Prozess

Anklage: Nazi-Parolen gerufen und Mann schwer verletzt

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen  Einen Mann soll er schwer verletzt und oft "Heil Hitler" gerufen haben. Jetzt droht dem 55-jährigen Gelsenkirchener die geschlossene Psychiatrie

Er ächzte, nachdem er vorgeführt von Justizwachtmeistern die Treppen zum dritten Stock des Landgerichts Essen erklommen hatte. 55 Jahre alt ist der massig wirkende Gelsenkirchener Dieter G., der laut Anklage immer wieder durch üble Beleidigungen und "Heil Hitler"-Rufe auffällt. Besonders schlimm: Durch seine Schläge soll ein anderer Mann eine Querschnittslähmung erlitten haben. Seit Donnerstag muss sich Dieter G. vor der XVII. Strafkammer verantworten.

Es sind acht Anklagen mit jeweils mehreren Vorwürfen, die Staatsanwalt Thomas Holz vorliest. Mittlerweile sitzt Dieter G. vorläufig in der geschlossenen Psychiatrie, aber zuvor hatten die Anklagen ihn offenbar immer als voll schuldfähig eingestuft. Jetzt sitzt der Psychiater Bernd Roggenwallner im Saal, wird ein Gutachten über den Angeklagten erstellen.

Zwölf Flaschen Bier und "Heil Hitler"

Der erste Fall ist gleich der schlimmste. Am 31. März 2018, so lange liegt der Beginn der Taten schon zurück, kauft Dieter G. um 22.15 Uhr in einer Tankstelle im Gelsenkirchener Stadtteil Rotthausen zwölf Flaschen Bier ein. Er verstaut sie in seiner Plastiktasche und verlässt den Verkaufsraum mit einem für alle Umstehenden deutlich vernehmbaren "Heil Hitler".

Draußen soll er zufällig auf einen Passanten gestoßen sein und diesem das Handy aus der Hand geschlagen haben. Es gibt ein Gerangel, doch der Angeklagte soll den Mann zu Boden gebracht haben. Anschließend, so die Anklage, habe er mit der Faust mehrfach auf den Kopf des Opfers eingeschlagen. Entweder durch den Sturz oder die Schläge habe der Mann sich zwei Halswirbel gebrochen, sei nahezu vollständig gelähmt.

Polizisten beleidigt

In Haft kam er damals wohl nicht, auch nicht nach den dann folgenden Vorfällen, bei denen die Anklage ihn als schuldig einstuft. Nur einen Monat später fiel er am Abend des 21. April 2018 in Rotthausen mit "Sieg Heil"-Rufen auf. Als Polizisten kamen, begrüßte er sie aus seiner Sicht freundlich: "Sieg Heil. Wie geht es euch?"

Die Beamten reagierten weniger freundlich, wollten ihn ins Gewahrsam nehmen. Da schlug seine Stimmung um: "Du bist nichts wert", beleidigte er eine Polizistin, "du bist Abschaum". Acht Tage später hob er nachts um ein Uhr in der City den Arm zum "Hitler-Gruß", rief laut "Sieg Heil". Polizisten veranlassten eine Blutprobe. Fast zwei Promille Alkohol hatte er intus.

Die Anklage setzt sich mit Vorwürfen dieser Art fort. Fünf Verhandlungstage hat die XVII. Strafkammer angesetzt.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben