Gefährliche Droge

Zoll und Polizei stoßen in NRW zunehmend auf Crystal Meth

Crystal Meth gilt als besonders tückische Droge: Schon der erste Konsum kann laut Medizinern zur Abhängigkeit führen. In NRW steigt die Zahl der Sicherstellungen.

Crystal Meth gilt als besonders tückische Droge: Schon der erste Konsum kann laut Medizinern zur Abhängigkeit führen. In NRW steigt die Zahl der Sicherstellungen.

Foto: Arno Burgi / dpa

An Rhein und Ruhr.  Die Polizei in Nordrhein-Westfalen zählte 2018 insgesamt 153 Sicherstellungen mit insgesamt 3,61 Kilo der schnell abhängig machenden Droge.

Polizei und Zoll stoßen in Nordrhein-Westfalen zunehmend auf die gefährliche Droge Crystal Meth. Bisher handelt es sich um vergleichsweise geringe Mengen, meist abgefangene Schmuggelware. Die Zahl der Sicherstellungen nimmt jedoch zu, seit das besonders schnell süchtig machende Rauschgift auch in Labors in den Niederlanden hergestellt wird. „Diese Droge darf hier nicht zur Modedroge werden! Wir müssen den Kontrolldruck hochhalten“, mahnte Michael Mertens, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), an diesem Donnerstag (22. August 2019) im Gespräch mit der Redaktion.

153 Sicherstellungen mit insgesamt 3,61 Kilogramm Crystal Meth hat es im Jahr 2018 durch die Polizei in NRW gegeben, wie das Landeskriminalamt (LKA) jetzt auf Nachfrage der Redaktion aufschlüsselte. Zum Vergleich: Im Jahr 2017 waren es lediglich 18 Sicherstellungen mit insgesamt 2,2 Kilogramm gewesen. Die Droge wirkt aufputschend und kann sehr schnell körperliche Verfallserscheinungen hervorrufen. An der Gesamtmenge der in NRW sichergestellten Drogen macht Crystal Meth bisher nur einen sehr kleinen Anteil aus.

In der Kölner Schwulenszene aufgetaucht

In Ostdeutschland gibt es seit geraumer Zeit große Probleme mit dem Konsum von Crystal, das grenznah in Tschechien hergestellt wird. In NRW spielte es bislang praktisch keine Rolle. Christina Abke von der Fachstelle für Suchtprävention in Köln berichtete auf Nachfrage lediglich, dass Crystal Meth schon mal in der Schwulenszene der Domstadt aufgetaucht sein soll. Die gestiegene Zahl von Sicherstellungen durch die Polizei im vergangenen Jahr lässt aber zumindest vermuten, dass Crystal nicht nur über NRW geschmuggelt wird, sondern dass es auch Versuche gibt, hier Konsumenten zu finden.

„Konsumenten werden teilweise direkt mit dem ersten Konsum abhängig“, warnt Oberarzt Dr. Ivan Georgiev von der LVR-Klinik Viersen. Crystal Meth wirke deutlich länger und stärker als gewöhnliche Amphetamine, mitunter bis zu 12 Stunden. Mit einem Straßenverkaufswert von 84 Euro pro Gramm ist es vergleichsweise teuer. Der Preis könnte fallen, weil in den Niederlanden offenbar größere Mengen produziert werden. Ermittler haben dort zuletzt eine Reihe von illegalen Crystal-Laboren entdeckt – u. a. auf einem Frachtschiff von Moerdijk in Nordbrabant, das laut Medienberichten eigentlich auf deutscher Seite in Duisburg gemeldet war.

Weitere große Sicherstellungen durch den Zoll

Das Zollfahndungsamt Essen hatte in diesem Frühjahr gewarnt, dass NRW zum Transitland für Crystal Meth werde. Die Zollfahnder hatten 2018 erstmals größere Mengen sichergestellt, alles in allem fast 15 Kilogramm. „Dieser Trend setzt sich in diesem Jahr fort“, erklärte Behördensprecherin Heike Sennewald jetzt auf Nachfrage. Und die Sicherstellungsmengen steigen deutlich.

So war am 18. Juni am Grenzübergang Emmerich-Elten eine niederländische Sportlerin mit Drogen im Schwarzmarktwert von zwei Millionen Euro im Auto erwischt worden – darunter auch 13,8 Kilo Crystal Meth. In der Nähe des Autobahnkreuzes Wünnenberg/Haaren waren Ende April sogar 18 Kilo in einem Auto mit niederländischem Kennzeichen entdeckt worden. Bislang noch nicht in der Öffentlichkeit bekannt war, dass ebenfalls im April weitere 7,8 Kilo an der A 2 im Bereich Hamm/Lippetal aufgetan worden waren.

„Betroffene verwahrlosen in kurzer Zeit“

Mediziner Georgiev erläutert, dass Crystal Meth stark das Herz-Kreislauf-System aktiviere: „Es führt zu einer deutlichen Blutdruckerhöhung und zu Herzrasen.“ Herzinfarkt, Schlaganfall, Hirnblutung bei Blutdruckkrisen und akutes Nierenversagen seien die häufigsten Todesursachen in Folge von Crystal Meth. Bei länger dauerndem Konsum würden Nervenschädigungen im Gehirn vermutet, das Risiko für die Entwicklung eines Parkinson-Syndroms, von Psychosen und Depressionen steigt, ebenso steigt das Selbstmordrisiko.

Die Folgen der starken Abhängigkeit seien dramatisch: „Alles im Alltag dreht sich um den Konsum, Betroffene verwahrlosen in kurzer Zeit und erleiden eine sehr negative soziale Entwicklung mit Beziehungsabbrüchen, Beschaffungskriminalität, Problemen mit der Justiz und Obdachlosigkeit“, so der Oberarzt aus Viersen. In der Klinik dort habe er zwei Patienten kennengelernt, welche Crystal Meth konsumiert haben, allerdings schon vor Jahren: „Die beiden Betroffenen hatten keinen einzigen Zahn im Mund und bedurften einer antipsychotischen Behandlung“, erzählte Georgiev.

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