Gastronomie

In Bochum ist Deutschlands erste Koch-Akademie geplant

Beim Branchentreff in der Jahrhunderthalle (hier der spanische Schinkenexperte Ramon) wurden die Pläne für eine Koch-Akademie erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Foto: Jürgen Theobald (theo)

Beim Branchentreff in der Jahrhunderthalle (hier der spanische Schinkenexperte Ramon) wurden die Pläne für eine Koch-Akademie erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Foto: Jürgen Theobald (theo)

Bochum.   In Bochum soll Deutschlands erste private „Köche-Akademie“ entstehen. Die Pläne wurden jetzt beim Branchentreff „Dialog“ vorgestellt.

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Den Restaurants gehen die Köche aus. Immer weniger junge Leute entscheiden sich für eine Lehre am Herd. Anlass, in Bochum die bundesweit erste private „Köche-Akademie“ voranzutreiben. Die Pläne wurden in dieser Woche bei der Gastro-Messe „Dialog Food & Drink“ in der Jahrhunderthalle vorgestellt.

Das Gastgewerbe ist in Sorge. Legten 2009 noch 9800 Köche ihre Gesellenprüfung ab, waren es 2016 nur 4300. Knapp über 90 Ausbildungsverträge gab es 2017 im gesamten IHK-Bezirk Mittleres Ruhrgebiet – bei konstant hohen Abbrecher- und Durchfallquoten.

Warnung von Lebensmittel-Großhändler

„Im Revier ist die Entwicklung besonders dramatisch“, warnt Lebensmittel-Großhändler Herwig Niggemann. „Wenn das so weiter geht, haben die Betriebe in zehn Jahren keine Köche mehr“, hieß es beim Branchentreff.

An der wenig attraktiven Arbeitszeit und anstrengenden Tätigkeit lässt sich nichts ändern. Sehr wohl aber an der Perspektive, auf Top-Niveau zu kochen. Die Akademie soll dafür den Grundstein legen. Unter Federführung der IHK hat sich ein Arbeitskreis zusammengefunden, der die „Exzellenz-Initiative“ befeuern will. Der Essener Gastronom Hans-Hubert Imhoff (Parkhaus Hügel) und der Dortmunder Sterne-Koch Michael Dyllong („Palmengarden“) gehören ebenso dazu wie das Alice-Salomon-Berufskolleg.

Privat finanziert, privat geführt

Die neue Akademie soll die herkömmliche dreijährige Ausbildung nicht ersetzen, sondern ergänzen, betonen die Initiatoren. Nach der Lehre sollen die Fachkräfte hier zusätzliche Qualifikationen erwerben, die ihnen den Weg in die Spitzengastronomie ebnen. Dabei soll die „Koch-Uni“ komplett privat finanziert und geführt werden. Vorgesehen ist ein dreistufiges, jeweils sechsmonatiges Kursmodell. Wie bei privaten Hochschulen, etwa der kaufmännischen EBZ-Business-School, zahlen die Teilnehmer einen Monatsbeitrag. Die Absolventen erhalten eine Urkunde als „IHK-zertifizierter Küchenmanager“.

Wo die Akademie 2019 in Bochum an den Start gehen soll, ist noch offen. „Eine gute Idee ist sie allemal“, sagt Heinz Bruns, Chef von Haus Kemnade und Sprecher des Branchenverbandes Dehoga. Der Fachkräftemangel habe „eklatante“ Ausmaße erreicht. Betriebe müssten schließen oder ihre Öffnungszeiten einschränken.

„Die Akademie kann den Kochberuf attraktiver machen“, so Bruns. Neben der Qualifizierung müsse aber auch das Lohngefüge angehoben werden. „Ein Jungkoch verdient 1800 Euro. Da ist noch Luft nach oben.“ Die Zeche müssten dabei auch die Gäste zahlen. Bruns: „Erhebliche Preissprünge bei den Speisen sind unausweichlich.“

>>> INFO: 700 Fachbesucher beim Branchentreff

  • 700 Fachbesucher wurden bei der vierten Auflage der „Dialog“-Messe im Westpark gezählt.

  • Die Trends: In Restaurants werde von den Gästen zunehmend auf die (möglichst regionale) Herkunft der Produkte geachtet.

  • Und: Rum gilt bei den Spirituosen als das neue In-Getränk.

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