Erdbeben: Bei uns keine Gefahr?

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Arnsberg. Im Saarland bebt zuweilen die Erde - aber auch bei uns in der Region kommt es mehr oder weniger regelmäßig zu Erdstößen, Bergabsenkungen und sogar zu plötzlich entstehenden Löchern in der Erde. ...

... Eine Gefahr wie im Saarland besteht aber nach Ansicht der zweithöchsten Bergbaubehörde unseres Landes nicht.

"Nach heutigen Erkenntnissen schließt die geologische Situation in NRW es aus, dass vergleichbare Schäden wie im Saarland auch hier auftreten", sagt Jörg A. Linden von der Bezirksregierung Arnsberg, unter deren Dach auch das Landesoberbergamt steht. Im Klartext: Im Saarland liegt Sandstein zwischen Kohle und Erdboden und bereitet Probleme. In unserer Region sind es andere Gesteine.

"Im Saarland ist der Sandstein-Anteil weitaus höher als in NRW", bestätigt auch Udo Kath von der Ruhrkohle AG. "Das führt zu höheren Spannungen." Die Situation im Saarland sei mit der in NRW "nicht vergleichbar", zumal die kohleführenden Flöze in NRW nicht so tief wie im Saarland lägen.

Das bedeutet aber nicht, dass es keine Bergschäden gäbe. Im Gegenteil: "Bergbau ist eine Jahrhundertaufgabe und bedarf der Sicherung über den Tag der letzten Förderung hinaus", resümiert Linden in Arnsberg. Im Klartext: Selbst wenn der Bergbau im Saarland eingestellt bleibt, sagt dies nichts über die Gefahr weiterer Beben aus.

Dabei kommt es ohnehin fast täglich zu Erdstößen, unter anderem auf Grund von bergmännischen Arbeiten. Nur fallen die nicht weiter auf, wenn keine Schäden entstehen. So liest sich das seismographische Protokoll der Uni Köln über die zuletzt georteten Lokalbeben beunruhigend aktuell. 24. Februar 2008, 21.58 Uhr: Lebach Magnitude 1,2. 24. Februar, 20.48 Uhr: Dorsten, 1,7. 23. Februar, 15.30 Uhr: Saarwellingen 3,8. 21. Februar, 22.06 Uhr: Lebach 1,7. 21. Februar, 12.09 Uhr: Werne 1,8. 21.

Auffällig ist, das Beben oft in Bergbauregionen stattfinden. "Bergbaubedingte Erderschütterungen" nennt das der Fachmann. Sie treten praktisch bei jeder Art von unterirdischem Abbau auf, egal, ob nach Steinkohle, Erz, Gold oder anderen Rohstoffen gegraben wird. Zwar fallen sie in der Regel deutlich milder aus als andere Erdbeben - die RAG errechnet aus ihren seismographischen Messungen eine mittlere Magnitude von 1,4 bei bergbaubedingten Erdbeben - kann aber zuweilen beachtliche Ausmaße annehmen. So ängstigte eine wachsende Zahl von Erschütterungen - zuletzt 130 pro Jahr - vor zehn Jahren die Menschen in Hamm-Herringen. Der Maximalwert lag bei 2,8 auf der Richterskala.

Eine Serie von Tagesbrüchen ereignete sich im Siegerland. Mal wird ein verlassener Stollen nur 2,5 Meter unter der Straße eines Neubaugebietes entdeckt, mal klafft im Garten eines Hauses urplötzlich ein tiefes Loch.

Aktuell hält sich der Bergbau in der Region, wenn man von den Fredeburger Schiefergruben und dem Dreislarer Schwerspat absieht, in bescheidenen Grenzen. Doch das war nicht immer so. Über Jahrhunderte wurde Bergbau im Sauer- und Siegerland betrieben. Und die meisten Stollen wurden nie kartiert. Manche Überraschung wartet da noch auf Entdeckung. Ob es gleich eine Treppe wie in Dortmund-Dorstfeld ist oder ein Linienbus, der von der Erde verschlungen wird wie in Wattenscheid-Höntrop, - die Erde lebt und bebt.

Auf eine weitere Überraschung aus dem Saarland hat allerdings Lothar Lambertz von RWE Power kaum noch Appetit. Sein Problem besteht nicht aus Erdbewegungen ("Wir verwenden im Tagebau eigene Messgeräte und werden sofort informiert, wenn sich etwas tut"), sondern aus Nachschub-Problemen. "Wir haben Steinkohle aus der jetzt geschlossenen Grube bezogen und müssen nun erst einmal prüfen, wie wir weitermachen können und wo wir Ersatz her bekommen." Das Problem: Man kann nicht jede Sorte Steinkohle in jedem Steinkohle-Kraftwerk verfeuern, sondern muss erst diverse technische Anpassungen vornehmen, die nicht von heute auf morgen verwirklicht werden können. Der Vorrat an Steinkohle zur Stromerzeugung reicht nur noch für vier Wochen.

Wie es in NRW mit der Bergbau-Sicherheit bestellt ist, wird noch ausführlich zur Sprache kommen: Am 4. April soll Bernd Tönjes, Chef der DSK (Deutsche Steinkohle), dem NRW-Landtag erklären, ob ein durch Bergbau ausgelöstes Erdbeben auch bei uns möglich ist.

Unterdessen geht Ministerpräsident Peter Müller (CDU) davon aus, dass die Steinkohle-Förderung im Saarland nicht wieder aufgenommen wird. Hubertus Schmoldt von der Bergbau-Gewerkschaft ist dagegen: Bergbau ohne Risiko gebe es nun einmal nicht.

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