Rettungseinsätze

Städte schleppen hunderte Autos vor Feuerwehrzufahrten ab

Kein Durchkommen: Bei einem Test zeigt die Feuerwehr Düsseldorf, wie Falschparker ihre Einsätze behindern.

Kein Durchkommen: Bei einem Test zeigt die Feuerwehr Düsseldorf, wie Falschparker ihre Einsätze behindern.

Foto: Foto: Vivien Locker

An Rhein und Ruhr.  Immer wieder blockieren Falschparker Einsätze der Feuerwehr. Vor allem in den Großstädten wie Essen und Düsseldorf ist das Problem fast Alltag.

Sobald ein Notruf über die 112 eingeht, muss es schnell gehen. Doch immer wieder verzögern sich Feuerwehreinsätze, weil Falschparker die Straßen versperren. Ein Durchkommen für die großen Einsatzwagen ist in solchen Fällen oft unmöglich, im schlimmsten Fall kommen die Helfer in der Not zu spät. Wir haben nachgefragt, wie die Situation in den Städten der Region aussieht.

Zuletzt behinderten zwei falsch geparkte Autos einen Rettungseinsatz der Feuerwehr in Düsseldorf, die so mit der Drehleiter nicht bis zum Einsatzort vorfahren konnte und sich stattdessen mit einem Dietrich Zugang zur Wohnung verschaffen musste.

Die Feuerwehr Düsseldorf kommt regelmäßig nicht zum Einsatzort

Für die Einsatzkräfte kein Einzelfall, wie Christopher Schuster, Pressesprecher der Feuerwehr Düsseldorf, erklärt: „Fast täglich kommt es zu kleineren Vergehen, die meist nur zu einer Verzögerung von einigen Sekunden führen.“ Dass die Feuerwehr die Einsatzstelle überhaupt nicht erreichen kann, passiere im Schnitt zweimal im Monat.

In einer solchen Situation versuche die Feuerwehr zunächst das Hindernis zu umfahren oder gegebenenfalls auch das Fahrzeug wegzudrücken. „Damit verbundene Beschädigungen der Autos sind dabei keine Seltenheit“, so Schuster. Den meisten Falschparkern sei jedoch häufig gar nicht bewusst, dass sie Rettungswege versperren. Denn: „Feuerwehrfahrzeuge sind größer sind als normale Pkw und benötigen dementsprechend mehr Platz.“ Laut NRW-Bauordnung muss eine Straße mindestens drei Meter breit sein, damit Rettungswagen sie problemlos passieren können.

Falschparkern drohen rechtliche Folgen

Um einer durch Falschparker hervorgerufenen Gefahrensituation vorzubeugen, überprüft das Düsseldorfer Ordnungsamt regelmäßig den stehenden Verkehr. Allein im vergangenen Jahr verwarnte es dabei 2601 Autofahrer, die Feuerwehrzufahrten zugeparkt hatten. 376 Mal leitete sie Abschleppmaßnahmen ein.

Die Zahlen sind zwar im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken (2708 Verwarnungen und 436 Abschleppmaßnahmen), Grund zum Aufatmen bestehe allerdings nach Aussage der Düsseldorfer Feuerwehr noch nicht. Daher drohe den Falschparkern nicht nur ein Bußgeld von 60 bis 65 Euro und ein Punkt, sondern auch rechtliche Folgen – „wenn dadurch jemand zu Schaden kommt und Ersatzansprüche stellt“, erklärt Schuster.

Die Feuerwehr Essen hat täglich mit Falschparkern zu tun

Während die Stadt Duisburg das Thema als nicht akut einstuft, nennt die Stadt Essen für das Jahr 2018 rund 100 Abschleppmaßnahmen von Falschparkern vor Feuerwehrzufahrten. Doch trotz der vorbeugenden Arbeit des Ordnungsamts kennt auch Mike Filzen, Sprecher der Feuerwehr in Essen, die Problematik: „In Düsseldorf ist die Parksituation natürlich noch bescheidener als in Essen, aber auch hier haben wir täglich mit Falschparkern zu tun.“

Die Gründe dafür erkennt Filzen unter anderem im „Egoismus und Gleichgültigkeit der Leute“. Mal eben Brötchen holen und dafür das Auto in zweiter Reihe abstellen – ein solches Verhalten führe dazu, dass die Feuerwehr einen Umweg nehmen oder auch schon mal zu Fuß zum Einsatzort gehen müsse. „Die Kollegen finden aber in aller Regel immer eine Variante“, so Filzen.

In Wesel fehlen „Rettungsgassen in den Wohngebieten“

Im Vergleich zu den Ruhrgebietsstädten Düsseldorf, Essen und Duisburg ist Wesel mit rund 60.000 Einwohnern zwar ein ganzes Stück kleiner, doch auch hier sieht sich die Feuerwehr mit ähnlichen Problemen konfrontiert. „Wir sprechen von der fehlenden Rettungsgasse in den Wohngebieten“, erklärt Thomas Verbeet, Leiter der Feuerwehr Wesel. Während tagsüber die Handwerker gerne in zweiter Reihe parken, stellen abends alle Familienmitglieder ihre Autos in Wohnstraßen ab.

Dass sich die Situation in den vergangenen Jahren verschärft habe, führt Verbeet auf die steigende Anzahl von Autos zurück: „Jeder hat doch mittlerweile ein Auto, das meistens dann auch noch zu groß für die Garage ist.“ Als Folge stehen die Wagen dann auf ohnehin schon engen Straßen und erfordern so im Falle eines Falles echte Kreativität.

Denn, das betont Verbeet: „Professionelles Abschleppen ist im Notfall keine Option.“ Stattdessen versuchten die Einsatzkräfte ein Auto auch schon mal mit Schaufeln hochhüpfen zu lassen, um es so anschließend aus dem Weg schieben zu können. „Zu einer Zeitverzögerung führt das aber natürlich trotzdem.“

In Moers und Kleve kommt die Feuerwehr ohne Probleme zu ihren Einsätzen

Die Situation in Moers beschreibt Sprecher Klaus Janczyk als entspannt: „Allerdings gibt es regelmäßige Prüfungen des zuständigen städtischen Fachbereichs und der Feuerwehr, wenn Anwohner den Eindruck haben, dass durch die Parksituation der Zuweg nicht optimal die Rettungskräfte ist.“ So seien in der Vergangenheit bereits schon halbseitige Parkverbote ausgesprochen worden, die das Ordnungsamt nun regelmäßig kontrolliere.

Eine enge Straßenführung in Kombination mit parkenden Autos stellt auch die Feuerwehr in Kleve bei manchen Einsätzen vor Herausforderungen, wobei es für sie in den vergangenen Jahren stets noch ein Durchkommen gab. Für Florian Pose, Oberbrandmeister von der Freiwilligen Feuerwehr Kleve steht daher fest: „Jeder parkt mal doof. Aber es ist wichtig, das Thema immer mal wieder auch ins Bewusstsein zu bringen.“

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