Spendenaktion

1800 Schulranzen für arme Kinder

Nach Farben sortiert: Sarah Reese, Ehrenamtliche beim Verein „Kinderglück“ packt die Schulranzen vor, Erzieher holen sie stapelweise ab.

Nach Farben sortiert: Sarah Reese, Ehrenamtliche beim Verein „Kinderglück“ packt die Schulranzen vor, Erzieher holen sie stapelweise ab.

Foto: Bernd ThisseN

Ruhrgebiet.   Der Verein „Kinderglück“ verteilt 1800 Schulranzen an angehende i-Dötzchen: Damit sie zum ersten Schultag nicht mit einem Beutel gehen müssen.

Tornister für Mädchen sind rot oder rosa, auf den blauen für Jungs sind Dinosaurier. Da kann auch der Verein „Kinderglück“ die Welt nicht ändern, aber er kann sie anders verbessern: In diesen Tagen verteilt er 1800 Ranzen an angehende Schulkinder aus dem Ruhrgebiet. Kinder von Eltern, die sich eine Schultasche nicht leisten können.

Mileah hatte das Grauen schon vor Augen: Mit einer „Tüte von Aldi“ würde die Sechsjährige im August zum ersten Mal vor der Schultür stehen, und es würde keine Schultüte sein. Ein richtiger Ranzen, „das ist schon sehr teuer“, sagt Mileahs Mutter, die das Geld dafür nicht hat. Gute Schultaschen kosten heute an die 200 Euro. Jetzt aber kriegt das Kind eine rote, Modell Froschkönig, wie es sich freuen wird über das Geschenk von Oma Brigitte!

Ein „Geschenk“ von Oma Brigitte

Dabei ist es gar nicht von ihr. Nur muss Mileah das nicht wissen, so ist die Idee von „Kinderglück“: Lehrer stellen Anträge, Erzieherinnen, Sozialpädagogen. Für Eltern, deren Bedarf sie kennen und denen sie die Schultaschen überreichen. Damit diese sie verschenken können: „Schau, was ich dir mitgebracht habe!“

Denn seit einem ersten Hilferuf vor zehn Jahren weiß der Verein, wie es immer mehr Kindern geht: Stell dir vor, es ist dein erster Schultag, und du hast weder Tüte noch Tonne. Oder einen Ranzen, der vor vier Jahren modern war, der billig aussieht und dem Rücken wehtut, wenn er erst vollgepackt ist. Solche Kinder, ahnt der Gründer Bernd Krispin, „haben schon am ersten Tag verloren“. So entstand die Idee vom Schulranzen-Projekt: „Wenn wir uns nicht kümmern, steht das Kind bei der Einschulung mit einem Stoffbeutel auf dem Schulhof.“

Mehr als 100.000 Euro aus Spenden

Für mehr als 100.000 Euro aus Spenden hat der Verein in diesem Jahr eingekauft, und auch, wenn die Tornister teurer geworden sind: Wert sind sie eigentlich das mehr als Vierfache, aber die Hersteller haben ein Auge zugedrückt. Weshalb an diesem Morgen eine Halle in Holzwickede voll liegt mit Dinos, Haien, Häschen und Prinzessinnen, auf Kunststoff gedruckt. Und der Parkplatz immer voller wird mit Autos, die meistens Kombis sind, und alsbald bis unter das Dach dicht mit Tornistern.

Gut für das Selbstwertgefühl

Martina Reich kommt, Erzieherin, die Taschen abholt für neun Kinder und ihre dankbaren Eltern. „Es gibt einfach ein finanzielles Problem, und nicht jeder hat Oma und Opa, die aushelfen.“ Sebastian Kratzmann kommt, Leiter der Kita St. Angela, der Eltern gezielt anspricht, weil er will, dass auch noch die letzten zehn seiner Kinder einen „ordentlichen Schulranzen“ bekommen, „das ist gut für ihr Selbstwertgefühl“. Hany El Afifij kommt, in einer Beratungsstelle Familienhelfer für Flüchtlinge, der sich schon heute freut auf die Freude der Kleinen: „Das ist Kinderglück!“ Und Sabine Cornelius, Sekretärin einer Grundschule in Lünen. „Meine Eltern kommen am Montag, sie haben es alle verdient!“

Ein „Zeichen für Groß-Sein“

Der Kindergarten „Wilde Wiese“ bestellte für vier Mädchen und sieben Jungen, so steht es schon auf dem Karton, die Dietrich-Bonhoeffer-Grundschule für 17 Mädchen und 12 Jungen, die Kindertageseinrichtungen der Stadt Dortmund für 703 Kinder! Und alle Betreuer sagen, der Tornister ist so wichtig für das Schulkind: „Es ist“, weiß ein Erzieher, „ein Zeichen für Groß-Sein.“ Am Rande ist ein Stapel Schultüten, Modell Eiskönigin, umgefallen. Eine Sozialpädagogin hat 13 abgezählt, alle rosa. „Die Kinder“, sagt Vereinsvorsitzender Krispin, „sollen den ersten Schultag unbelastet erleben.“

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