Polizei

Neues Lagebild: Wirtschaftskriminalität in NRW rückläufig

Wirtschaftskriminelle richteten in Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr laut einem neuen LKA-Lagebild einen Schaden von 376.801.310 Euro an.

Wirtschaftskriminelle richteten in Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr laut einem neuen LKA-Lagebild einen Schaden von 376.801.310 Euro an.

Foto: Monika Skolimowska / dpa

An Rhein und Ruhr.  Wirtschaftskriminelle haben 2018 in NRW deutlich weniger Delikte als in den Vorjahren verübt. Der angerichtete Schaden bleibt dennoch immens.

Die Polizei in Nordrhein-Westfalen hat es im vergangenen Jahr mit so wenig Fällen von Wirtschaftskriminalität zu tun gehabt wie zuletzt Anfang der 90-er Jahre. Ein neues Lagebild des Landeskriminalamtes (LKA) listet für diesen Bereich für 2018 insgesamt 7690 Delikte auf (-11,1% gegenüber Vorjahr). Der Gesamtschaden wird mit knapp 376,8 Mio Euro beziffert (-19,66%) und war damit ebenfalls auf dem Niveau von vor 25 Jahren. Die Aufklärungsquote lag kaum verändert bei etwa 94%. 4334 Tatverdächtige wurden identifiziert, 271 weniger als im Vorjahr.

Grund zur Entwarnung gibt es - gerade angesichts der immensen Schadenssumme - nicht.

Zwar halten die Experten vom LKA in ihrem Lagebild ausdrücklich fest, dass sich nachhaltige Aufklärungs- und Präventionskonzepte auszuwirken scheinen. Zudem betreibt die Wirtschaft stärker Vorsorge in den eigenen Reihen. Drei Viertel aller Mittelständler und Großunternehmen verfügen einer Studie zufolge mittlerweile über ein Compliance-Management-System, um zu kontrollieren, wie es in ihrem Hause um die Einhaltung von Regeln und Gesetzen steht. Allerdings fließen in die Statistik und damit ins Lagebild auch nur die Taten, die tatsächlich angezeigt wurden, das sogenannte Hellfeld. Nicht erfasst sind zudem Wirtschaftsdelikte, die ausschließlich Zoll oder Finanzverwaltung betreffen.

Warnung vor „Fakeshops“ im Internet

Einen Anstieg gibt es sogar im Bereich „Wirtschaftskriminalität bei Betrug“. Hier sind die Deliktzahlen um 10,3% raufgegangen, während sich die Schadenssumme mit 60,5 Mio Euro fast halbiert hat. Angesichts der immer noch wachsenden Bedeutung des Internets greift vor allem Warenbetrug um sich – etwa durch sogenannte „Fakeshops“, vermeintliche Onlineverkaufs-Adressen, bei denen es nur um das Geld der geprellten Kunden geht.

Allein ein Verfahren im Rhein-Sieg-Kreis hat die Deliktzahlen im vergangenen Jahr um 837 Fälle nach oben getrieben. Es geht im Bereich „Wirtschaftskriminalität bei Betrug“ aber auch um eher klassische Fälle. So hat etwa ein Netzwerkadministrator eines Bundesministeriums in Bonn bei der Beschaffung von Softwareupdates und Hardware in die eigene Tasche gewirtschaftet und einen Schaden von 650.000 Euro angerichtet.

Zurückgegangen ist der sogenannte „Geschäftsführerbetrug“, der in den letzten Jahren stark um sich gegriffen hatte. Zurückgegangen sind auch Insolvenzstraftaten, Wettbewerbsdelikte und - ganz deutlich (um gut 70%)- die Wirtschaftskriminalität im Anlage- und Finanzierungsbereich sowie der Betrug und die Untreue bei Beteiligungen und Kapitalanlagen. Die Verfahren sind gleichwohl sehr aufwändig. So soll z. B. ausgerechnet der „Gruppenleiter Betrugsabwehr“ einer großen Versicherung über Jahre Zahlungen für alte, bereits abgewickelte Schadensfälle auf eigene Konten geleitet haben. Die Schadenssumme wird mit 2,1 Mio Euro angegeben. Das Verfahren lag bei der Polizei Köln. den Angaben zufolge ist der Mann voll geständig.

Geprellte Anleger melden sich aus Scham nicht

Beim Betrug mit sogenannten „Binären Optionen“, einer Art Termingeschäft, trauen die Ermittler dem Braten nicht. Hier werden Anlegern zunächst hohe Gewinne auf vermeintlichen Online-Plattformen vorgegaukelt. Wenn sich die Kunden jedoch ihr Geld auszahlen lassen wollen, bricht der Kontakt zur bisher doch so seriösen Handelsplattform plötzlich ab.

Den Polizeibehörden in NRW wurden in 2018 laut Lagebild nur noch sieben Fälle gemeldet (Vorjahr: 40). Die Ermittler glauben aber, dass es hier eine erhebliche Dunkelziffer gibt und sich geprellte Anleger aus Scham nicht melden. Hinter den Taten werden kriminelle Banden mit Callcentern im Ausland vermutet.

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