Organspende

Radeln gegen das Sterben auf der Warteliste für neues Organ

Wie bei jeder Tour gibt es auch bei den Organspende-Radlern vorher ein Briefing.  

Wie bei jeder Tour gibt es auch bei den Organspende-Radlern vorher ein Briefing.  

Foto: Stephan Hermsen

An Rhein und Ruhr.Vor 17 Jahren bekam Gudrun Manuwald-Seemüller eine neue Leber – und dennoch gibt es Momente, in denen ihr die Galle hochkommt: „Es gibt auch hier Krankenhäuser der Maximalversorgung, die keinen einzigen Organspender melden“, sagt die streitbare Frau, die mit 35 Mitstreitern an diesem Sonntag aufbricht zur 13. Radtour pro Organspende. Sie weiß: „Hier im Rheinland ist die Klinikdichte besonders hoch.“

Da wollen sie vorbeifahren. Nicht nur, um klarzumachen, wie wichtig es ist, dass Kliniken jeden potenziellen Organspender identifizieren und melden. Denn in vielen Fällen lohnt es sich für Krankenhäuser nicht, Organspender zu melden, weil der Aufwand und die Kosten hoch sind.

So weist die Tour in der jetzt laufenden Woche jede Menge Stopps auf: 17 insgesamt an diversen Kliniken. Und dazu kommt noch ein ganz besonderer Halt: Am Dienstag sind sie bei Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) in Düsseldorf . Bei ihm, so Ralf Knickrehm, der seit 20 Jahren mit einer Spenderniere lebt, wird man auf offene Ohren stoßen. „Er hat sich bislang klar für die Widerspruchslösung ausgesprochen und setzt sich für eine bessere Vergütung der Organspende ein“, weiß der Internist aus Duisburg.

Zudem, so Knickrehm, hat die mediale Berichterstattung über die diversen Transplantationsskandale nicht gerade Vertrauen geschaffen. So gibt es mehrere Motive, die seit mittlerweile 13 Jahren Menschen in den Sattel bringen, die entweder ein Organ gespendet haben, eines empfingen oder auf eines warten. „Wir wollen bei den Kliniken auch Danke sagen“, sagt Manuwald-Seemüller. Es gehe darum zu zeigen, dass der medizinische Kraftakt sich lohnt, dass Organempfänger lebensfreudig und sportlich sein können.

Und natürlich will der Trupp im roten Trikot weiter für das Thema sensibilisieren. „Es kann doch nicht sein, dass in Kroatien und Spanien drei- bis viermal so viele Organspender zur Verfügung stehen wie in Deutschland“, sagt sie. „Wir sind so schlecht wie Bulgarien, Rumänien und Moldawien.“

Knickrehm ergänzt: „Jeden Tag sterben in unserem Land drei Menschen auf der Warteliste, weil es nicht genug Spender gibt“, sagt er. Während Nierenpatienten dank Dialyse, wenn auch mit Einschränkungen, weiterleben können, gibt es bei Leber, Herz und Lunge keine Alternative. Und auch zwei Herztransplantierte und mehrere Menschen mit neuer Leber sind bei der Tour dabei – als Lobbyarbeiter in eigener Sache.

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