Reise-Pleite

Hoteliers kassieren weiter von Thomas-Cook-Kunden

„Enjoy“ – den Urlaub genießen? Die Insolvenz des Reiseveranstalters Thomas Cook verdirbt vielen Urlaubern die Laune. Hoteliers bitten sie vor Ort noch einmal zur Kasse.

„Enjoy“ – den Urlaub genießen? Die Insolvenz des Reiseveranstalters Thomas Cook verdirbt vielen Urlaubern die Laune. Hoteliers bitten sie vor Ort noch einmal zur Kasse.

Foto: UMIT BEKTAS / Reuters (Symbolfoto)

Jerez/Velbert.  Keine Infos, wenig Hilfe. Noch immer müssen etliche Reisende, die mit Thomas Cook unterwegs sind, ihre Reise vor Ort ein zweites Mal bezahlen.

Sonne, 22 Grad, zumindest das Wetter in Conil de la Frontera ist gut. „Viel besser als im Ruhrgebiet“, sagt Dieter Wende. Trotzdem „will keine echte Urlaubsstimmung aufkommen.“ Nicht bei ihm, nicht bei seiner Frau Christiane und dem mitreisenden Freunden Andreas und Elke Amft, auch nicht bei den Hunderten anderer Touristen, die derzeit Urlaub in Andalusien machen. Denn sie haben ihre Ferien beim mittlerweile insolventen Reiseveranstalter Thomas Cook gebucht. „Und das kommt uns jetzt teuer zu stehen“, hat Wende gemerkt.

„Wir wollten alles aus einer Hand. Wir dachten dann sind wir auf der sicheren Seite.“

Als die beiden Ehepaare aus Velbert abheben vom Flughafen in Düsseldorf am 21. September, da ist die Urlaubswelt noch in Ordnung. Eine Woche Rundreise steht auf dem Plan, eine Woche Strandurlaub wollen sie dranhängen. Beides gebucht bei Thomas Cook. „Wir wollten alles aus einer Hand. Wir dachten, dann sind wir auf der sicheren Seite.“

Die ersten beiden Tage sind Traumurlaub. Doch am Montagabend teilt der Reiseleiter ihnen mit, dass es Probleme gibt. Thomas Cook sei pleite, die Hotels seien nicht bereit, sie unterzubringen. Es sei denn, sie würden die Zimmer noch einmal bezahlen.

„So ist das die ganze Zeit geblieben“, erzählt Wende. „Egal, wohin wir gekommen sind.“ Unterkunft nur gegen Vorkasse – „am liebsten bar, zähneknirschend werden auch Kreditkarten genommen.“ Bisher sind pro Ehepaar noch einmal rund 1600 Euro zusätzliche Kosten angefallen.

Bisher pro Paar rund 1600 Euro zusätzliche Kosten

Auch die Zusage des Insolvenzversicherers Zurich, in Folge der Insolvenz von Thomas-Cook Deutschland die Kosten für die Hotels zu übernehmen, ändert nichts. „Die Hoteliers behaupten, bei ihnen sei bisher nicht ein Euro angekommen“, erzählt Wende und ärgert sich, dass Zurich und Thomas Cook verbreiten, es sei alles geklärt in den Urlaubsorten. „Das ist es nicht.“ Wende erzählt nicht von Handgreiflichkeiten. „Aber wer nicht zahlen kann oder will, wird immer noch abgewiesen. Da sind die Hoteliers eiskalt.“

Urlauber, von denen Hoteliers Geld verlangen, sollten sich an den Reiseleiter und den Insolvenzversicherer Zurich wenden, rät Felix Methmann vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). „Aufgabe des Versicherers ist es, voraus bezahlte Leistungen der Kunden abzusichern und die Kosten für gestrandete Urlauber zu übernehmen.“

Keine neuen Touristen. Im Hotel wird es immer leerer

Das klingt in der Theorie ganz gut, hilft in der Praxis aber anscheinend nicht wirklich weiter. „Sie kriegen doch gar keinen Reiseleiter.“ Einmal sei eine Thomas-Cook-Mitarbeiterin in einem der Hotels aufgetaucht, an ihrer Seite – offenbar aus Angst vor wütendenden Urlaubern – zwei Polizisten. „Die war aber auch schnell wieder weg.“

Ansonsten würden überall Zettel mit Info-Nummern und E-Mail-Adressen hängen. „Aber wenn man da anruft, geht niemand dran.“ Und die E-Mails kämen mit standardisierten Antworten zurück. „Hier passiert nicht viel.“ Im Hotel in Conil de la Frontera wird es derweil immer leerer. „Es kommen ja keine neuen Touristen mehr nach.“

Bis Samstag wollen die beiden Velberter Familien nun versuchen, „die Tage irgendwie rumzukriegen“. Dann geht es zum Flughafen ins rund 65 Kilometer entfernte Jerez. Auch auf eigene Kosten, versteht sich. „Der über Thomas-Cook gebuchte Transport findet nicht mehr statt.“ Der Rückflug mit Condor allerdings soll planmäßig starten. Laut Auskunft von Thomas-Cook „spricht da nichts gegen“. Ansonsten, bedauert eine Unternehmenssprecherin, benötige man weitere Informationen, bevor man sich zu Einzelfällen äußere.

Wendes und Amfts haben ohnehin keine großen Hoffungen, das zusätzliche ausgegebene Geld in vollem Umfang zurück zu bekommen. „Die Versicherung von Thomas Cook wird nicht reichen“, macht sich Dieter Wende keine Illusionen. Pauschalreisen will er jedenfalls künftig nicht mehr buchen. „Beim nächsten Mal“, kündigt er an, „geht es zum Radfahren an die Nordsee.“

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