Prozess

Krieg in Ostukraine: Söldner steht in Dortmund vor Gericht

Der Söldner aus Löhne soll in der Ostukraine für die Kalmius-Brigade gegen die völkerrechtlich anerkannte Ukraine gekämpft haben. (Symbolbild)

Der Söldner aus Löhne soll in der Ostukraine für die Kalmius-Brigade gegen die völkerrechtlich anerkannte Ukraine gekämpft haben. (Symbolbild)

Foto: Michal Burza / picture alliance / dpa

Dortmund  Seit 2014 tobt der Krieg im Osten der Ukraine. Jetzt hat er das Dortmunder Landgericht erreicht. Verantworten muss sich ein Söldner aus Löhne.

Bieder wirkt der freundliche Mann, ein Installateur aus dem ostwestfälischen Löhne. So ganz scheint am Mittwoch die Anklage vor der Staatsschutzkammer des Dortmunder Landgerichtes nicht zu dem 43-Jährigen zu passen. Die "Vorbereitung einer staatsgefährdenden Gewalttat" wirft die Staatsanwaltschaft Alex D. vor. Als Söldner soll er von 2014 bis 2016 in der Kalmius-Brigade gegen die völkerrechtlich anerkannte Ukraine gekämpft haben.

Die Mitgliedschaft in der Brigade bestreitet Alex D. erst gar nicht. Nur an Kampfhandlungen will er sich nie beteiligt haben. Er habe Maschinen gewartet, ein Medikamentenlager bewacht, sagt er. Eine Waffe habe er nie besitzen wollen. Es habe auch die Regel gegeben, dass die Deutschen nicht an die Front sollten.

Lange Zeit in Löhne gelebt

Geboren ist er in Kirgisien. Weil sein Vater Ukrainer ist, fühlt er sich dem Land verbunden. Mit seinen Eltern kam Alex D. 1995 nach Deutschland. In Löhne bauten sie sich eine Existenz mit eigenem Haus auf. Dort lebte auch er mit seiner Frau.

Als der aus Sicht der EU von Russland unterstützte Krieg in der Ostukraine begann, zog er los. Den Separatisten schloss er sich an. Unwidersprochen bezieht er am Mittwoch Stellung gegen die Ukraine: "Ich konnte einfach nicht sehen, dass Kinder sterben. Es war meine bürgerliche Pflicht zu helfen." Man habe ihm gesagt, er solle über Russland einreisen. Denn auf dem Weg über die Ukraine werde er "gekillt".

Kampfhandlungen gegen die Ukraine

Die Anklage sieht seine Rolle aggressiver. Danach soll er zu einer "bewaffneten Spezialeinheit des Verteidigungsministeriums der Volksrepublik Donezk" gehört haben. Ihr Ziel laut Anklage: "Die völkerrechtswidrige Abspaltung" der Ostukraine. Damit habe er die "territoriale Unversehrtheit und Souveränität des ukrainischen Staates untergraben" wollen. Er sei militärisch ausgebildet worden und habe mit "vollautomatischen Maschinengewehren" an "Kampfhandlungen gegen die ukrainischen Streitkräfte" teilgenommen.

Früh hatten sich die Juristen auf Anregung der 32. Strafkammer auf ein Urteil geeinigt, wenn der Angeklagte ein Geständnis im Sinne der Anklage ablege. Zwischen eineinhalb und zwei Jahren Haft soll es geben, eine Bewährung für den bislang auf freiem Fuß befindlichen Mann ist möglich. Als Alex D. aber immer wieder betont, dass er nie an Kampfhandlungen teilnehmen wollte, hakt Richter Dirk Kienitz nach. Mit Hilfe von Verteidiger Stefan Schlüter ringt sich der Angeklagte dann doch dazu durch, dass er bei einem entsprechenden Befehl auch an die Front gegangen wäre.

Bescheinigung als Scharfschütze

Es gibt auch Beweismaterial. Fotos, Videos, die ihn mit Kalaschnikow auf dem Panzer zeigen. Eine Bescheinigung als Scharfschütze. Alles Photoshop, manipuliert also, erklärt Alex D. Und die Videos mit islamistischen Parolen? Auch falsch. Das sei über Lautsprecher abgespielt worden, damit die ukrainische Armee Angst vor Kämpfern aus Tschetschenien bekomme.

Das Verfahren gegen ihn war in Gang gekommenen, als er 2016 wieder nach Deutschland zurück kehrte. Am Flughafen Hannover hatte die Bundespolizei ihn festgenommen, weil es Hinweise auf ihn gab.

Chefs machten sich die Taschen voll

Freiwillig habe er die Separatisten verlassen, sagt er. Seine Ideale seien enttäuscht worden. Denn die Kameraden hätten im Dreck gelegen, die Chefs im dicken Wagen gesessen. Die hätten sich die Taschen voll gemacht. Die Separatisten, sagt er, "machen auch nicht alles richtig".

Heute gibt er sich distanziert. Rückblickend würde er nicht in den Krieg ziehen wollen, beteuert er. Am Geld soll es damals übrigens nicht gelegen haben. Umgerechnet 150 Euro hat er nach Angaben seines Verteidigers pro Monat kassiert.

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