Flugzeug-Absturz

Germanwings: Hinterbliebene üben scharfe Kritik an Lufthansa

Die letzte Eskorte durch Haltern – bald drei Jahre ist es her.

Die letzte Eskorte durch Haltern – bald drei Jahre ist es her.

Foto: Volker Hartmann

Essen.   Hinterbliebene des Germanwings-Absturzes erheben in einem neuen Brief schwere Vorwürfe gegen die Lufthansa.

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Drei Seiten lang ist das Schreiben, das Anfang der Woche abgeschickt worden ist und auch dieser Zeitung vorliegt. Drei Seiten, die zu einer Abrechnung mit Deutschlands größter Luftgesellschaft werden. Zeilen voller Verbitterung und Wut, gerichtet an Lufthansa-Chef Carsten Spohr persönlich. Verfasst im Auftrag von rund 200 deutschen und niederländischen Hinterbliebenen der Katastrophe von Germanwings-Flug 4U9525.

Anlässlich des Ende März bevorstehenden dritten Jahrestag des Absturzes, wolle man Spohr an seine „Zusagen“ erinnern, die er unmittelbar nach der Katastrophe gemacht habe, beginnt der Brief. „Wir unternehmen alles in unserer Macht Stehende, um (…) Ihnen die Unterstützung zukommen zu lassen, die Ihnen eine Hilfe ist“, hatte der Vorstandsvorsitzende damals versprochen und versichert: „Dabei wollen wir unbürokratisch und schnell sein.“ „Leider“, heißt es in dem Brief, „müssen wir feststellen, dass Sie diese zentrale Zusage bis heute nicht eingelöst haben.“

Hinterbliebene des Germanwings-Absturzes: "Das müssen wir als Erpressung empfinden“

Auf völliges Unverständnis stößt der Umgang der Fluggesellschaft mit den Hinterbliebenen der 149 Opfer. „Entlarvend“ nennen die Verfasser das Angebot des Unternehmens, Angehörige gegen Zahlung eines „geringen Geldbetrages“ dazu zu bewegen, nicht weiter gegen die Lufthansa zu klagen. „Mit Verbitterung müssen wir zudem zur Kenntnis nehmen, dass Ihr Unternehmen neuerdings sogar psychotherapeutische Hilfe an die Unterschrift unter eine solche Verzichtserklärung knüpft“, heißt es weiter. Das „müssen wir als Erpressung empfinden“.

Mit einer „Strategie des Mürbemachens und der Drohungen“ habe die Fluggesellschaft „viele Hinterbliebene dazu gebracht, aufzugeben“. Sie hätten nur unterschrieben, um „neben der schweren Trauerarbeit nicht länger Kraft in solche zusätzlich traumatisierenden Auseinandersetzungen stecken zu müssen“.

„Wir fordern Sie auf, uns zu helfen!“, schließt der Brief. „Unsere Katastrophe sollte gleichermaßen auch Ihre Katastrophe sein! Stimmen Sie unseren berechtigten Wünschen nach Anerkennung der moralischen Schuld, das Ihr Unternehmen auf sich geladen hat, zu! Orientieren Sie die Entschädigungsleistungen zumindest an dem neuen Hinterbliebenengeldgesetz!“

Erbost sind die Hinterbliebenen auch über die Aufarbeitung des Einsatzes von Co-Pilot Andreas Lubitz, der die Maschine bewusst zum Absturz gebracht haben soll. „Wir verlangen Aufklärung darüber, wie es dazu kommen konnte, dass Ihr Unternehmen einem eindeutig psychisch Kranken Verantwortung für Hunderte von Menschenleben übertragen hat“, schreiben die Hinterbliebenen und vermuten „schwerste organisatorische Versäumnisse“.

Ein Lufthansa-Sprecher hat gestern den Eingang des Briefes bestätigt. Zum Inhalt wolle das Unternehmen sich öffentlich nicht äußern. Man werde aber, sagte der Sprecher, weiterhin „den persönlichen Dialog mit den Betroffenen suchen“.

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