Von Wandel und Zerstörung

Goch.   Tief graben sich die Wagenspuren in den Untergrund, rosafarben glänzt die Markierung im Schotter, einsam steht der schwarzgrüne Holzpfahl im grauen Boden. Zu sehen ist, was hier gerade entsteht. Es sind diese Landmarken, denen der Düsseldorfer Fotograf Jan Lemitz auf der Spur ist. Mit seiner Kamera war er gut ein Jahr lang unter anderem auf dem Gelände der ehemaligen Reichswaldkaserne und dem ehemaligen Flughafen der Royal Air Force in Weeze unterwegs und folgte zum einen den ‘Fußabdrücken’ die die militärische Präsenz auf dem Gelände hinterlassen hat, zum anderen den neuen Entwicklungen der Areale. Am Sonntag, 11.30 Uhr, eröffnet das Museum Goch seine Ausstellungsreihe „Blockbuster. Bilder von Kriegen“. Kids Opening für junge Museumsbesucher lädt zeitgleich zu einem Besuch des Kasernengeländes ein.

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Tief graben sich die Wagenspuren in den Untergrund, rosafarben glänzt die Markierung im Schotter, einsam steht der schwarzgrüne Holzpfahl im grauen Boden. Zu sehen ist, was hier gerade entsteht. Es sind diese Landmarken, denen der Düsseldorfer Fotograf Jan Lemitz auf der Spur ist. Mit seiner Kamera war er gut ein Jahr lang unter anderem auf dem Gelände der ehemaligen Reichswaldkaserne und dem ehemaligen Flughafen der Royal Air Force in Weeze unterwegs und folgte zum einen den ‘Fußabdrücken’ die die militärische Präsenz auf dem Gelände hinterlassen hat, zum anderen den neuen Entwicklungen der Areale. Am Sonntag, 11.30 Uhr, eröffnet das Museum Goch seine Ausstellungsreihe „Blockbuster. Bilder von Kriegen“. Kids Opening für junge Museumsbesucher lädt zeitgleich zu einem Besuch des Kasernengeländes ein.

„Es ist die permanente Veränderung der Landschaften, für die sich Lemitz interessiert“, erklärt Museumsleiter Dr. Stephan Mann. Jede Generation baue weiter und kehre letztlich doch zu etwas Vorhandenem zurück. „Es ist nur ein scheinbares Erneuern“, sagt der Künstler, „am Ende bleibt alles immer eine kontinuierliche Geste.“ Und so können die Spuren der schweren Lkw ganz leicht die Ketten der Panzer assoziieren, die vor nicht allzu langer Zeit hierher fuhren.

Jan Lemitz verknüpft seine Bilder von den Arbeiten etwa an dem geplanten, aber noch nicht vorhandenen See mit historischen Aufnahmen und lässt so die Grenzen des Vorher und Nachher fließend werden. Zwar folgt der Fotograf dabei der Idee der klassischen Landschaftsfotografie, doch gilt sein Interesse vor allem der Architektur, der Infrastruktur der Geschichte, die er dabei aufspürt.

Sichtbar wird auf diese Weise, wie sich die Landschaft, in diesem Fall das Kasernengelände, verändert. Die Kamera fängt die Schnittstelle ein, an der der Wandel bzw. die Verwandlung in etwas Neues beginnt.

Lemitz will zeigen, wie eine Gegend vom Menschen gestaltet bzw. zerstört wurde. „Es geht mir darum zu transportieren, was hier passiert ist“, so der Künstler. In dieses Konzept gehört auch der Titel der Ausstellung. Mit (Operation) Blockbuster, auch als die Schlacht im Reichswald bekannt, erinnert Lemitz an die schweren Kämpfe am Niederrhein gegen Ende des Zweiten Weltkrieges. Drei anglo-kanadische Divisionen zogen Anfang 1945 nordwestwärts mit dem Ziel den Rhein zu überqueren. Dabei stießen sie teils auf heftigen Widerstand: am „Hochwald-Gap“, einer Schneise zwischen dem Uedemer Hochwald und dem Tüschenwald sowie nördlich von Uedem am Uedemer Totenhügel. Für den Betrachter greifbar wird das durch in Archiven gefundene historische Aufnahmen ergänzen auch hier die Ausstellung.

„Wir begleiten die Veränderungen auf dem Kasernengelände schon seit vielen Jahren“, betont Stephan Mann. War es 2009 die Inszenierung von Claudia Wißmann, Willkommen im Westen und ein Jahr später die „Bastokalypse“ ist die Präsentation von Jan Lemitz die inzwischen dritte Intervention, die das Interesse der Öffentlichkeit auf das so lange nicht zugängliche Gelände lenkt.

Die Ausstellungsreihe ist außerdem im Royal Air Force Museum am Airport Weeze (29. April bis 28. Mai) sowie im ehemaligen Luftschutzbunker und Atelierhaus Neuss zu sehen (September).

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