Prozess

21-Jährige auf Weg zum Hauptbahnhof sexuell belästigt

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen  Mit Gewalt soll der Angeklagte die 21-Jährige nachts in der Essener City sexuell bedrängt haben. Doch der Prozess offenbarte ein anderes Bild.

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Sie hatte gefeiert, ging danach durch die Essener Innenstadt zum Hauptbahnhof und wurde von dem 25 Jahre alten Angeklagten massiv sexuell bedrängt. Dieses Bild hatte zumindest die Anklage von dem Leid der 21-Jährigen gezeichnet. Zum Schluss gab es am Essener Amtsgericht lediglich eine Verurteilung wegen sexueller Belästigung mit einer Geldstrafe in Höhe von 900 Euro (30 Tagessätze), die nicht einmal als Vorstrafe im polizeilichen Führungszeugnis auftauchen wird.

Die Anklage klang dramatischer. Am 27. April 2019 hatte die 21-Jährige ausgiebig in Antons Bierkönig in der City gefeiert. Begleitet von einem ihr unbekannten Mann mit Namen "Kevin" lief sie zum Hauptbahnhof.

Mehrfacher Kussversuch

Doch da näherte sich ihr laut Anklage der 25-Jährige, sprach sie an, versuchte mehrfach sie zu küssen. "Kevin" soll sie da mit den Worten "Viel Spaß" verlassen haben. Der Angeklagte blieb dagegen bei ihr.

Auf dem Bahnhofsvorplatz soll er dann ihr Gesicht mit beiden Händen festgehalten und sie geküsst haben. Sie stieß ihn von sich, ging zur Bushaltestelle. Er kam dazu. Schob laut Anklage ihr Oberteil hoch und steckte seine Hand in ihre Hose. Dabei habe er sie wiederum geküsst. Erneut wehrte sie ihn ab, traf im Bahnhof einen ihrer Freunde. Die Polizei wurde alarmiert.

Angeklagter hatte zwei Promille Alkohol

Rechtlich war das eine sexuelle Nötigung, die mit mindestens einem Jahr Haft bestraft wird. Das er Angeklagte lässt die Tat durch seinen Verteidiger einräumen, obwohl er eigentlich keine Erinnerung mehr hat. Über zwei Promille Alkohol hatte er damals im Blut. "Wenn die Frau das sagt, wird das schon stimmen", zitiert der Verteidiger seinen Mandanten.

Die junge Frau sagt aus, 21 Jahre alt ist sie, hatte damals 0,9 Promille intus. Und sie kann sich erinnern, sagt sie. Sie schildert den Angeklagten eigentlich als freundlichen Menschen. Von direkter Gewalt ist gar keine Rede.

Keine Rede mehr von Gewalt

Das Festhalten des Gesichtes für Küsse? Davon spricht sie nicht. Der Versuch des Zungenkusses? Keine Rede davon. Auch das Hochschieben des Oberteils wird von ihr nicht erwähnt. Und die Hand in der Hose war nur noch am oberen Rand der Hose.

Verteidiger Wallmüller erinnert daran, dass es an der Kleidung der Frau keine DNA seines Mandanten gab. Auch Staatsanwältin Carolin Buchholz sieht nach der Beweisaufnahme keine Gewalt mehr. Und so bleibt letztlich im Urteil nur eine sexuelle Belästigung.

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