Prozess

Beziehung endet mit Hammerschlägen gegen den Kopf

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen  Ein halbes Jahr dauerte die Liebe der Essener , dann war Schluss. Jetzt steht einer der beiden Männer vor Gericht. Versuchter Mord ist angeklagt.

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Mit vier Hammerschlägen gegen den Kopf soll der 29-Jährige seinen Ex-Lebenspartner heimtückisch überfallen haben. Auf versuchten Mord lautet deshalb am Freitag die Anklage vor dem Essener Schwurgericht. An geplanten vier Verhandlungstagen will die Strafkammer das Ende einer Beziehung zwischen zwei Männern aufklären.

Der 29-Jährige aus dem Essener Stadtteil Altendorf schweigt zunächst zu den Vorwürfen. Das mutmaßliche Opfer, ein 46-Jähriger aus der südwestlichen City, redet dagegen. Die schweren Kopfverletzungen, die er am 26. Juni erlitten hatte, beurteilten die Ärzte zwar als "potenziell lebensgefährlich", körperlich geht es ihm mittlerweile aber wieder relativ gut. Auf psychologische Hilfe wartet er dagegen noch.

Kennengelernt am ersten Weihnachtstag

Am ersten Weihnachtstag vergangenen Jahres begann, was im Juni so blutig endete. Die beiden hatten sich über das Internet angefreundet und am 25. Dezember persönlich kennengelernt. Obwohl der 29-Jährige eine eigene Wohnung in Altendorf hatte, hielten sie sich fortan meist bei dem Älteren auf. In der Wohnung des Jüngeren sei er nie gewesen, sagt der 46-Jährige: "Er lebte dort mit seiner Schwester zusammen, und die beiden verstanden sich nicht so gut."

Ihre Beziehung sei dagegen sehr harmonisch gewesen, sagt er. Trotz der Tat findet er positive Worte über seinen früheren Lebenspartner, der nur wenige Meter entfernt von ihm im Saal sitzt: "Er ist ein sehr aufrichtiger Mensch. Nett und freundlich."

Einen richtigen Streit gab es nie

Richter Jörg Schmitt fragt nach, ob er seinen Freund auch in seinem Umfeld vorgestellt habe. In der Verwandtschaft nicht, aber im Freundes- und Bekanntenkreis: "Da war er natürlich dabei. Das lief auch gut." Er erzählt auch vom Schützenfest in Frohnhausen, das sie gemeinsam besucht hätten. Einen richtigen Streit, so ergänzt er, hätten sie überdies nie gehabt. Allerdings, eifersüchtig sei der Jüngere gewesen.

Das Problem war wie so oft in Beziehungen das liebe Geld. Der 46-Jährige ging jeden Tag seiner Arbeit nach, der 29-Jährige war dagegen "zeitweise nicht beschäftigt", sagt der Zeuge. Er habe den Jüngeren dann zur Arbeit gedrängt. Er sei es nämlich leid gewesen, das Leben beider zu finanzieren und immer für den anderen aufzukommen. Zum Schluss arbeitete der Freund dann in einem Call-Center für eine Zeitarbeitsfirma.

Eigenmächtig das Auto ausgeliehen

Schluss gemacht habe er "nach dem letzten der beiden Kfz-Delikte". Eines davon ist auch angeklagt. Der 29-Jährige, der wegen einer früheren Trunkenheitsfahrt keinen Führerschein mehr besaß, lieh sich laut Anklage ohne Wissen des 46-Jährigen dessen Auto aus. Am 2. Juni, so die Anklage, sol er damit einen Unfall gebaut haben.

Der Ältere forderte den 29-Jährigen dann auf, die Wohnung zu verlassen und seine Sache abzuholen. Am 26. Juni sei er nach Hause gekommen. Als er das Schlafzimmer betrat, bekam er laut Anklage Reizgas ins Gesicht gesprüht. Viermal habe ihn danach der Hammer getroffen, Faustschläge gen den Unterkiefer bekam er auch ab. Dennoch flüchtete er aus der Wohnung, Passanten riefen den Rettungswagen. Den Angeklagten, den der 46-Jährige bei der Tat erkannt haben will, nahm die Polizei in der Nähe fest.

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