Reisetipps

Japanisches Düsseldorf: Einen Tag lang in „Little Tokio“

Düsseldorf als Mini-Tokio: Blick auf den Eko-Tempel und Garten. Foto: Olaf Fuhrmann / FUNKE Foto Services

Düsseldorf als Mini-Tokio: Blick auf den Eko-Tempel und Garten. Foto: Olaf Fuhrmann / FUNKE Foto Services

Düsseldorf.  Die japanische Community hat etwas Tokio nach Düsseldorf gebracht. Vom EKO-Haus geht’s über die Immermannstraße bis in eine Shiatsu-Heilpraxis.

Der Eingang ins „japanische Düsseldorf“ liegt etwas versteckt, hinter einer Sackgasse und beschaulichen Mehrfamilienhäusern aus Backstein. Ein Schritt über die Schwelle des „Bergtores“ zur Tempelanlage jedoch, schon wähnt man sich in einer traditionell buddhistischen Gartenlandschaft. „Das ist kein Park, in dem man lustwandelt“, erklärt Michael Kuhl, wissenschaftlicher Mitarbeiter im EKO-Haus der Japanischen Kultur. Der Garten versinnbildliche in Einheit mit dem Tempel die buddhistische Vorstellung vom Paradies: Grashügel symbolisieren dabei Gebirgslandschaften, Steingräben Wasserläufe. Seit 1993 bietet das Kulturzentrum ein bisschen Japan „in der Peripherie Düsseldorfs“, wie Kuhl es ausdrückt. „Das tut dem Besucherstrom aber keinen Abbruch.“

Touristen reisen aus ganz Deutschland, aber auch aus Belgien an – nicht nur zur beliebten Kirschblüte im Frühjahr oder zum farbgewaltigen „Indian Summer“ im Herbst. „Hier kommen sicherlich mehr Touristen her als Japaner“, beobachtet Kuhl. Denn so etwas wie das EKO-Haus, das gebe es nicht zweimal in Europa. Michael Kuhl studierte Japanologie in Bochum und Tokio, seit 25 Jahren arbeitet er im Kulturzentrum. „Der Zugang meiner Generation waren Samurai, heute ziehen Mangas in den Hörsaal.“

Minimalistische Architektur

Auf dem Gelände des Kulturzentrums können Besucher unterdessen Elemente des „traditionellen“ Japans erkunden. Auf Pfaden geht es durch den Garten, vorbei an einem Steinbecken zur rituellen Waschung, steinernen Laternen, der massiven Bronzeglocke, über eine geschwungene Brücke. Und auf weißen Socken ins Innere des Tempels mit seinen Lampen, Leuchten und Lichtern. Hier scheint alles warm und golden. Der Altarraum glänzt, reich verziert mit Pfauen, Pflanzen oder Ornamente. Den Tempel beschreibt Kuhl als „einerseits religiösen, andererseits musealen Ort“, der auch zu Zeremonien öffentlich zugänglich bleibt. „Das ist in Japan ohnehin üblich.“ Ein Schlag auf die massive Klangschale vor dem Altar. Vier Minuten, dann ist der Ton verhallt.

Ein japanisches Holzhaus, gebaut vor über hundert Jahren in einem Randbezirk Tokios, grenzt an die Gartenanlage. Wie auch die Materialien des Tempels wurde das Holzhaus aus Japan eingeflogen und von japanischen Zimmermännern fachgerecht aufgestellt. Es ist hölzerner Minimalismus pur: nach festen Maßeinheiten sind Zimmer, bespannte Schiebetüren und Wandelemente sowie die Böden aus Tatami-Reisstrohmatten angelegt. Parallelen zum Bauhaus seien offenkundig, sagt Kuhl, da die Stilrichtung stark von der traditionellen japanischen Architektur beeinflusst wurde. „Das ganze Leben spielte sich auf dem Boden ab“, mit niedrigen Tischen zum Essen und Futons zum Schlafen. Nur eine japanische Hightech-Toilette gibt’s hier und in den Räumen des Kulturhauses nicht.

Frühstück aus Reis und Misosuppe?

Japanische Großstadt in Maßen wartet in der Innenstadt auf der Immermannstraße. Zumindest, was die kulinarische Versorgung angeht. Reis, Algenblätter in Verpackungen voll japanischer Schriftzeichen gibt es in den Supermärkten zu gefühlt tausend Sorten. Und Sushi, Ramen oder Hähnchenspieße fehlen weder in den Kühltheken, noch in den sich reihenden Restaurants. Einige Buchhändler haben sich auf Mangas und japanische Bücher spezialisiert. Ein Paar aus Eindhoven – sie Japanerin aus der Nähe von Kyoto, er Niederländer – deckt sich in einer japanischen Bäckerei ein. Sie kommen seit Jahren nach Düsseldorf, denn hier gebe es eine größere Auswahl an japanischen Geschäften und Produkten als in den Niederlanden. Die Körbe der Bäckerei sind am späten Nachmittag bereits fast leer. Dabei besteht ein traditionelles Frühstück in Japan eigentlich aus Reis und Misosuppe.

Vom Bürgersteig der Immermannstraße geht es auf’s Futon in Annemarie Mitsuyo Otts Shiatsu-Naturheilpraxis. Und dort liegt es sich nach einem Streifzug durch sämtliche japanische Supermärkte durchaus bequem. Shiatsu – eine Körperbehandlung, die ihre Wurzeln in der fernöstlichen Philosophie hat – wird traditionell auf dem Boden praktiziert, erklärt Ott. Die Düsseldorferin wuchs „bilingual und bikulturell“ am Rhein auf und kennt sich in der Community bestens aus. „Little Tokio ist definitiv größer geworden“, sagt sie. „Und am Samstag kann man Cosplay auf der Immermannstraße beobachten.“ Natürlich sei Düsseldorf nicht Tokio. Doch „Tokio sei fast schon nicht mehr wie Japan, sagten einst meine Großeltern. Düsseldorf ist sehr charmant.“

Annemarie Mitsuyo Ott kennt Shiatsu noch aus Erzählungen ihres Großvaters, der das Verfahren seinerzeit „für sich nutzte“. Ihre Ausbildung machte sie jedoch in Deutschland. „Die Shiatsu-Stile in Europa und Japan unterscheiden sich, auch wenn die Basis gleich bleibt.“ Die Internetseite ihrer Praxis ist zwar auch auf Japanisch abrufbar. Doch könne sie nicht beobachten, dass überwiegend Menschen aus der japanischen Community zum Shiatsu gehen würden.

Shiatsu auf dem Futon

Auf dem Futon beginnt Ott im Knien. Vom Bauch ausgehend tastet sie die Körpermitte ihrer Patienten ab, um zu entscheiden, wie und wo sie weitermacht. Shiatsu heißt nicht nur Einsatz am gesamten Körper, sondern auch voller Einsatz für Annemarie Mitsuyo Ott. Sie dehnt Beine, rotiert Arme und Handgelenke, streckt und drückt sanft sämtliche Muskelstränge. Dabei setzt die Heilpraktikerin selbst ihre Arme, Beine und Hände ein, nutzt ihr Eigengewicht und das des Behandelten. Shiatsu solle der Entspannung dienen und die Aufmerksamkeit auf die einzelnen Körperteile lenken, sei aber keine „klassische Knetmassage“.

An den Wänden hängen filigrane Blumenmuster und auf dem Fenster über dem Futon steht eine weiße Vase mit blauen Blumenmuster, die einst Otts Großvater gehörte. Glücklicherweise habe sie den Transport aus Japan überstanden, sagt die Heilpraktikerin. „In der Einrichtung steckt ein Stück Familie.“

>>> Japanische Community

Nach Angaben des Japanischen Generalkonsulats leben rund 8.500 japanische Staatsbürger im Großraum Düsseldorf. 400 japanische Unternehmen sind hier ansässig. Die Landeshauptstadt sowie das Land NRW bieten seit Ende des Zweiten Weltkrieges gute Standortbedingungen für die Ansiedlung japanischer Unternehmen. So hat die Stadt Düsseldorf einen eigenen Japan Desk zur Betreuung von Unternehmen. Veranstaltungen wie der alljährliche Japan-Tag auf dem Burgplatz und der Rheinuferpromenade, das Hortensienfest des Take e.V. oder die Japanischen Filmtage vermitteln japanische Kultur. Es gibt sogar einen japanischen Fanclub bei Fortuna Düsseldorf.

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