Justiz

91-Jähriger fuhr Frau tot: Zum Prozess meldet er sich krank

Bis zu einem neuen Termin im Juni werden die Akten wieder geschlossen: Der Prozess musste ausgesetzt werden, weil der Angeklagte am Montag nicht erschienen war.

Bis zu einem neuen Termin im Juni werden die Akten wieder geschlossen: Der Prozess musste ausgesetzt werden, weil der Angeklagte am Montag nicht erschienen war.

Foto: Volker Hartmann/dpa

Düsseldorf.   Der 91-Jährige ist wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Er will auf sein Radio statt auf den Zebrastreifen geachtet haben. Eine 69-Jährige starb.

Ein 91-Jähriger soll vor gut acht Monaten in Düsseldorf eine Frau (69) totgefahren haben. Der Staatsanwalt wirft dem ehemaligen Handelsvertreter fahrlässige Tötung vor. Doch zum Prozess am Montagmittag erschien der Angeklagte nicht.

In einem „sehr allgemein gehaltenen Attest“, wie die Amtsrichterin sagte, entschuldigte sich der alte Mann kurzfristig mit einer „akuten Erkrankung“. Die Zeugen mussten wieder gehen, ebenso wie die Nebenkläger: Die erwachsenen Kinder des 69-jährigen Opfers hatten gehofft und gleichzeitig gefürchtet, dem Autofahrer endlich persönlich gegenüberzutreten. Der habe sich, so ihre Anwältin Anja Riemann-Uwer, seit dem Tod der Mutter nicht bei ihnen gemeldet. Der Sohn brach vor dem Saal in Tränen aus.

Der 91-Jährige soll die Frau am 10. September 2018 um die Mittagszeit auf einem Zebrastreifen angefahren haben, als die 69-Jährige mit ihrem Hund die Straße überqueren wollte. Dort ist Tempo 30 erlaubt, an der Straße liegen drei Schulen, unter anderem eine Grundschule. Durch den Aufprall, heißt es in der Anklage, sei das Opfer „weggeschleudert“ worden und auf dem Asphalt aufgeschlagen. Das erlittene schwere Schädel-Hirn-Trauma versuchten Ärzte vergeblich zu behandeln, die Frau starb im Krankenhaus. Ihr verletzter Hund konnte gerettet werden, er lebt heute bei der Tochter der 69-Jährigen.

Der Unfallfahrer hatte damals sofort erklärt, nicht auf die Straße geachtet zu haben. Er sei unaufmerksam gewesen, weil er zu seinem Autoradio gesehen habe, um es lauter zu stellen. Ob stimmt - was Zeugen berichten, dass der Mann zu schnell gefahren sei, soll vor Gericht ein Gutachter klären. Der wird nun ebenfalls zu einem neuen Termin im Juni erwartet.

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