

„Och, bitte!“ Wir sollten nur kurz zuhören. Okay, fünf Minuten. Er steuerte auf eine gelbe E-Gitarre zu. „Äh... sommerlich!“, fiel mir dazu ein. „Yamaha Revstar“, lernte ich. Mein Mann spielte drei Minuten und sah glücklich aus. „Dann können wir ja los“, verabschiedeten wir uns. „Wieso? Bin fertig!“, entschied er, ging zur Kasse und zahlte. Wir versuchten, unser Entsetzen zu verbergen. Da warteten so viele Gitarren... Nö, die sei perfekt, weit unterm Normalpreis, ein Schnäppchen, nein, Schicksal! Er bringe sie schnell ins Auto. Dann dürften wir weiter shoppen. Sei ja ein Familienurlaub, kein Egotrip. Wir nickten gequält. Vielleicht könnten wir Papa mit der Gitarre an den Straßenrand stellen, daneben ein Tellerchen mit ein paar Münzen...

Nein?

Die englische Provinzhauptstadt ist ein Shoppingparadies. Es wimmelt von Läden, in denen man toll stöbern kann. Könnte... Wir mussten nach einer Stunde gehen. Man möchte keine zehn Paar Schuhe anprobieren, wenn in der Ladentür ein Mann steht und Luftgitarre spielt.

Keine Schuhe, England, 0 £

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben