Für den Rest des Lebens ins Gefängnis

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Limburg. Dreimal Mord, einmal versuchter Mord, dazu noch Freiheitsberaubung, schwere Körperverletzung und Vergewaltigung, dafür muss der 29-jährige "Brummi-Mörder" Marco M. für den Rest seines Lebens ins Gefängnis.

Zumindest für sehr lange Zeit. Die Limburger Schwurgerichtskammer verhängte dreimal lebenslänglich und für den Versuch 15 Jahre, die Schwere der Schuld wurde festgestellt und die Sicherungsverwahrung angeordnet. Damit ist die sonst übliche Bewährung nach 15 Jahren ausgeschlossen. Spätestens nach 25 Jahren wird erstmals überprüft, ob eine Entlassung möglich ist.

Die Vorsitzende Richterin Karin Walter sprach immer wieder von "scheußlichen Taten", die in "ihrem Ausmaß unfassbar" seien. Schon bei den Plädoyers war immer wieder von Taten die Rede, die jede Vorstellungskraft sprengten. "Wir haben schon viele Fotos von erdrosselten Opfern gesehen, aber so etwas noch nicht", beschrieb die Richterin den Zustand des ersten Opfers, der 32-jährigen Nicole U. aus Köln. "Wir können nur hoffen, dass die junge Frau nicht zu sehr gelitten hat, weil es schnell ging", sagte die Richterin.

Wie im Fall der später tot in einem Waldstück in Siegen-Eisern aufgefundenen Aneta B. verübte Marco M. auch am ersten Opfer noch Geschlechtsverkehr, nachdem es bereits tot war. "Es ging ihm immer nur darum, den Körper der Frauen zu dominieren, tot oder lebendig. Ihr Aussehen war unerheblich, er war nicht nekrophil, er spürte auch beim Töten keine Befriedigung", sagte die Vorsitzende.

Die Kammer folge dem Sachverständigen, der die Schuldfähigkeit des 29-Jährigen eindeutig bejaht habe. Daher sei für den Antrag von Verteidiger Frank Richtberg auf die Einweisung in ein psychiatrisches Krankenhaus kein Raum. Es gebe keine Hinweise für eine sexuelle Abartigkeit des Angeklagten. Auch der Mangel an Empathie könne nicht als Begründung dienen, der sei in der Bevölkerung durchaus nicht selten. "Was eigentlich hinter seiner Maske vorging", werde wohl niemals ergründet.

Praktisch im Jahresrhythmus hatte der Mann aus Haiger getötet oder es versucht. Zwischen 2003 und 2006 starben drei Frauen, ein viertes Opfer überlebte im Oktober 2004, nachdem er ihr "mit einem wuchtigen Stich das Messer ins Herz jagte", wie die Richterin formulierte.

Die 25-Jährige bekam Hilfe, ihre Beschreibung führte viel später zur Ergreifung des unauffälligen Lastwagenfahrers aus Haiger. Ihr Leid während dieser Nacht sei unbeschreiblich gewesen und kaum nachzuempfinden.

Dass er bei seiner Verhaftung von der Polizei nicht ausreichend belehrt wurde, könne nicht zu einem Verwertungsverbot des anschließenden Geständnisses und der weiteren Aussagen führen, sagte die Vorsitzende. Allerdings nur, weil die Verteidigung es nicht gerügt habe. Sie ging nicht auf den Hinweis im Verteidigerplädoyer ein, der Angeklagte sei als Kind homosexuell missbraucht worden. Die Mutter habe allerdings bei schlechten Noten "ihr Glück regelmäßig mit dem Kochlöffel versucht".

Staatsanwalt Frank Späth war mit dem Urteil zufrieden. "Wir haben es erwartet, wir haben es erklärt und wir haben es beantragt", sagte er und musste immer wieder in zahlreiche Mikrofone erläutern, was genau die Sicherungsverwahrung für den Angeklagten bedeutet. Der blieb auch am letzten Verhandlungstag stumm. Über eine Revision hat er allerdings noch nicht entschieden. "Wir müssen darüber mit ihm reden, ausgeschlossen ist sie nicht", sagte Verteidiger Frank Richtberg.

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