Prozess

Landgericht Essen erspart Schalke-Ultra das Gefängnis

An dieser Pyro-Aktion war der Hugo-Chef 2012 beteiligt.

An dieser Pyro-Aktion war der Hugo-Chef 2012 beteiligt.

Foto: REUTERS

Essen.   Drei Jahre lang hatte das Amtsgericht den Ex-Chef der Schalker „Hugos“ im Gefängnis sehen wollen. Das Essener Landgericht erspart ihm die Zeit.

Das Essener Landgericht hat dem mehrfach vorbestraften Ex-Chef der Schalker Ultra-Gruppierung „Hugos“ eine lange Zeit im Gefängnis erspart. Wie jetzt bekannt wurde, verurteilte es den 28-Jährigen am vergangenen Dienstag wegen Körperverletzung zu neun Monaten Haft mit Bewährung.

Kein Ruhmesblatt für die Essener Justiz, denn der Fall liegt viereinhalb Jahre zurück. Am 20. Juli 2014 soll der Schalker in Buer einen anderen Mann hinterhältig angefallen und übel verletzt haben. Dafür verurteilte das Amtsgericht Gelsenkirchen-Buer den Studenten zu drei Jahren Haft. Dagegen legten beide Seiten Berufung ein. Der Verteidigung war das Urteil zu hart, der Staatsanwaltschaft zu milde.

Wegen Vorstrafen früher keine Bewährung

Denn der Angeklagte galt als rücksichtsloser Gewalttäter. Aktuell beschäftigte damals auch eine Pyro-Aktion des Angeklagten die Justiz. 2012 war es, dass dabei in der Schalke-Arena Menschen verletzt worden waren. Das Amtsgericht in Buer hatte ihm Bewährung gegeben. Landgericht Essen und auch das OLG Hamm als weitere Instanzen gaben aber wegen der vielen Vorstrafen keine Bewährung. Deshalb saß er die eineinhalb Jahre Haft tatsächlich ab.

Auch mit den drei Jahren Gefängnis aus Buer wegen der Prügelei kam der Hugo-Chef in der Berufung zur XI. Essener Strafkammer. Vorsitzender Markus Dörlemann glaubte, die Strafgewalt seiner kleinen Kammer von vier Jahren Haft reiche nicht aus.

Verteidiger ist Vorsitzender des Schalker Ehrenrates

So gab er zweimal das Verfahren an große Strafkammern ab. Doch die wollten nicht. Als er verhandeln wollte, hatte die Justiz falsche Schöffen geladen. Danach gab es einen Befangenheitsantrag und Terminprobleme der prominenten Verteidiger, darunter Klaus Bernsmann, Vorsitzender des Schalker Ehrenrates.

Jetzt erst kam es zur Verhandlung. Die XI. Strafkammer, mittlerweile unter Vorsitz von Richter Marc Hunke, sah nur noch einen Teil der ursprünglich verurteilten Tat bewiesen. Deshalb reduzierte sie die drei Jahre Haft auf neun Monate und gewährte Bewährung. Und obwohl Staatsanwaltschaft und Verteidigung zuvor deutlich abweichende Anträge gestellt hatten, akzeptierten diese das Urteil. Es ist rechtskräftig.

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