Kindererziehung

Taschengeld: Ab wann und wie viel? Was Eltern wissen müssen

Im Grundschulalter sind die meisten Kinder „reif“ für die erste Taschengeldzahlung.

Im Grundschulalter sind die meisten Kinder „reif“ für die erste Taschengeldzahlung.

Foto: Alex Potemkin / Getty Images/iStockphoto

Am Anfang bekommen sie nur ein paar Cent, aber auch die helfen Kindern, den Umgang mit Geld zu lernen. Was Eltern über Taschengeld wissen müssen.

Kinder haben keinen Anspruch auf Taschengeld, aber es gibt gute Gründe, es ihnen zu zahlen. Allerdings gilt es dabei gewisse „Spielregeln „ einzuhalten. So funktioniert’s: Fragen und Antworten.

Müssen Eltern Taschengeld zahlen?

Auch wenn der Kinderschutzbund es „moralisches Recht“ aller Kinder nennt: Diese haben von Gesetzes wegen zwar Anspruch auf Unterhalt, aber nicht auf Taschengeld. Eltern müssen es nicht zahlen. Aber sie sollten es tun. Aus mehr als einem guten Grund, erklärt Ursula Winklhofer (64), wissenschaftliche Referentin am Deutschen Jugendinstitut (Fachgruppe Lebenslagen und Lebenswelten von Kindern). „Taschengeld ist ein wichtiger Beitrag für die Gelderziehung des Kindes.

Es lernt damit zu planen und damit umzugehen, selbst wenn das Geld eine Woche vor Monatsende schon ausgegeben ist. Vielleicht gerade dann.“ Regelmäßig und verlässlich gezahltes Taschengeld trage zudem zur Selbstständigkeit bei, „Es gibt Kindern ein Stück Freiraum“, sagt Winklhofer. „Schließlich“, ergänzt die Expertin, „ist es immer gut, in der eigenen Peer-Group mithalten zu können.“ Sprich: Sich auch mal den Freunden eine Pizza leisten zu können.

Ab wann sollten Eltern zahlen?

Wenn sie anfangen, rechnen zu lernen – lautet die Empfehlung der Experten. Ein guter Zeitpunkt, um mit der Zahlung zu beginnen, ist also die Einschulung. Zunächst sollten Sohn und Tochter das Geld wöchentlich ausgezahlt bekommen, mit dem Wechsel zur weiterführenden Schule kann zum monatlichen Rhythmus gewechselt werden.

Wieviel Geld sollten die Kinder bekommen?

Welche Summe das Deutsche Jugendinstitut für welches Alter empfiehlt, zeigt die Grafik. Die Jugendämter vor Ort halten ähnliche Listen bereit. Tatsächlich dienen auch sie nur der Orientierung. Umfeld und Entwicklungsstand des Kindes sollten berücksichtigt werden – und die Möglichkeiten der Eltern. „Ist die Einkommenslage der Familie schwierig“, so Winklhofer, „kann der Betrag natürlich reduziert werden. Ein bisschen was zu zahlen, wenn es eben geht, wäre aber gut.“ Die Expertin rät: „Sprechen Sie mit ihrem Kind offen über die Situation, suchen Sie gemeinsam nach Lösungen. Ältere, die sich etwas Teures leisten wollten, könnten möglicherweise selbst etwas dazu verdienen. Die Hälfe aller Kinder zwischen neun und 14 tut das, ermittelte das LBS-Kinderbarometer 2015.

„Familien, die sehr reich sind“, warnt Winklhofer, „sollten ihrem Nachwuchs aber auf keinen Fall gleich das Doppelte des empfohlenen Taschengelds geben. Kinder sollen ja lernen, mit einem begrenzten Budget auszukommen.“ Von „Wohlstandsverwahrlosung“ sprechen Fachleute, wenn sie über Kinder vermögender, gut beschäftigter und bezahlter Eltern sprechen, die für ihre Sprößlinge zwar viel Geld, aber keine Zeit und Energie aufbringen. Sie tun ihnen damit nichts Gutes.

Was soll vom Taschengeld bezahlt werden?

Das ist Vereinbarungssache. Am liebsten, das zeigen Studien, geben Kinder ihr Taschengeld für Süßigkeiten, Zeitschriften, Auswärts Essen und kleine Spielzeuge (Sticker & Co.) aus. Älteren Kindern (ab 14 Jahren) sollte man zusätzlich zum Taschen- ein Budgetgeld zahlen, rät Winklhofer – und genau festlegen, welche Kosten in eigener Verantwortung davon gedeckt werden sollen. Das können Körperpflegeprodukte sein, Bustickets oder Schulsachen.

Müssen Kinder ihre Ausgaben rechtfertigen?

Der jüngsten World Vision Studie zufolge dürfen 74 Prozent der Sechs- bis Elfjährigen selbst entscheiden/mitbestimmen, wofür sie ihr Taschengeld ausgeben wollen. „Taschengeld ist Geld zur freien Verfügung. Diese hohe Prämisse wird allgemein geteilt“, erklärt Winklhofer. Kinder sollten ihr Geld daher auch für „Unsinniges“’ ausgeben dürfen. Konkret heißt das für ihre Eltern: Nicht kontrollieren, wo das Geld bleibt, keine Rechenschaft über die Ausgaben verlangen – solange es nicht gefährlich wird. Winklhofer würde auch beim x-ten Paar rosa Söckchen mit Pferdemotiv nichts sagen; aber einschreiten, wenn das ganze Taschengeld in Computerspiele fließt, die dazu verleiten, ständig weiter Geld für das Erreichen neuer Levels auszugeben. „Aber auch dann: Nicht einfach verbieten, sondern die Gefahren thematisieren, zur Selbstreflexion anregen.“

Die schlimmsten Fehler der Eltern?

Das dümmste, was Eltern tun können: Geld nachschieben. Gezahlt wird in der Regel der vereinbarte Betrag X und sonst nichts, so Ursula Winkhofer. Wenn der immer wieder nicht reicht, sollten Eltern und Kind gemeinsam gucken, woran das liegt.

„So lernen Kinder sinnvolle von nicht sinnvollen Ausgaben zu unterscheiden.“ Zeigt sich dabei, dass Kinder oder Jugendliche aus guten Gründen etwas mehr Taschengeld brauchen, kann der Betrag erhöht werden. Taschengeld sollte zudem niemals als Belohnung oder Strafe verstanden werden.

Sollten gute Noten oder Hilfe im Haushalt belohnt werden?

„Ein gutes Zeugnis zu belohnen, ist okay“, sagt Expertin Ursula Winklhofer. Aber nicht für jede gute Note sollte etwas gezahlt werden. Es geht ja darum, intrinsische Motivation aufzubauen, Kompetenz zu erleben.“

Und was ist mit einer Belohnung fürs Helfen im Haushalt? Da ist der Standpunkt der 64-Jährigen, die Kommunikationswissenschaften, Pädagogik, und Psychologie studiert hat, eindeutig: „Jeder in der Familie sollte seinen Beitrag leisten. Den Tisch decken, den Boden kehren, die Spülmaschine ausräumen – das können auch die Kleinen. Und das muss nicht honoriert werden!“ Wenn der 14-jährige Sohn aber freiwillig den Rasen mäht, darf Papa – der sonst dafür zuständig ist – „ruhig mal ein paar Euro“ springen lassen.

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