Prozess

Freispruch: Gericht in Essen sieht keine Gruppenvergewaltigung

Das Gericht in Essen sah keinen Beweis für eine Gruppenvergewaltigung.

Das Gericht in Essen sah keinen Beweis für eine Gruppenvergewaltigung.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen  Laut Anklage galten sie als Gruppenvergewaltiger. Doch von diesem Vorwurf blieb vor Gericht nichts übrig. Freispruch, sagt das Essener Gericht.

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Die fünf Afghanen, denen die Staatsanwaltschaft eine Gruppenvergewaltigung vorgeworfen hatte, sind unschuldig. Die V. Essener Strafkammer sprach sie am Donnerstag frei. Zu viele Widersprüche wies die Aussage der 17-Jährigen auf.

Die Anklage hatte ein schreckliches Martyrium beschrieben. In einer Wohnung im Essener Stadtteil Altendorf sollen die fünf Männer, 20 bis 24 Jahre alt, gemeinsam mit drei weiteren unbekannt gebliebenen Tätern die junge Frau abwechselnd vergewaltigt haben. Jeweils zwei sollen sie dabei an Händen und Füßen festgehalten haben.

Mittags im Essener Hauptbahnhof angesprochen

Aber schon der Ausgangspunkt der angeblichen Tat ließ bei Beobachtern Zweifel aufkommen. Am hellichten Tag, mittags um 13 Uhr, soll einer der Angeklagten die 17-Jährige bei McDonalds am Essener Hauptbahnhof angesprochen haben. Ob sie mitkommen wolle, habe er gefragt. Als sie verneinte, soll er sie gewürgt haben.

Später soll er sie im Hauptbahnhof auch noch geschlagen haben, ohne dass auch nur ein Passant oder Sicherheitsmitarbeiter aufmerksam wurde.

Drei Angeklagte direkt entlastet

Von diesen Gewaltszenen war in der nicht öffentlichen Aussage der Frau keine Rede mehr. Schnell stellte sie auch klar, dass drei der fünf Angeklagten mit der Vergewaltigung nichts zu tun hätten. Und es gab noch weitere Ungereimtheiten und Widersprüche in ihrer Aussage.

Die Angeklagten selbst hatten zu Prozessbeginn geschwiegen oder von einvernehmlichem Sex gesprochen. Denn dass die junge Frau mit in der Wohnung war, stand fest. DNA-Spuren belegten auch den Sex.

Auch Staatsanwaltschaft will Freispruch

Zwei der Angeklagten saßen in Untersuchungshaft. Sie kamen bereits am Dienstag frei, nachdem die junge Frau ausgesagt hatte. Am Donnerstag plädierten dann Staatsanwaltschaft und Verteidigung auf Freispruch, so eindeutig war die Rechtslage.

Auch das Gericht in Essen sah keinen Beweis für eine Gruppenvergewaltigung. Richter Volker Uhlenbrock sagte im Urteil, dass es lediglich zu einvernehmlichem Sex gekommen sei. Eine bewusste Lüge wollte die Kammer der Zeugin allerdings nicht unterstellen. Es war wohl eher die problematische Persönlichkeit der jungen Frau, aus der heraus die Aussage entstanden war.

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