Artenschutz

Riesenotter aus dem Zoo Duisburg in Argentinien ausgewildert

2011 wurde Alondra im Zoo Duisburg geboren. Nun soll sie im Nordosten Argentiniens die Stamm-Mutter einer neuen Population dieser Raubtiere werden, die dort „Wölfe der Flüsse“ genannt werden.

2011 wurde Alondra im Zoo Duisburg geboren. Nun soll sie im Nordosten Argentiniens die Stamm-Mutter einer neuen Population dieser Raubtiere werden, die dort „Wölfe der Flüsse“ genannt werden.

Foto: Foto: Rafael Abuín / proyecto iberá

Duisburg/Iberá.  In Argentinien waren Riesenotter ausgestorben. Alondra aus Duisburg soll dort die Stamm-Mutter einer neuen Population werden.

Sie ist die Erste ihrer Art. Die Erste, die wieder die Landschaft aus Sümpfen, Lagunen und schwimmenden Inseln im Nordosten Argentiniens durchstreifen wird, wo Mitte des 20. Jahrhunderts die Riesenotter verschwanden, weil der Mensch sie gnadenlos gejagt und ihren Lebensraum zerstört hat. Nun soll das in seinem nassen Element pfeilschnelle Raubtier wieder in seinem ursprünglichen Verbreitungsgebiet angesiedelt werden. Und die Ehre, die Stamm-Mutter einer neuen Population der hochbedrohten Art werden zu können, gebührt einer Duisburgerin.

Das ist dem Riesenotterweibchen Alondra vermutlich völlig egal. Aber im Zoo Duisburg ist man mächtig stolz, dass das erste Raubtier, das im Nationalpark Iberá ausgewildert wird, aus der Kaiserberg-Zucht stammt. „Dass die ersten in Menschenobhut geborenen Riesenotter zurück in ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet kehren, verdeutlicht die wichtige Rolle, die Zoos einnehmen. Unter geschützten Bedingungen können wir eine stabile Reservepopulation aufbauen und die wildlebenden Bestände einer Tierart durch gezielte Auswilderungen stärken oder, wie im Falle der Riesenotter Argentiniens, ausgerottete Populationen wiederaufbauen“, macht Johannes Pfleiderer, zoologischer Leiter im Zoo Duisburg, deutlich.

Alondras Geschichte bewegt die Mitarbeiter des Duisburger Zoos

Oder wie es Christian Schreiner, Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Zoo, etwas emotionaler ausdrückt: „Wir haben die Tiere gezüchtet, sie bewahrt und nun schließt sich der Kreis mit der Auswilderung. Das ist für uns alle hier bewegend.“

Lang war der Weg, der dafür zurückgelegt werden musste. Zwei Jahre dauerten die Vorbereitungen, bis das im Juli 2011 im Duisburger Zoo geborene und zuletzt im ungarischen Zoo Budapest gehaltene Riesenotterweibchen zum ersten Mal in das klare Wasser ihres 800 Quadratmeter großen Vorbereitungsgeheges am Ufer der Lagune von Paraná gleiten konnte.

Möglich machte dies die Fundación Rewilding Argentina, eine nichtstaatliche Organisation (NGO), die sich das Ziel gesetzt habe, die ursprüngliche Fauna in Argentinien wieder anzusiedeln, wie Pfleiderer erklärt. Dazu habe die Organisation, die unter anderem von der Leonardo-DiCaprio-Stiftung unterstützt wird, zwei Gebiete im Nordosten des Landes gekauft und dort zwei Nationalparks aufgebaut, die knapp halb so groß sind wie NRW.

„Dort haben sie mit der Auswilderung der Pflanzenfresser begonnen und wieder Grünflügel-Aras angesiedelt, die zweitgrößte Papageienart der Welt, die dort ebenfalls ausgestorben war“, schildert Pfleiderer. 2017 folgten Flachlandtapire, die inzwischen den ersten Nachwuchs zur Welt gebracht haben, sowie Große Ameisenbären. Und in nicht allzu ferner Zukunft will die Organisation in dem Gebiet auch Jaguare, die einzige Art der Großkatzen auf dem amerikanischen Doppelkontinent, wieder in die freie Wildbahn bringen. Doch das erste Raubtier, das sie unter ihren Fittichen wieder an das Leben in seinem ursprünglichen Territorium gewöhnen, ist der „Wolf der Flüsse“ (Lobo del Rio), wie die Riesenotter in Argentinien genannt werden.

Nach zahlreichen bürokratischen Hürden, die davor zu überwinden waren, und Unmassen an Material, das in die entlegene Wasserlandschaft transportiert werden musste, konnte Alondra im März 2019 nach Südamerika reisen. Doch wie der Zoo Duisburg, der im regelmäßigen Austausch mit Rewilding Argentina steht, jetzt erfahren hat, lässt das „Proyecto Iberá“ auf eine erfolgreiche Ansiedelung hoffen. So zeige sich nicht nur Alondra bereits geschickt beim Fisch- und Vogelfang sowie dem Graben einer Wohnhöhle in das Steilufer. „Auch ihr ausgewählter Partner Coco, ein Riesenottermännchen aus einem dänischen Zoo, jagt bereits erfolgreich Fische“, konnte Christian Schreiner gestern die neuesten Nachrichten aus Iberá verkünden.

Die Chemie zwischenAlondra und Coco muss stimmen

Ob die Chemie zwischen Alondra und Coco stimmt, wird sich zeigen, wenn die Otter zusammengeführt werden. Noch befindet sich Coco in der mehrmonatigen Quarantäne. „Wenn es mit den beiden klappt, kann die Population recht schnell wachsen, auf bis zu zehn Tiere in zwei Jahren“, erklärt Johannes Pfleiderer. „Die Grundvoraussetzungen sind sehr gut. Der Lebensraum ist intakt, eine Mitarbeiterin der NGO beschrieb die Nahrungssituation als paradiesisch für Riesenotter, und de facto hat eine Gruppe dieser Tiere dort – außer dem Menschen – keine natürlichen Feinde.“

Einer Riesenotter-Familie, in der die einzelnen Mitglieder bis zu zwei Meter lang werden und an die 30 Kilo auf die Waage bringen können, würden selbst Kaimane und Jaguare lieber aus dem Weg gehen.

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