Bildhauer

Steine kloppen Herr Krüger, ein Leben lang. Warum tut man das?

Peter Krüger hat sich einen kleinen Apollo-Tempel in den Garten gebaut. Eine unvollendete Schönheit inmitten der Natur.

Foto: Diane Roos

Peter Krüger hat sich einen kleinen Apollo-Tempel in den Garten gebaut. Eine unvollendete Schönheit inmitten der Natur. Foto: Diane Roos

Hamminkeln.   Peter Krüger aus Hamminkeln hat zwei Leidenschaften: Die Kunst der alten Griechen und feiner Marmor aus Portugal. Jetzt lädt er zur offenen Künstler-Werkstatt.

Drei Jahrzehnte lebt Peter Krüger am Niederrhein, auf einem wunderschönen Fleckchen Erde in Hamminkeln, nahe am Diersfordter Wald, ein alter Bauernkotten, ganz viel Natur drumrum. Wer hierher kommt, hat sich verfahren oder ein Ziel: Kunst gucken, machen, ausprobieren. Mehr als die Hälfte dieser 30 Jahre hat Peter Krüger Steine geschleppt, gekloppt, geschliffen, gestaltet. Am Freitag, 28. Juli, wird der Steinbildhauer Peter Krüger 76 Jahre alt.

Dass Sie Ihren 76. Geburtstag auf dem Land feiern werden, mit Freunden und Künstlern, das hätten Sie sich damals, als Sie noch ein wackerer Volkswirt bei Thyssengas waren, nicht gedacht, oder?

Peter Krüger: (lacht) Nein. Aber ich war immer schon der Kunst zugetan. Erst als Jazzmusiker in Düsseldorf, später dann als Steinbildhauer.

In Hamminkeln findet sich das wohl großartigste Atelier im Grünen, das man sich wünschen kann. Peter Krüger lädt einmal im Jahr Künstler zu sich ein. Dann wird gemeinsam gearbeitet, gegessen, diskutiert.

Das kommt davon, wenn Vater Choreograph, Mutter Tänzerin ist.

Krüger: Ja, vermutlich. Auf jeden Fall haben meine Eltern früh meine Wurzeln nach Portugal gelegt, das war viele Jahre lang meine zweite Heimat.

Da wächst Ihr Lieblingsstein.

Krüger: Portugiesischer Marmor. Natürlich ist der weiße Marmor, aus Carrara etwa, auch wunderschön. Ich mag den portugiesischen Marmor mit seinen Pastelltönen aber besonders gern. Und er lässt sich gut bearbeiten. (grinst) Auch das Werkzeug hält länger. Ich bin oft dann oft nach Nordportugal zu den Steinbrüchen gefahren und habe mit meinen portugiesischen Freunden Steine ausgesucht, die zum Teil in den Abfallhalden am Straßenrand lagen, nur weil sie wegen einiger Risse (Stiche) für die Steinindustrie nicht verwendet wurden. Ich habe dann eine Spedition beauftragt, sie nach Hamminkeln in meinen Park zu bringen. Natürlich arbeite ich auch mit Granit und anderen Steinen. Aber Marmor ist ‘was Besonderes.

In Stein gemeißelt für die Ewigkeit.

Krüger: Genau das ist das Faszinierende. Alles vergeht, Stein aber bleibt.

Was treibt einen Steinbildhauer an? Spuren hinterlassen, Kunstwerke schaffen für die Ewigkeit

Ist das das Ziel? Etwas Bleibendes schaffen?

Krüger: Natürlich. Spuren hinterlassen. (kleine Pause) Mich haben immer schon die alten Griechen fasziniert. Ihre Kunst besteht heute noch. Ich möchte gern die Kunst der Griechen in die heutige Zeit transportieren – mit all ihren Maßen und all ihrer Schönheit.

Haben Sie sich deshalb vor Jahren ein Amphitheater gebaut?

Krüger: Ja. Und einen Apollo-Tempel bin ich auch angefangen, aber der wird unvollendet bleiben. Wobei ich das heute gar nicht mehr schlimm finde. Früher dachte ich mal, das ist ein schöner Platz, um sein Grab da zu haben, mit einer mächtigen Steinplatte drauf.

Und heute?

Krüger: Hm, mal sehen – lieber im Wald an einen großen Baum.

In der Mitte des kleinen Theaters steht eine mannshohe Skulptur.

Krüger: Meine Lieblingsarbeit. Den Stein habe ich selbst mit dem Autohänger in Portugal abgeholt. Über die Pyrenäen.

Zwei Figuren, eng umschlungen. Man muss schon genau hingucken.

Krüger: Mann und Frau, ein Liebespaar. Herausgehauen aus einem zwei Tonnen Klotz. (wischt mit den Fingern etwas Grünspan weg) Ich finde es schön, wenn man sieht, dass die Zeit Spuren hinterlässt.

Was ist zuerst da – Stein oder Idee?

Krüger: Kommt beides vor. Manchmal habe ich eine Idee, dann schlendere ich durch den Garten und suche den passenden Stein dazu. Manchmal ist erst der Stein da und fordert mich auf. Manchmal wartet er auch auf mich. Bis ich soweit bin

Der Stein spricht.

Krüger: Natürlich. Sie müssen sich nur darauf einlassen. Es kann aber auch passieren, dass Sie eine Idee haben, beginnen am Stein zu arbeiten und plötzlich entsteht etwas ganz anderes. Es ist spannend, dem Stein etwas zu entlocken, etwas, was in ihm drin ist, herauszuarbeiten.

Krüger: Ich versuche immer, mit der Ursprünglichkeit zu arbeiten, so wenig Stein wegzuhauen wie möglich. Es tut immer auch weh, einen großen Stein zu verkleinern. Manchmal ist es aber auch ein tolles Gefühl, einen großen Stein zu trennen: Löcher bohren, Eisenkeile reinschlagen – dann der Sound, wenn der Stein zerbricht! Ein tolles Gefühl.

Knochenarbeit.

Krüger: Anstrengend. Ich kann das heute körperlich gar nicht mehr. Ich werde älter und damit auch schwächer. Nach vier Stunden mit Hammer und Meißel oder Schleifer bin ich platt. Ich habe jetzt kleine Skulpturen am Tisch gearbeitet. Aber so recht zufrieden macht mich das nicht. Ich denke, dass ich wieder mehr malen werde. Ich werde körperlich schwächer, das ärgert mich. Ich muss es aber akzeptieren. Und meine Geduld neu einüben.

Jetzt, zum Geburtstag, haben Sie zur offenen Werkstatt aufgerufen. Künstler kommen eine Woche lang in Ihr Atelier und Musenhaus und arbeiten. Und stellen dann gemeinsam aus.

Krüger: Ich freue mich sehr darauf. Es sind vor allem Künstlerinnen, die malen und zeichnen werden. Viele Jahre habe ich hier zum Symposium eingeladen. Aber das wird doch zu anstrengend.

Wie wichtig ist das Kunstschaffen in der Gruppe für Sie?

Krüger: Ganz wichtig. Ich brauche Menschen um mich herum, um kreativ zu sein. Allein den ganzen Tag am Stein zu arbeiten ist schwer. Ich bin froh, meinen Freund, den Steinbildhauer Klaus Reimer oft an der Seite zu haben. (schmunzelt) Der hat auch noch mehr Kondition als ich.

Ihre Arbeiten kann man in Ihrem Open Air-Atelier sehen oder auch im Skulpturengarten am Waldhotel Tannenhäuschen in Wesel.

Krüger: Ja. Und im November plane ich, eine Skulptur vor das Hamminkelner Rathaus zu stellen. Hamminkelner Künstler gestalten einen großen Kunsttag. Mal sehen, ob das klappt.

Was wünschen Sie sich zum Geburtstag?

Krüger: Dass alle, die hierher kommen, glücklich sind.

>>>INFO

Es ist Tradition: Einmal im Jahr treffen sich Künstlerinnen und Künstler bei Peter Krüger, um eine Woche lang gemeinsam zu arbeiten.

Die offene Künstler-Werkstatt öffnet ihre Pforten am Samstag, 22. Juli. Künstler aus früheren Symposien und die Künstlergruppe ApeRTa aus Hünxe treffen sich im Open Air-Atelier und im Musenhaus.

Freitag, 28. Juli, ab 17 Uhr, werden die Arbeiten in einer Ausstellung präsentiert. Herzliche Einladung an alle, die Spaß an der Kunst haben. Ort: Westfeldweg 5, 46499 Hamminkeln.

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