Unwetter

Nach den Regenmassen beginnt vielerorts das große Aufräumen

Foto: Lukas Schulze

Wuppertal/Ruhrgebiet.   In Duisburg liefen Keller und Tiefgaragen voll, in Mülheim traf es ein Einkaufszentrum und in Wuppertal die Uni in Haspel geflutet.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Alle sprechen vom Wetter. In vielen Städten des Ruhrgebiets, vor allem aber in Wuppertal. Wo es am Dienstag kurzzeitig aussah wie in Venedig. Nur ohne Gondeln. Wo die Straßen überflutet waren und viele Keller und Geschäfte auch. Und wo das Wasser aus den Gullys schoss, „als ob wir Geysire hätten“, wie sich ein Augenzeuge erinnert.

Am Tag danach hat das große Aufräumen begonnen. Die Menschen fegen, wischen und putzen. Vor allem aber schimpfen sie. „Alles Mist“, sagt ein Friseur in der Stadtmitte, als er zwei Müllsäcke auf die Straße trägt. Und das zählt noch zu den harmlosen Äußerungen. Mitten im laufenden Betrieb sei das Wasser gekommen, erzählt er und hält die Hand in Hüfthöhe. „So hoch stand es im Laden.“

So hoch und noch viel höher stand es in vielen Läden. Vor allem in der Einkaufpassage, die in Wuppertal „City Arkaden“ heißt, hatten die Regenmassen leichtes Spiel. Ohne auf nennenswerten Widerstand zu stoßen, konnten sie über zwei große Rolltreppen das Untergeschoss fluten, in eine Buchhandlung und zwei Modegeschäfte fließen. Was dort nass geworden ist, tragen starke Helfer am Mittwoch unter den Augen zahlreicher Schaulustiger hoch ins Erdgeschoss. „Schlimm für die Händler“, sagt eine junge Frau.

Knapp 550 Feuerwehrleute sind gestern Morgen noch in der Stadt im Einsatz. „Wir müssen noch viele Keller leerpumpen“, sagt einer von ihnen. Auch die Wuppertaler Stadtwerke haben gut damit zu tun, die zahlreichen Straßenzüge, in denen vorsichtshalber der Strom abgeschaltet worden war, wieder ins Netz zu bringen. Nur die Polizei kann schon eine erste Bilanz ziehen, die da lautet: „Keiner ist ernsthaft zu Schaden gekommen.“

Tränen bei Studenten: Die Arbeit von Monaten ist zerstört

Auf dem Campus Haspel der Uni Wuppertal fließen dennoch Tränen. Nicht weil bei einem kleinen Nebengebäude das Flachdach dem Druck des Wassers nicht standhalten konnte. „Ärgerlich, aber nicht wirklich schlimm“, findet einer der Architektur-Studenten, die hier untergebracht sind. Schlimm ist, dass der Regen in den Keller geflossen ist. Dorthin, wo die Fakultät Arbeitsmaterial gelagert hatte. Gips, Beton, Holz. „Alles hinüber“, sagt Heinrich Weid, Professor für Darstellen und Gestalten an der Uni. Auf Strümpfen steht er da, weil er seine Gummistiefel einer Studentin geliehen hat, die auf der Flucht vor dem Wasser Laptop und Schlüssel in einem der überfluteten Arbeitsräume zurückgelassen hat.

Oben vor der Tür haben einige Kommilitonen ihre bereits geborgenen Rechner zum Trocknen in die Sonne gelegt. „Aber viel bringen wird das wohl nicht“, sagt Christopher (23). Genau wie bei den (Papp)-Modellen des Architektennachwuchses. Zwei Studentinnen weinen. „Die Arbeit von Monaten, und nun ist alles kaputt.“

Hochwasser auch in Teilen des Ruhrgebietes

Aufgeräumt und Bilanz gezogen wird am Mittwoch auch in anderen Städten. In Mülheim bleiben einige Geschäfte im Einkaufscenter Forum geschlossen, weil Wasser eingedrungen ist. Düsseldorf meldet 187 Unwettereinsätze, in Duisburg waren es über 240 – meist wegen vollgelaufener Keller, umgekippter Bäume und Wasser in Tiefgaragen. Bei diesen Einsätzen haben Helfer 20 Autokennzeichen gefunden. Die Polizei twittert: „Kennzeichen sucht Auto.“

Für Donnerstag und Freitag haben die Meteorologen weitere schwere Unwetter angekündigt. Präzise räumliche Voraussagen indes fallen offenbar schwer, wie sich am Dienstag zeigte. Während etwa am Düsseldorfer Flughafen 56,3 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen wurden, war es an der nur wenige Kilometer entfernten Heinrich-Heine-Universität nicht einmal ein Liter.

Auch in Wuppertal gibt es Straßen, in denen gar nichts passiert ist. Leider nicht da, wo Dennis (29) seinen Wagen abgestellt hatte, um in die Stadt zu gehen. Deshalb schüppt er am Mittwoch auch Wasser und Schlamm aus dem Innenraum. In ein paar Tagen, glaubt er, ist alles wieder trocken. „Ich hoffe nur, es erwischt mich dann so schnell nicht wieder.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben