Kriminalität

Vater des Essener Bierflaschen-Opfers erschüttert über brutale Tat

Überfall mit Bierflasche

Mit Bildern aus der Überwachungskamera der U-Bahn-Station sucht die Polizei nach zwei brutalen Räubern.

Mit Bildern aus der Überwachungskamera der U-Bahn-Station sucht die Polizei nach zwei brutalen Räubern.

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Essen.   „Ein Wunder, dass meine Tochter nicht ohnmächtig wurde“, sagt der Vater des Bierflaschen-Opfers. Mutter der Essenerin hört Überfall am Handy mit.

Ein Mann schleicht sich hinter eine ahnungslose junge Frau, holt aus zum Schlag, in seiner Hand erkennt man einen Gegenstand. Dann landet die Bierflasche an ihrem Kopf. Im ungünstigsten Fall hätte dieser brutale Akt vor einer Woche im U-Bahnhof Viehofer Platz tödlich enden können.

Das Video aus einer Überwachungskamera und die Berichte dazu werden seit Donnerstagabend im Internet rasend schnell und weit verbreitet, deutschlandweit herrscht Entsetzen. „Es ist ein Wunder, dass meine Tochter durch die Wucht des Schlages nicht ohnmächtig geworden ist“, sagt der Vater der 17-jährigen Essenerin nun auf Anfrage dieser Zeitung.

„Was Sie nicht sehen, ist, wie die Scherben durch die Luft fliegen“

Auf dem Video sieht man zum Glück etwas anderes: Die junge Frau bricht nicht zusammen, sondern wehrt sich mit Händen und Füßen gegen die Attacke, obwohl sogar noch ein zweiter Täter seelenruhig die Treppe herunterkommt und seinen Kumpan bei der Attacke unterstützt. Als die jungen Männer aber erkennen, dass mit der 17-Jährigen nicht zu spaßen ist, lassen sie schließlich von ihr ab, eilen die Treppe wieder hoch und verschwinden. „Was Sie auf dem Video nicht sehen, das ist, wie die Scherben der Flasche durch die Luft fliegen“, sagt der immer noch hörbar erschütterte 53-Jährige.

Seiner Tochter gehe es eine Woche nach der Tat wieder einigermaßen gut, „den Umständen entsprechend“, doch sie meidet seitdem öffentliche Räume und vor allem Tunnel und dunkle Treppen. Die Eltern fahren sie mit dem Auto zur Schule, in eine U-Bahn hat sich die 17-Jährige seit der Tat nicht mehr gesetzt.

Die Mutter bekam die ganze Attacke auf ihre Tochter live am Telefon mit

Rückblick: Es passierte am Freitag, 13. April, um 12.45 Uhr: Die 17-Jährige hatte das Büro verlassen, in dem sie derzeit ein Praktikum macht, ging durch die nördliche Innenstadt, und ab Pferdemarkt, dort wo die Arbeiterwohlfahrt und Leder Brecklinghaus sind, da merkte sie: Zwei junge Männer sind hinter ihr. Sie hatte ihr Smartphone in der Hand, telefonierte die ganze Zeit über mit ihrer Mutter.

Die Tochter ging über die Fußgängerampel an der Schützenbahn, dann die Treppe am U-Bahnhof Viehofer Platz hinab und wähnte sich wieder allein, die Männer waren verschwunden. Doch unten angekommen an der Treppe, das kann man auf dem Video sehen, nähert sich einer der Täter von hinten und schlägt zu. Die Mutter ist die ganze Zeit am Telefon dabei.

Mit Schlägen und Tritten wehrt sich die 17-Jährige vehement gegen den Angreifer. Der Grund für diese erstaunliche Kampfbereitschaft: „Meine Tochter betreibt seit fünf Jahren aktiv Kickboxing“, erklärt der Vater. „Doch sie ist auch allgemein ein sehr sportlicher und selbstbewusster Typ.“

Opfer klagt über Schmerzen in Kopf, Rücken und Nacken

Als die Täter geflüchtet sind, alarmiert die Mutter den Vater, der meldet sich bei der Polizei. Die Tochter will nur noch nach Hause, in ihr Zimmer, drei Tage bleibt sie daheim. Sie klagt über Kopf-, Rücken- und Nackenschmerzen, doch Alpträume oder Angststörungen bekommt sie bislang nicht, erzählt der Vater. Eine große Beule hat sich am Hinterkopf der Schülerin breitgemacht. Der Schlag hätte aber viel schlimmere Folgen haben können.

Die Polizei beginnt die Ermittlungen: Als erstes werden die Bänder der Überwachungskamera gesichtet, denn die speichern die Bilder nur 48 Stunden. Sechs Tage später gelangen die Bilder an die Öffentlichkeit, einen weiteren Tag später – am Freitag – meldet die Polizei die erste Festnahme.

Erste Festnahme: 15-Jähriger aus Herne gilt als dringend tatverdächtig

Es war ein 15-Jähriger aus Herne, angeblich polizeibekannt, der die 17-Jährige mit der Bierflasche attackierte. „Die Fahndung funktionierte sehr schnell, und ich finde, dass die Beamten der ,Ermittlungsgruppe Jugend’ hervorragende Arbeit geleistet haben“, sagt der Vater. Die Familie erstattete sofort Anzeige: „Sowas darf man nicht einfach hinnehmen.“

Noch immer kann der 53-Jährige kaum fassen, auf welche Weise der Täter seine Tochter attackierte – und das ohne die leiseste Vorwarnung. Sein Motiv? Angesichts der Brutalität der Tat ist es fast erschreckend, was der Vater vermutet: „Der wollte wohl einfach nur das Handy meiner Tochter haben.“

Überfall mit Bierflasche

Mit Bildern aus der Überwachungskamera der U-Bahn-Station sucht die Polizei nach zwei brutalen Räubern.
Überfall mit Bierflasche

+++ Update: Die Polizei hat zwei Tatverdächtige festgenommen. Mehr dazu lesen Sie hier. +++

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