Tengelmann-Streit

Katrin Haub nennt Todesantrag für ihren Mann „anmaßend“

Ein Foto aus glücklicheren Zeiten: v.l. Karl-Erivan Haub und Ehefrau Katrin mit Haubs Eltern Helga und Erivan im Jahr 2011.

Ein Foto aus glücklicheren Zeiten: v.l. Karl-Erivan Haub und Ehefrau Katrin mit Haubs Eltern Helga und Erivan im Jahr 2011.

Foto: Steffens / ddp images / Steffens

Mülheim.  Im Erbstreit bei Tengelmann meldet sich erstmals Katrin Haub zu Wort. Der Todesantrag für ihren Mann durch seine Brüder sei „anmaßend“, sagt sie.

Es war keine leichte Zeit für Katrin Haub und ihre Zwillinge Viktoria und Erivan-Karl. Seit zweieinhalb Jahren ist der Ehemann, Vater und Tengelmann-Chef verschollen. Der Trauer und quälenden Ungewissheit folgte ein erbitterter Kampf um die Macht beim Mülheimer Handelskonzern, der immer härter wird. Nach einer langen Zeit des Schweigens spricht die Familie jetzt erstmals über den Streit innerhalb des 153 Jahre alten Traditionsunternehmens und unter den Haubs, die zu den reichsten Menschen in Deutschland gehören.

„Den Antrag, den eigenen verschollenen Ehemann für tot erklären zu lassen, wird niemand leichten Herzens stellen“, lässt Katrin Haub auf Anfrage unserer Redaktion über einen Sprecher ausrichten. „Nicht ohne Grund räumt das Gesetz für die Stellung eines Antrags auf Todeserklärung eine Frist von zehn Jahren ein.“ Den Gang zum Kölner Amtsgericht haben ihr nun andere abgenommen: Christian Haub, inzwischen der alleinige Tengelmann-Chef, sein Bruder Georg und das Unternehmen selbst haben in der vergangenen Woche das Aufgebotsverfahren zur Todeserklärung in Gang gebracht. „Es ist sehr befremdlich, dass sich jemand Drittes anmaßt, eine solche Entscheidung für unsere Familie treffen zu wollen“, klagen die Angehörigen von Karl-Erivan Haub.

Suche nach Karl-Erivan Haub blieb erfolglos

Wann auch immer das Gericht eine Entscheidung fällen mag – es wird dann amtlich sein, dass der so agile und sportliche Ehemann und Vater tot ist. Es war am 7. April 2018, als er von einer Skitour in den Schweizer Alpen nicht zurückkehrte. Eine mehrtägige Suche in Schnee und Eis blieb erfolglos. Karl-Erivan Haub wurde nie gefunden. Monate später gab es in Mülheim eine Trauerfeier – auch für den im März 2018 gestorbenen Vater und Patriarchen Erivan Haub. Vor dem Verfahren zur Todeserklärung scheuten Katrin und ihre Kinder Viktoria und Erivan-Karl bislang zurück. Ihre Beweggründe sind unbekannt. „Steuerliche Gründe, wie von Christian Haubs Anwalt Mark Binz öffentlich behauptet, stehen dabei ganz sicherlich nicht im Vordergrund“, versichern sie.

Familie vom Vorpreschen der Brüder getroffen

Umso mehr trifft es die Familie, dass die beiden Brüder nun vorgeprescht sind. „Christian Haub war bekannt, dass der Stamm Karl-Erivan Haub sich dagegen entschieden hat, zum gegenwärtigen Zeitpunkt einen Antrag auf Todeserklärung zu stellen“, erklärt die Familie Katrin Haub. Zumal sie nach eigenen Angaben davon erst erfahren habe, als der Antrag bei Gericht eingegangen war. Ein Tengelmann-Sprecher sagte dazu: „Es war der Gegenseite bekannt, dass das Thema im Raum steht.“

Katrin Haub und ihre Kinder erhielten Akteneinsicht und erfuhren nach Informationen unserer Redaktion dabei, dass die Tengelmann-Gruppe bereits im Herbst 2019 bei der Staatsanwaltschaft Köln vorgesprochen hatte – allerdings vergeblich. In einem Brief, der unserer Redaktion in Auszügen vorliegt, legt das Unternehmen der Behörde nahe, von sich aus die Todeserklärung einzuleiten, weil „auch öffentliche Belange“ betroffen seien. Damit gemeint waren neben der „hohen Bedeutung für die Gesamtwirtschaft“ – die Tengelmann-Gruppe kommt auf rund acht Milliarden Euro Umsatz mit 90.000 Beschäftigten, auch die Erbschaftssteuer in geschätzter Höhe von 450 Millionen Euro. Die Summe müssen die Kinder Viktoria und Erivan-Karl Haub aufbringen, sobald sie das Unternehmens-Drittel ihres Vaters erben.

Tengelmann: Problem der Erbschaftssteuer

Aus eigener Kraft können sie die Summe vermutlich nicht stemmen. Ihr Sprecher malte deshalb schon das Szenario einer Privatinsolvenz an die Wand. Seit 2018 sucht die Familie deshalb nach einem Weg, das Problem Erbschaftssteuer zu lösen. Christian Haub hat auch gegenüber unserer Zeitung Interesse bekundet, seiner Nichte und seinem Neffen deren zustehenden Konzernanteil abzukaufen.

Nach Angaben der Familie von Katrin Haub hat es dazu aber bislang noch kein Angebot gegeben. „Christian Haub hat uns bisher nicht mitgeteilt, ob und zu welchem Preis er die Anteile des Stammes Karl-Erivan Haub gegebenenfalls zu übernehmen wünscht. Es ist weder ein Verkaufspreis genannt worden, noch hat Christian Haub uns ein konkretes Angebot zur Finanzierung der Erbschaftsteuer seitens des Unternehmens gemacht“, teilt sie mit. Etwaige Summen habe man in der Presse gelesen. In Medien ist von einer Abfindung in Höhe von 1,6 Milliarden Euro die Rede.

Angebote zur Übernahme der Anteile

„Das Thema hat in vielen Gesprächen mit Katrin Haub eine Rolle gespielt, es gibt sogar schriftliche Angebote seitens des Familienstamms zur Übernahme der Anteile“, erklärte dagegen ein Tengelmann-Sprecher. Die ersten Gespräche habe es im Frühjahr 2019 gegeben, das letzte schriftliche Angebot stamme aus der Zeit kurz vor dem Beginn der Corona-Pandemie. Christian Haub habe überdies mehrere Angebote zur Lösung des Steuerproblems unterbreitet. „Jegliche Vorschläge, die auch nur eine Teilfinanzierung durch Darlehen mit einbezogen haben, wurden vom Kölner Familienstamm immer kategorisch abgelehnt“, so der Tengelmann-Sprecher.

Es ist völlig offen, wie es mit der Tengelmann-Gruppe weitergehen soll. „Eine Aufteilung der Vermögensmassen bzw. Realteilung ist von allen drei Gesellschafter-Stämmen in Betracht gezogen worden“, sagt die Familie von Katrin Haub. Das würde bedeuten, dass sich die drei Stämme die Handelsketten Obi, Kik, Tedi, Babymarkt.de, zahlreiche Beteiligungen wie an Zalando, sowie das Immobilien-Geschäft untereinander aufteilen. Nach Informationen unserer Redaktion soll sie auch einen Komplett-Verkauf ins Spiel gebracht haben. Christian Haub dagegen will die Gruppe erhalten, wie der Tengelmann-Sprecher betont. „Nachdem der Kölner Familienstamm Differenzen vor Gericht und in die Öffentlichkeit getragen hat und dadurch alle roten Linien überschritten hat, erscheint allerdings ein gedeihliches Miteinander nur noch schwer möglich“, sagte er.

Wie auch immer eine Lösung aussehen könnte: sie bedarf der Einigkeit. Die Familie von Katrin Haub signalisierte am Montag zumindest den Willen zur Gemeinsamkeit. Die Geschwister Viktoria und Erivan-Karl Haub, die die Tengelmann-Anteile ihres Vaters erben werden, zögen „selbstverständlich alle Möglichkeiten in Betracht“, erklärten sie und fügten gleichzeitig hinzu: „Bislang sind alle Einigungsversuche an einer ablehnenden Haltung von Christian Haub gescheitert.“

>>> Bruder Georg Haub überwacht

Karl-Erivan Haub ließ offenbar seinen Bruder Georg und seinen Fahrer durch eine Detektei überwachen. Das bestätigte ein Tengelmann-Sprecher. Die Kosten dafür hätten sich demnach auf einen zweistelligen Millionen-Euro Betrag belaufen. Die Kosten für die Überwachung habe das Unternehmen bezahlt.

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