Lichtermarkt in Duisburg

Lichtermarkt: Herr Lehmann lässt die Späne fliegen

Herr Lehmann bei der Arbeit.

Herr Lehmann bei der Arbeit.

Foto: Thomas Berns

Duisburg.  Am liebsten schnitzt Herr Lehmann aus Rheinberg mit Lindenholz. Oder Zirbelkiefer. Beim Lichtermarkt in Duisburg kann man ihm zuschauen.

Auch ohne jegliche Deko macht die Gebläsehalle im Landschaftspark Duisburg Nord einiges her. „Oh ja, die Stimmung hier ist etwas ganz Besonderes“, sagt Alexander Lehmann und schaut sich begeistert um.

Große Maschinen in Ofen- oder Pumpenform sorgen um ihn herum für ein industrielles Flair. Bald wird der 71-jährige Rheinberger dort für ein Wochenende seine Werke anbieten. Zusammen mit 106 anderen Ausstellern beim Lichtermarkt im Landschaftspark, der in diesem Jahr von Freitag, 29. November, bis Sonntag, 1. Dezember, stattfindet. Doch bis dahin sind es noch ein paar Tage. Jetzt begutachtet Herr Lehmann erst einmal den Platz, der für seinen Stand vorgesehen ist.

Fünf Meter breit und viel Platz nach vorne

Ungefähr fünf Meter Breite und viel Platz nach vorne. Passt. „Im vergangenen Jahr war ich auch schon einmal hier, es hat mir sehr gut gefallen“, erzählt der Holzschnitzer. Der Holzkünstler schafft vor allem abstrakte Werke. Zwar sei zu Weihnachten auch schon einmal eine Krippe dabei, die habe dann aber eine sehr „futuristischen Gestaltung“.

Als Beispiel für seine Kunst zeigt er auf seinem Handy-Bildschirm einen Kerzenleuchter, der auf langen, geraden Haaren angebracht ist. Der Kopf ist nach vorne gestreckt. Für Aufsehen hat im vergangenen Jahr aber ein anderes Kunstwerk des Hobbyschnitzers gesorgt: Der Kopf und die langen Haare von Jorge González, unter anderem bekannt als Juror bei der TV-Show „Let`s Dance“ – den hat Lehmann auch aus Holz geschnitzt.

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„Für Projekte wie diese brauche ich meistens um die drei Tage“, sagt der 71-Jährige. Am häufigsten arbeitet er mit Lindenholz oder Zirbelkiefer. Letzteres allerdings nur selten, da die Heimat der Bäume die Alpen sind und die Karpaten. „Das bringe ich mir gerne mal mit, wenn ich in Österreich im Urlaub war.“

Bereits als Jugendlicher hat er mit dem Schnitzen angefangen. Erstes Übungsobjekt war dabei noch Gips. „Da kann man mit einem Messer leicht ‘reinschneiden“, sagt der Senior. Von Beginn an sei er ein Autodidakt gewesen, mit Nachhilfe bei einigen Schnitzkursen.

Zum Beruf hat der 71-jährige Rentner die Holzkunst allerdings nie gemacht. „Ich habe als Chemiefachkraft in Rheinberg gearbeitet“, erzählt er. An seinen Kunstwerken habe er dann vor allem im Herbst und Winter gearbeitet.

Mit dem Ausstellen hat er sich Zeit gelassen. Das erste Mal war vor zwölf Jahren. „Die Solvay-Werke in Rheinberg haben eine Werkstatt für Künstler zur Verfügung gestellt, und da habe ich dann erstmals Sachen gefertigt, die bei einer Ausstellung gezeigt worden sind.“

Momentan ist er im Jahr auf drei Märkten unterwegs. In Xanten, Rheinberg und eben in Duisburg-Nord.

Die Reaktionen auf seine Werke sind durchweg positiv, wie der Holzschnitzer auch aus dem ersten Jahr beim Lichtermarkt berichtet: „Die Besucher waren alle sehr interessiert und haben Fotos von meinen Arbeiten gemacht.“

Herr Lehmann lässt sichüber die Schultern schauen

Um die Holzschnitzereien anzufertigen sei einiges an Talent und Zeitaufwand nötig. Darauf machte ihn auch ein Käufer eines seiner Werke beim Lichtermarkt aufmerksam: „Er hat mir eine Skulptur abgekauft. Und zehn Prozent mehr bezahlt, als ich eigentlich haben wollte.“ Die Erklärung dafür war: „Zehn Prozent zusätzlich als Entschädigung für ihre Frau.“

Am liebsten schnitzt Alexander Lehmann in seiner Werkstatt bis zur Mittagszeit, danach gehe er anderen Dingen nach. „Ein ganzer Anhänger“ mit Arbeiten wird auf dem Lichtermarkt zu sehen sein. Und klar: Herr Lehmann wird vor Ort auch arbeiten-- und man kann ihm beim Schnitzen gern über die Schultern schauen.

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