Bedrohte Art

Naturschützer küren Turteltaube zum Vogel des Jahres 2020

Der „Vogel des Jahres 2020“ ist die Turteltaube. Experten schätzen, dass es in NRW nur noch weniger als 1000 Brutpaare gibt.

Der „Vogel des Jahres 2020“ ist die Turteltaube. Experten schätzen, dass es in NRW nur noch weniger als 1000 Brutpaare gibt.

Foto: Michael Wimbauer / dpa

An Rhein und Ruhr.  Die Bestände der Turteltaube sind um 90% zurückgegangen. Mit dem Titel „Vogel des Jahres“ will der Nabu auf die bedrohte Art aufmerksam machen.

Turteltauben sind nicht umsonst das Symboltier für Verliebte: Die Vögel halten ausgiebig Hochzeit. Sie gurren ausgiebig, das klingt wie „Turr, turr“, daher der Name. Nur hört man das in Nordrhein-Westfalen immer seltener. Fachleute schätzen, dass im größten Bundesland vermutlich nicht einmal mehr 1000 Paare brüten, deutschlandweit höchstens 22.000. Naturschützer haben die Turteltaube an diesem Freitag (11. Oktober 2019) zum „Vogel des Jahres 2020“ erklärt.

Deutschlandweit, aber auch in ganz Europa gibt es seit Jahren immer weniger der vergleichsweise bunt gefiederten Tauben. Die Vogelart steht auf der weltweiten Roten Liste der bedrohten Tierarten. „Ganze Landstriche sind mittlerweile turteltaubenfrei“, klagt Heinz Kowalski, Landesvize des Naturschutzbundes (Nabu), der den „Vogel des Jahres“ zusammen mit seinem bayrischen Partner LBV kürt. Den Titel für 2019 hatte erneut die Feldlerche erhalten.

In Südeuropa wird Jagd auf die Tauben gemacht

Seit 1980 seien die Turteltauben-Bestände um fast 90% zurückgegangen, berichtet Kowalski. Als Gründe führen Naturschützer die intensive Landwirtschaft an, aber eben auch die legale und illegale Jagd im Mittelmeerraum. Die EU hat in diesem Sommer bereits Vertragsverletzungsverfahren gegen Spanien und Frankreich, weil die Länder mehr für die bedrohte Tierart tun sollen.

Ein Großteil der europaweiten Turteltauben-Bestände brütet im Mittelmeer-Raum. Aber auch die Vögel von Rhein und Ruhr müssen dort vorbei, wenn sie ins Winterquartier ziehen. Was man nicht unbedingt ahnt: Die mit 25 bis 28 Zentimetern Größe eher etwas kleineren Tauben sind ausdauernde Langstreckler. Überwintert wird südlich der Sahara, in Ländern wie Mauretanien oder Äthiopien, nach mehreren tausend Kilometern Reise.

Nur vereinzelte Paare am Niederrhein

In NRW waren Turteltauben früher zumindest im Tiefland sowie im Bergischen flächendeckend vertreten. Die Chancen, heute welche zu sehen, sind am höchsten auf den Sandböden der Wahner Heide bei Köln oder in der Senne in Ostwestfalen. Am Niederrhein gibt es nur einzelne Brutpaare, etwas größer ist der Bestand im Raum Düsseldorf-Mönchengladbach. „Das hat mit der Landschaftsstruktur zu tun“, erklärt Christian Härting, Vogelkunde-Experte beim Nabu in NRW.

Turteltauben benötigten Hecken zum Brüten und Brachen oder ungespritzte Ackerflächen, um sich zu ernähren. Die Vögel sind Veggies – sie ernähren sich fast ausschließlich vegan, futtern am liebsten Wildkräuter- oder Baumsamen. „Wenn man den Vögel etwas Gutes will, dann brauchen wir mehr Feldraine, Streuobstwiesen oder Brachen“, meinte Härting.

Im nächsten Frühjahr wird wieder neu geturtelt

Nochmal zurück zur Liebe: Treu sind Turteltauben nur bedingt – nämlich eine Brutsaison lang. Im nächsten Frühling (die Vögel sind im Mai wieder zurück) wird wieder geturtelt, gerne mit jemand anderem. Monogamie sei im Vogelreich eher selten, meinte der Nabu-Experte.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben