Extra Drei

„Heißzeit“, die einen kalt lässt

NRZ-Autorin Cornelia Färber brennt für „Diesel-Fahrverbote“, jedenfalls im Wortsinne. Das Wort des Jahres, „Heißzeit“, dagegen lässt sie kalt.

Das Wort des Jahres 2018 der Gesellschaft für deutsche Sprache ist also „Heißzeit“. Na ja. Klar, der Sommer war zu warm und nur Idioten halten den Klimawandel noch für eine Erfindung der Grünen. Aber Heißzeit? Ist irgendwie weder Fisch noch Fleisch, weder wütend noch witzig. Und ich kann mich auch nicht erinnern, dass ich irgendwen habe sagen hören: „Puuhh, eine Heißzeit heute...“

„Heißzeit“ schlug Konkurrenten wie „Funklochrepublik“, „Ankerzentren“ oder „Diesel-Fahrverbot“. Mich dürfen Sie da nicht fragen, ich hätte sofort „Diesel-Fahrverbot“ genommen. Schön neutral, hübsch bürokratisch und so hinterhältig wie eine gut getarnte Radarfalle.

Dieselfahr-Verbot war nun in der Tat in diesem Jahr in aller Munde – und hat aus redlichen Dieselfahrern, die wie wir drei Jahre gebraucht haben, um ihren neuen und vermeintlich sparsamen Euro-5-Diesel-Kombi abzustottern, Sünder gemacht. Diesel-Sünder.

„Diiieselfahrverbooot“ rauscht es seitdem in meinem Kopf, sobald ich, mit einem schwarzen Aschekreuz auf der Stirn, zu meinem unschuldig dreinblickenden Dieselchen schleiche, hinters Steuer krieche und versuche, unerkannt im Strom der Benziner mitzuschwimmen, wohl wissend, dass die Vorhölle des Öffentlichen Personennahverkehrs früher oder später auf mich wartet.

Eine solch intensive Gefühls-Gemengelage kann „Heißzeit“ nicht hervorrufen, bei mir jedenfalls nicht. Und schon gar nicht so kurz vor Weihnachten, bei gerade mal drei Grad plus.

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