Landwirtschaft

Kreis Weseler Bauern bleiben auf der Gülle sitzen

Durchnässte Böden machen den Landwirten zurzeit das Leben schwer – auch im Kreis Wesel.

Durchnässte Böden machen den Landwirten zurzeit das Leben schwer – auch im Kreis Wesel.

Foto: Philipp Schulze/dpa

Kreis Wesel.   Neue Düngeverordnung und zuviel Regen haben zu einer misslichen Lage geführt: Die Keller sind voll, können aber nicht abgefahren werden.

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Eine Mischung aus neuer Düngeverordnung und Dauerregen macht den Bauern derzeit zu schaffen: Ihnen steht die Gülle quasi bis zum Hals. Die güllefreie Zeit dauert durch die neuen Vorschriften länger als bislang, vom 1. November bis zum 1. Februar. Eine Möglichkeit, die Sperrzeit zu verschieben gab es im Kreis Wesel, anders als bislang, nicht mehr. Früher konnten die Landwirte früher aufhören, Gülle zu fahren, dafür auch früher anfangen. Das geht nicht mehr und die Keller stehen voll. Schon im Herbst konnten viele Landwirte ihre Lager nicht leeren, aus dem gleichen Grund: zu nass.

Ackerboden ist nicht befahrbar

Zwar dürften die Trecker diese Woche theoretisch wieder rollen, aber: der Boden ist zu weich, um ihn mit schweren Maschinen befahren zu können. Auf wassergesättigten Böden darf Gülle nicht ausgebracht werden, kann aber auch gar nicht. In einigen Bereichen kommt hinzu, dass das Hochwasser die Grundwasserspiegel ansteigen lässt. „Die Bauern benötigen durch die neue Düngeverordnung mehr Lagerraum“, erläutert Arndt Cappell-Höpken, Landwirt aus Drevenack, die Misere. Eine Investition pro Hof, die zwischen 60 000 und 100 000 Euro liegt. Cappell-Höpken fordert, dass das Land die Bauern dabei unterstützt, damit kleine Betriebe nicht aufgeben müssen.

So schnell lassen sich keine Lager bauen

Doch auch wer bauen kann und will – „man braucht ja schon für die Baugenehmigung ein Jahr“, rechnet Landwirt Robert Meyboom aus Bislich. So schnell geht da nichts. Die Situation ist misslich, die Bauern bringen ihre Gülle unter, wo sie können – gegen Geld. Sie einfach in die Landschaft zu kippen, wie in Nordbrock geschehen, ist illegal – „das Allerletzte“, wie Cappell-Höpken betont. So mietet man Behälter an, hofft auf die Biogasanlagen, deren Kapazitäten inzwischen erschöpft sind, versucht an der Güllebörse seine Mengen loszuwerden. „Das kostet 20 Euro pro Kubikmeter“, rechnet der Obrighovener Landwirt Herbert Schmäh vor, der rund 300 Tiere im Stall hat. Pro Tier fallen acht Kubikmeter Gülle im Jahr an, sagt er.

Hoffen auf leichten Frost

Drevenacker sind jetzt leicht im Vorteil, der Sandboden lässt das Wasser schnell abfließen lässt – ein Nachteil bei Trockenheit. Viele hoffen jetzt auf Frost. Dann wäre der Boden befahrbar. Zu kalt darf es aber auch nicht werden: Laut Düngeverordnung muss der Boden tagsüber wieder auftauen. Wenn die Bauern Pech haben, kann der Regen noch Wochen immer wiederkehren.

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