Jasis Woche

Wie es uns passt...

Was macht man, wenn man mit einem leidenschaftlichen Sammler die Wohnung teilt? Man schmeißt seine eigenen Sachen am besten großräumig weg.

Die Menschheit hierzulande teilt sich - nach meiner Erfahrung - in zwei Gruppen: die notorischen Schnellentrümpler, die alles sofort als unnütz aussortieren und wegschmeißen, sobald es ein Staubkörnchen ansetzt, und die Sammler. Zur letzteren Kategorie gehören - nur nach meinem Eindruck und ohne hier irgendwelche abgelatschten Klischees bedienen zu wollen - auffallend viele Männer. Um Ihnen mal ein häusliches Beispiel zu geben: Wie die meisten von ihnen inzwischen wissen dürften, ziehen wir gerade um. Wir verkleinern uns, genau gesagt, wir halbieren uns, was wir anfangs ein wenig verdrängt haben mögen.

Schön ist unser künftiges Domizil, hell, schick und ruhig und mit viel Grün drumherum. Eine gute Wahl, ein Glücksfall. Es ist alles wirklich zauberhaft, wir wollen da nichts drauf kommen lassen.

Aber jedes Mal, wenn wir in den vergangenen Wochen auf Stippvisite in die neue Wohnung kamen, war sie auf unerklärliche Weise geschrumpft. Wände, an denen ich schon großflächig tolle Familienbilder-Galerien geplant hatte, waren plötzlich nicht mehr existent. Der großzügige Wintergarten mit dem Platz für unsere sperrigen Korbsessel, umrankt von Dutzenden exotischer Zimmerpflanzen - auf einmal erwies er sich als ziemlich tropische Fantasie meinerseits. Ja, es gibt einen wirklich netten Wintergarten, aber wenn all unsere Katzen darin sitzen, muss man ihn wegen Überfüllung schließen.

Ich zog die einzig mögliche Konsequenz - und begann, mein Inventar radikal zu entschlacken.

Für Sammler kommt eine Verschlankung einem Sakrileg gleich. Was bedeutet: Man darf so etwas noch nicht einmal denken.

Mein Mann ist Sammler. Vor allem von Schallplatten. Stundenlang vermaß er sein künftiges „Musikzimmer“, entwarf Skizzen, krakelte großzügig bemessene Raumpläne, wo welche Abteilung seines geliebten Vinyls am besten unterzubringen sei. Und war zufrieden. Um beim nächsten Wohnungsbesuch festzustellen: es passt nicht, obwohl er sich nicht verrechnet hat.

Also: die Platten passen schon, die ganze, große, vollständige Sammlung. Aber sonst nichts. Man müsste die Musik im Stehen hören. Mein Mann fing von Neuem an zu kritzeln, übertrug seine Vermessungsergebnisse hektisch auf Millimeterpapier - maßstabgerecht, wie er betonte. Und versuchte noch ein Mini-Sofa reinzuquetschen. Er kritzelt übrigens immer noch.

Ich habe unterdessen festgestellt, dass in der Küche noch einiges an Platz frei ist. Ich könnte ihm da ein paar Schränke für seine Platten anbieten...

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