Flüchtlinge

Flüchtlinge im Ruhrgebiet sorgen sich um ihren Ruf

Serge Nathan Dash Menga mit seinem Internet-Video

Serge Nathan Dash Menga mit seinem Internet-Video

Foto: FUNKE Foto Services

Ruhrgebiet.   Nach den Kölner Übergriffen äußern sich Iraker und Syrer auch im Ruhrgebiet entsetzt über die Täter. Essener aus dem Kongo fordert: „Geht nach Hause!“

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Sie sind entsetzt, sie sind wütend, sie haben Angst: Was macht es mit Deutschland, was macht es also mit ihnen, dass tatsächlich Flüchtlinge dabei waren, Menschen wie sie, in der Silvesternacht von Köln? „Wir akzeptieren so ein Verhalten nicht“, sagt Adeson Keder bei der Flüchtlingshilfe der Caritas in Essen. „Dann akzeptieren die Deutschen das natürlich auch nicht“, ahnt der 36-jährige Iraker, „aber sie werden nicht unterscheiden zwischen denen, die so etwas machen, und uns.“

Keder, der Christ, war selbst in Köln, er sah Gewalt, sah, wie Leute an die Wand des Doms pinkelten, es hat ihn verletzt. „Eine Schande.“ Auch Frauen hat er gesehen, die durch die Menge getrieben worden seien, „das war unmenschlich“. Samy Saiid Jijji, 27, sagt: „Man beißt nicht die Hand, die einen füttert.“ Und Fady Muayad, 25, findet: „Wenn jemand meint, die Gewalt hierher mitzubringen, dann hat er hier keinen Platz.“ Adeson Keder versteht auch die deutsche Justiz nicht: „Im Irak würden solche Leute nie wieder das Tageslicht sehen.“

Wutrede eines Esseners aus dem Kongo

Das ist nun einer der Gründe, warum Menschen nach Deutschland fliehen, auch für Serge Nathan Dash Menga war das so. Die spontane Wutrede des Esseners, der schon 1982 aus dem Kongo kam, wurde im Netz bereits drei Millionen Mal geklickt. „Packt doch einfach eure Klamotten und geht nach Hause!“, ruft der 38-Jährige den Tätern von Köln zu. „Zuwanderer“, sagt er am Freitag zur WAZ, „die hier schwere Straftaten begehen, sollten binnen 24 Stunden abgeschoben werden. Basta.“ Und: „Die Deutschen sollten über Probleme mit kriminellen Zuwanderern offen reden.“

In Mülheim sieht Reinhard Jehles „in den Gesichtern Hilflosigkeit“. In seiner Willkommens-Initiative arbeiten viele Flüchtlinge mit, „für sie ist das einfach nur schlimm: Sie sehen ja, dass sie in einen Topf geworfen werden“. Dabei könnten sich „die Wenigsten überhaupt vorstellen“, was in Köln geschehen sei. Jehles hat sich mit Syrern ein paar Bilder angesehen, ihnen fiel auf: „Die haben keine Haarschnitte wie bei uns“, diese anrasierten Nacken, „die kommen woanders her.“

„Ich fühle Scham. Ich entschuldige mich.“

Auf der Internetseite „Syrische Flüchtlinge sagen Nein zu den Übergriffen von Köln“ schreibt Urfa Bakr: „Ich fühle Scham. Ich entschuldige mich.“ Von Wut und Scham spricht auch Ahmad Budeir, der fordert, dass „jeder, der das getan hat, bestraft“ werden müsse. „Wir sind nach Deutschland gekommen auf der Suche nach einem neuen Leben.“ Khaled Ghazi empfiehlt der Polizei, unter Flüchtlingen nicht nur nach Tätern, sondern auch nach Zeugen zu suchen. „Die Mehrheit der Flüchtlinge ist so zornig wie ihr es seid“. Kein Beitrag, der nicht endet mit einem „Sorry“ – oder einem „Dankeschön an Germany“.

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