Verpackungen

Plastikmüll: Mit dieser App können Sie der Umwelt helfen

Besonders Obst und Gemüse sind in Supermärkten oft mit viel Plastikfolie verpackt.

Besonders Obst und Gemüse sind in Supermärkten oft mit viel Plastikfolie verpackt.

Essen.   Der Verein „Küste gegen Plastik“ hat die App „Replace Plastic“ entwickelt. Damit können sich Verbraucher über Plastikverpackungen beschweren.

Die Frage stellt sich jeder Verbraucher im Supermarkt immer mal wieder: Wieso sind manche Produkte in Mengen von Plastikverpackungen gehüllt? Äpfel eingeschweißt in Folien oder Tomaten eingepackt in Plastikschalen. Den Unternehmen geht es dabei in den allermeisten Fällen um Produktschutz. Dieses Argument möchten viele Verbraucher den Lebensmittelanbietern allerdings nicht mehr durchgehen lassen - angesichts der zunehmenden Berichte über die Vermüllung der Ozeane.

Mithilfe der kostenlosen App „Replace Plastic“ haben Konsumenten die Möglichkeit, den Unternehmen ihren Unmut zu zeigen. Das System ist simpel: Nutzer können mit ihrem Smartphone überflüssige Plastikverpackungen in Supermärkten melden, indem sie den Strichcode auf dem Produkt scannen. Dieser wird an den Verein „Küste gegen Plastik“ weitergeleitet, der die App entwickelt hat.

Verein dosiert Mails an Unternehmen

„Haben 20 Kunden das gleiche Produkt gemeldet, schicken wir sofort eine Mail an den Hersteller. Dadurch soll ihm gezeigt werden, wo Plastik eingespart werden kann. Wir senden auch jede einzelne Meldung, aber erst nach vier Wochen. Sonst werden die Unternehmen mit zu vielen Mails überschüttet und wir landen schnell im Spam-Ordner“, erklärt Jennifer Timmrott, Gründerin des Vereins „Küste gegen Plastik“.

Seit dem Start der App, im Herbst 2017, haben die Nutzer der App mehr als 250.000 Produkte eingesendet, der Verein verschickte fast 12.700 Mails. Mit diesem Erfolg hätte Jennifer Timrott vor einigen Jahren nicht gerechnet. Ihr Verein entstand aus einer prägenden Erfahrung. Die heute 50-Jährige lebte einige Jahre auf Hallig Hooge im schleswig-holsteinischen Wattenmeer. Dort gab es 2013 zwei heftige Stürme mit mehren Flutungen.

Beschwerden führen zu anderen Verpackungen

„Da bin ich mal rausgegangen, als das meiste Wasser wieder weg war und sah unglaublich viel Plastikmüll. Es wirkte wie eine perverse bunte Sommerwiese. So ist die Idee hinter unserer Vereinsgründung entstanden. Nach dem Motto: Jetzt muss man einfach was machen“, sagt Timrott. Anfangs führte die Organisation vor allem Müllsammelaktionen an Stränden durch. Nach dem Gewinn eines Umweltpreises, der mit 10.000 Euro dotiert war, folgte die Konzeption und Umsetzung der App „Replace Plastic“.

Zwar gibt es in Deutschland einige Organisationen, wie den BUND, NABU oder WWF, die das Thema Plastik auf der Tagesordnung stehen haben. Allerdings bietet die App „Replace Plastic“ die einzige Möglichkeit, sich als Verbraucher unkompliziert via Scan bei den Unternehmen zu beschweren.

Dass die Mails an die Unternehmen nicht nur im Papierkorb landen, zeigen erste Erfolge des Vereins. Prominentestes Beispiel ist die Firma Waldemar Behn GmbH, die beispielsweise den Likör „Kleiner Feigling“ vertreibt. „Die kleinen Flaschen wurden bislang immer in Kartons mit Folie drumherum ausgeliefert. Auf die Folie verzichten sie jetzt. Laut Unternehmen sparen sie durch diese Maßnahme 2000 Kilo Kunststoff ein“, freut sich Timrott.

Alternativen: Refill-Methoden und Kreislaufprozess

Doch das ist nicht die einzigen Unternehmen, das die 50-Jährige aufzählen kann: „Ein Supplementherrsteller entwickelte ein Refill-System für Vitamintabletten und eine Kosmetikmarke stellte Teile des Sortiments auf Mehrweggläser um, die vom Kunden in den Shop zurückgebracht werden können, dann gereinigt und wieder neu befüllt werden.“

Genau solche Methoden hat die Schleswig-Holsteinerin auch im Kopf Kopf, wenn sie nach Alternativen zu Plastik gefragt wird. Ganz ohne Verpackung geht es bei vielen Lebensmitteln eben nicht: „Die Unternehmen könnten beispielsweise viel mehr in Richtung Mehrweg denken, Refill ist da eine Möglichkeit. Außerdem betrachten die Anbieter die Verpackungen nicht unter einem Kreislaufprozess. Also: Was passiert eigentlich mit der Verpackung nach dem Verbrauch? Momentan ist das noch ein sehr linearer Gedanke. Die Unternehmen könnten da umdenken und sich fragen, wie entwickeln wir ein Rückführungssystem und was muss überhaupt weggeschmissen werden?“

Rückmeldungen aus anderen Ländern

Die ersten Umsetzungen bei Anbietern geben Timrott die Hoffnung, dass noch viele Andere folgen. Bestärkt wird sie dabei durch das positive Feedback der App-Nutzer:„Wir kriegen auch schon Nachrichten aus den Niederlanden, Griechenland oder Australien von Personen, die einen Bezug zu Deutschland haben und sich so etwas wie „Replace Plastik“ für ihren jetzigen Wohnort wünschen.“

Zusammen mit ihrem Mann überlegt die 50-Jährige momentan, wie sich dieser Wunsch umsetzen lässt. Schon jetzt investiert die Künstlerin ihre gesamte Arbeitskraft in die Betreuung der App. „Bei täglich 3000 Scans lässt sich das auch gar nicht anders bewältigen.“ Eine Verstärkung des Teams sei daher in absehbarer Zeit durchaus vorstellbar.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben