Fahrdienst

Taxi-Rivale Uber erwägt Start im Ruhrgebiet

Uber-Deutschlandchef Christoph Weigler nimmt bei seinen Expansionsplänen das Ruhrgebiet in den Blick.

Foto: Sebastian Konopka

Uber-Deutschlandchef Christoph Weigler nimmt bei seinen Expansionsplänen das Ruhrgebiet in den Blick. Foto: Sebastian Konopka

Essen.   Der Fahrdienstvermittler Uber will in Deutschland expandieren – und das Ruhrgebiet steht ganz oben auf der Liste des US-Konzerns.

Der Taxi-Konkurrent Uber lotet die Chancen für einen Start im Ruhrgebiet aus. „Wir wollen expandieren. Das Ruhrgebiet ist ein sehr spannender Markt für uns“, sagte Uber-Deutschlandchef Christoph Weigler bei einem Besuch in unserer Redaktion. „NRW und die Rhein-Ruhr-Region mit Düsseldorf bieten aus unserer Sicht viel Potenzial.“ Insbesondere Städte wie Essen, Bochum und Duisburg seien für Uber aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte interessant.

„Wenn wir Möglichkeiten der Expansion in Deutschland prüfen, steht das Ruhrgebiet weit oben auf unserer Liste“, berichtet Weigler. Ob ein Start schon im kommenden Jahr realistisch sei, lasse sich aber derzeit noch nicht sagen. „Wir sondieren gerade die Märkte und wollen in den nächsten Monaten entscheiden.“ In Deutschland schielt Uber auch auf Städte wie Köln, Frankfurt und Hamburg.

Der US-Konzern Uber, der über eine Taxi-App Fahrten vermittelt, ist global aktiv, hinkt aber in Deutschland hinterher. Weltweit ist Uber eigenen Angaben zufolge mit zwei Millionen Fahrern in rund 600 Städten und fast 80 Ländern präsent. Täglich registriert Uber etwa zehn Millionen Fahrten. In Deutschland ist Uber momentan nur in Berlin und München aktiv. Aus Düsseldorf, Frankfurt und Hamburg hatte sich Uber zurückgezogen – unter anderem machte der US-Firma das vergleichsweise strenge deutsche Regelwerk zu schaffen.

Proteste von Taxifahrern in München

Unter Taxifahrern gilt Uber als gefürchtete Konkurrenz. So protestierten nach dem Oktoberfest Taxifahrer in München gegen den Online-Fahrdienstvermittler. Das Konzept von Uber war ursprünglich, Fahrten zu vermitteln, bei denen Privatleute am Steuer sitzen. Mittlerweile setzt der US-Konzern in Deutschland und Europa – anders als in anderen Regionen – auf professionelle Fahrer und arbeitet mit Chauffeur-Betrieben zusammen. In Berlin zum Beispiel kooperiert Uber mit dem Limousinenservice RocVin, der früher als Fahrdienst des Bundestags tätig war. Auch in Städten wie Paris, London, Amsterdam, Wien oder Zürich sei das Privatfahrer-Modell für Uber „kein Thema mehr“, sagt Weigler.

„Alle Fahrer, mit denen wir zusammenarbeiten, haben einen Personenbeförderungsschein, genauso wie Taxifahrer auch“, betont der Uber-Manager. Uber sei Vermittler der Fahrt und finanziere sich über eine Provision, die Chauffeur-Firmen sind die Beförderer.

„Bei extrem hoher Nachfrage wird es teurer“

„Es ist nicht unsere Strategie, Taxifahrern das Geschäft streitig zu machen“, beteuert Weigler. Es gehe insbesondere darum, Menschen zu erreichen, die üblicherweise nicht ins Taxi steigen. „Wir sehen uns als Ergänzung zum öffentlichen Personennahverkehr“, sagt der Uber-Manager. „Uns geht es um einen neuen Mobilitätsmix – mit ÖPNV, Car-Sharing, Bike-Sharing und Uber.“ Das Netz müsse dicht genug sein. Dann werde für viele Menschen das eigene Auto verzichtbar.

Die Grundidee von Uber laute: „Digitale Technologie sorgt für Effizienz.“ Das Auto werde durch die Taxi-App besser ausgelastet. „Davon profitieren letztlich die Kunden, weil die Umsätze steigen und der Preis pro Kunde reduziert werden kann“, sagt Weigler. In München zum Beispiel sei Uber im Schnitt um ein Drittel günstiger als das Taxi. Zum Geschäftsmodell von Uber gehören allerdings auch „dynamische Preise“. Das heißt: „Bei extrem hoher Nachfrage wird es teurer.“ Ein wichtiges Thema ist die Schnelligkeit. Kunden, die in Berlin einen Wagen bestellen, warten nach Angaben von Uber zwischen zwei und sechs Minuten.

„Wir können hier noch einiges bewegen“

Uber interessiere sich auch deshalb für das Ruhrgebiet, da es im Revier „bislang noch nicht so viele innovative Mobilitätskonzepte“ gebe, wie es Weigler formuliert. „Wir können hier also noch einiges bewegen.“ Sein Eindruck sei, „dass gerade im Ruhrgebiet der eigene Pkw noch im Mittelpunkt der Mobilität vieler Menschen steht“. Uber prüfe derzeit genau, mit welchen Chauffeur-Unternehmen eine Zusammenarbeit möglich sei. „Denkbar ist auch, dass wir mit unseren bestehenden Partnern im Ruhrgebiet expandieren.“

Über die Vermittlung von Taxi- oder Chauffeur-Fahrten hinaus lotet Uber auch die Chancen für weitere Dienstleistungen aus. Eine Idee heißt „Uber Eats“. In Berlin und München sollen Kunden von Uber bald Essen bei örtlichen Restaurants bestellen können – und Fahrer, mit denen Uber zusammenarbeitet, liefern die Ware dann aus.

Auch interessant
Leserkommentare (2) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik