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Schloss Augustusburg: Rokoko und Barock in Brühl erkunden

Zu Besuch auf Schloss Augustusburg in Brühl.

Zu Besuch auf Schloss Augustusburg in Brühl.

Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services

An Rhein und Ruhr.  Für den Schlossbesuch in die Ferne? Dabei liegt das UNESCO-Welterbe Augustusburg in Brühl ganz nah. Es bietet Prunkräume wie barocke Gartenkunst.

Rote und gelbe Sprenkel auf blau-grün marmorierten Säulen und Pilastern: Das Treppenhaus von Schloss Augustusburg in Brühl ist eine Pracht aus Stuckmarmor. Fuhr Kurfürst und Erzbischof Clemens August von Bayern vor mehr als dreihundert Jahren noch mit einer Kutsche durch das Schlosstor direkt vor die Treppe, können Besucher diesen Weg vorbei an Herkules und Minerva am Eingangstor, die Auffahrt hinauf bis ins Gebäude noch heute nachvollziehen – wenn auch nur zu Fuß. Auf einen Rundgang durchs UNESCO-Welterbe mit Kunsthistoriker Friedrich Becher.

Schloss Augustusburg – ab 1725 auf den Grundfesten eines mittelalterlichen Wasserschlosses erbaut – diente als Sommerresidenz abseits des Bonner Hofs, erzählt Becher. „Es gibt vieles hier, was uns aus dem Rheinland rauszieht. Das ist Sinn einer Sommerresidenz.“ Einen Rokoko-Kachelofen mit blau bemalten „Chinoiserien“ etwa, also Motive, die mehr oder weniger zutreffend an ostasiatische Muster angelehnt sind. Vorstellung von Exotik und Fernweh des Barock und Rokoko eben. So zeigte der König, dass er die zeitgenössische Mode kannte – und sie sich leisten konnte.

Prunk demonstriert Macht

Überall im Schloss gibt es diese Zeichen von „Macht und Pracht“ – Opulenz auf drei Etagen, wie sie nun einmal in ein Barock- und Rokokoschloss gehört, bei „aller erzbischöflicher Zurückhaltung“, wie Friedrich Becher sagt. Der Prunk zeigt sich in kristallenen Lüstern, Deckenfresken voll mythischer Motive oder Affenparodien, vergoldeten Ornamente oder Tapetenmustern, die sich mit jedem Gang in ein neues Zimmer in aller Fülle entfalten. Hier geht es in ein grünes Kabinett, da in eine blaue Bibliothek mit Wunderkammer. Und das Esszimmer ist, bedingt durch eine Vorliebe des Kurfürsten, ganz mit Rotterdamer Fliesen verkleidet, die beim Sommer-Dinner kühlen, weiß Friedrich Becher zu erzählen. An der Decke ein Murano-Leuchter aus Venedig.

Seit jeher diente das Schloss diplomatischen Besuchen, noch bis in die Bonner Republik. Gandhi, Gorbatschow, die Queen. Zu Anekdoten rund um die Staatsbesuche bietet das Museum eigene Führungen an. Der britischen Monarchin verdankt das Schloss eine Toilette, die gegen Anschläge aus der Kanalisation gesichert ist. Bei einer Betrachtung sind Kloschüssel und -Brille nicht weiter spektakulär, trotzdem Highlight einiger Führungen.

Architektur, Geschichte, Politik, Porzellan und Kakao – der zu Zeiten des Kurfürsten ein Luxusgut war – das alles könne man in Führungen besprechen. „Die Objekte können die Geschichte direkt vermitteln“, sagt Friedrich Becher. Und, wie ein barockes Gesamtkunstwerk funktioniert. Wer nach einer bis zu eineinhalb Stunden langen Schlossführung noch fit ist, kann wie bereits Mozart den Weg ins Jagdschloss Falkenlust antreten, dessen Treppenhaus mit rund 10.000 blauen Fliesen verkleidet ist. Im Badezimmer von Augustusburg hatte der Kurfürst und passionierte Jäger Bilder seiner geliebten und kostbaren Falken an die Wand malen lassen.

Abseits des Schlossbaus

Und wer sich innen satt gesehen hat, kann hinter dem Schloss ins Grüne abtauchen. Die gesamte Anlage mit Schlosspark erstreckt sich auf 100 Hektar, mit Waldstück, Brunnen, Fontänen und Blumenornamenten nach Plänen des in Versailles ausgebildeten Gartenkünstlers Dominique Girard.

Mit welchem Bauwerk im In- oder Ausland lässt sich das Reiseziel Schloss Augustusburg vergleichen – etwa Sanssouci in Potsdam? Höchstens wegen des Gelbtons, sagt Friedrich Becher, der während des Rundgangs Vergleiche zu Versailles zieht. Augustusburg biete „die schönsten Blüten des Barock und Rokoko“. Die zurückhaltendere Fassade zeige sich im italienisierten Barock, innen finden sich eher süddeutsche und französische Elemente, der Kurfürst habe „schwingende Elemente mit an den Rhein gebracht.“ Doch das Schloss sei nicht französisch, nicht bayrisch. „Brühl ist Brühl.“ Ende der Vergleiche.

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