Energie

Ökostromverband: Erdbebenstation kann Windkraft ausbremsen

NRW holt beim Ausbau der Windkraft auf.

Foto: picture alliance / dpa

NRW holt beim Ausbau der Windkraft auf. Foto: picture alliance / dpa

Am Niederrhein.   Ökostromverband sorgt sich, dass Geologen den weiteren Ausbau bremsen könnten. Für 2016 wird aber nochmal ein spürbarer Zuwachs erwartet

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Nordrhein-Westfalen holt auf bei der Windkraft. Landesweit drehen sich mittlerweile mehr als 3000 Windräder. 167 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 421,65 Megawatt kamen vergangenes Jahr hinzu, darunter elf neue Windräder am Niederrhein. „Das ist der zweithöchste Zubau, den wir in NRW je hatten“, sagt Jan Dobertin, Geschäftsführer des Landesverbandes Erneuerbare Energien (LEE).

Der seit November gültige Windenergie-Erlass aus dem Hause von Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) soll den Ausbau künftig noch mal forcieren. Beim LEE begrüßt man ihn ausdrücklich, hat allerdings die Sorge, dass ein Detail sich noch zu einer ziemlichen Windkraft-Bremse entwickeln kann. Denn der Geologische Dienst wird laut Erlass gefragt, wenn ein Windrad im Umkreis von 10 km von einer seismologischen Station errichtet werden soll und die Messungen beeinträchtigen könnte. Erdstöße sind in NRW bekanntlich gar nicht so selten. Landesweit liegt laut Verband rund ein Drittel aller potenziellen Windradstandorte in einem solchen Radius von einer geologischen Station. Betroffen vor allem: Eifel, Niederrhein und Rheinisches Revier.

Schlimmstenfalls drohenlangwierige Prozesse

In zwei Fällen haben die Geologen bereits die Hand gehoben. Einmal geht es um eine geplante Anlage in der Nähe von Aachen, acht Kilometer von einer seismologischen Station entfernt, einmal um einen Windpark im Kreis genau zehn Kilometer von einer Station entfernt. Die Einsprüche sind aus LEE-Sicht nicht nachvollziehbar – zumal in einem Fall die halbe Stadt Aachen nebst Industriegewerbe und Autobahnen dazwischenliege.

„Wir hoffen, dass wir da noch zu konstruktiven Lösungen finden“, sagt Dobertin. Entscheiden muss die jeweilige Genehmigungsbehörde. Schlimmstenfalls drohen lange Gerichtsprozesse. Dobertin sagt, es gebe keine belastbaren Belege dafür, dass Windräder die Messungen seismologischer Stationen signifikant verzerren.

„Der Geologische Dienst hat im Planungsverfahren keine Sonderrolle und auch keine Vetofunktion“, heißt es dazu im Umweltministerium. Die Kommunen müssten die Stellungnahme genauso abwägen wie von Umweltverbänden und anderen Beteiligten. „Bisher gibt es aber keine belastbaren Hinweise, dass Mess-Systeme substanziell beeinträchtigt werden“, so der Sprecher von Minister Remmel. Und weiter: „Wir sind aber mit Expertinnen und Experten darüber im Gespräch. Wenn es Probleme gibt, werden wir diese lösen.“

Dass die Ökostrom-Branche dabei aufs Tempo drückt und auf die Genehmigung noch möglichst vieler Projekte drängt, kommt nicht von ungefähr. 2017 wird bundesweit die Förderung umgestellt, beim Verband LEE fürchtet man, dass dies zu einem faktischen Zubaustopp bei der Windkraft auch in NRW führen könnte. Dabei sei die Entwicklung zuletzt eigentlich gut gewesen, so Verbandschef Dobertin. Seit 2010 habe NRW beim Zubau zugelegt. Die 2015 neu errichteten Windräder lieferten genug Strom für 250 000-Vier-Personen-Haushalte. Dobertin geht davon aus, dass in diesem Jahr noch einmal etwas mehr hinzukommt – und das auch im eher windradarmen Ruhrgebiet. Eine 3-Megawatt-Anlage entsteht zum Beispiel derzeit an der Stadtgrenze Essen/Bottrop.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik