Rechtsextremes Attentat

Nach Halle-Attentat: Ermittlungen gegen zwei Männer in NRW

Stephan B. auf dem Weg zu einem Haftprüfungstermin vor dem BGH. Hatten die beiden Männer aus Mönchengladbach Kontakt zu dem mutmaßlichen Attentäter von Halle?

Stephan B. auf dem Weg zu einem Haftprüfungstermin vor dem BGH. Hatten die beiden Männer aus Mönchengladbach Kontakt zu dem mutmaßlichen Attentäter von Halle?

Foto: Uli Deck / dpa

Mönchengladbach.  Der Halle-Attentäter veröffentlichte vor seiner Tat ein „Manifest“ im Internet. Zwei Männer aus Mönchengladbach sollen es verbreitet haben.

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Zwei Männer aus Mönchengladbach sollen das perfide „Manifest“ des mutmaßlichen Attentäters von Halle im Internet verbreitet haben. Die Wohnung der Beschuldigten sei am Mittwoch durchsucht worden, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Mönchengladbach, Jan Steils, am Mittwoch auf dpa-Anfrage.

Es bestehe der Verdacht, dass sie „vom Attentäter herrührende“ Dokumente mit volksverhetzendem Inhalt „zeitnah zum Attentat von Halle“ verbreitet hätten. Auf die Frage, ob es sich dabei um das „Manifest“ des Attentäters handele, sagte Steils, das treffe zu. Gegen die 26 und 28 Jahre alten Männer werde wegen Volksverhetzung ermittelt.

Verdächtige könnten über Tat informiert gewesen sein

Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte zuvor online - nach gemeinsamen Recherchen mit WDR und NDR - von einer verdächtigten Person aus Mönchengladbach berichtet. Diese stehe im Verdacht, mit dem Attentäter in Verbindung gestanden und über die geplante Tat informiert gewesen zu sein. Dazu äußerte sich die Mönchengladbacher Staatsanwaltschaft nicht - unter Hinweis auf laufende Ermittlungen. Steils betonte, es handele sich bei den Untersuchungen in Mönchengladbach um ein „separates Verfahren“.

Der mutmaßliche Rechtsterrorist hatte sein „Manifest“ voller antisemitischer Begriffe und mit detaillierter Beschreibung seines Waffenarsenals vor dem Anschlag im Internet veröffentlicht. Der geständige Stephan B. soll vor einer Woche schwer bewaffnet versucht haben, in die Synagoge in Halle einzudringen, in der rund 50 Gläubige den wichtigsten jüdischen Feiertag Jom Kippur begingen. Als der Plan misslang, erschoss der 27-Jährige den Ermittlungen zufolge eine 40 Jahre alte Passantin und einen 20-jährigen Mann in einem Döner-Imbiss.

LKA stellte elektronische Geräte und Speichermedien sicher

Beamte des NRW-Landeskriminalamtes durchsuchten die Wohnung der zwei Männer Mittwochfrüh und stellten „zahlreiche elektronische Geräte und Speichermedien“ sicher. Das berichteten sie in einer gemeinsamen Erklärung mit der Mönchengladbacher Staatsanwaltschaft. Diese würden nun ausgewertet.

Die Spur nach Mönchengladbach ergab sich dem „SZ“-Bericht zufolge nach einem Hinweis auf eine Computer-IP-Adresse, die das Bundeskriminalamt von US-Behörden erhalten habe. Das BKA in Wiesbaden und die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach äußerten sich dazu nicht.

Attentäter bewarb sich als Zeitsoldat bei der Bundeswehr

Auch über den Attentäter kommen immer mehr Details ans Licht. Der Mann hat sich 2018 als Zeitsoldat bei der Bundeswehr beworben, wurde nach einer Sitzung des Bundestags-Innenausschusses am Mittwoch bekannt. Den Angaben zufolge zog er seine Bewerbung aber später wieder zurück, warum, ist noch nicht bekannt. Er hatte ab Ende 2010 einige Monate Wehrdienst geleistet. Ein Chemie-Studium brach er ab.

Zudem soll sich der Attentäter bereits 2015 im Internet eine Schusswaffe besorgt haben, berichteten mehrere Teilnehmer der Sitzung. Ob er die Waffe im offenen Internet oder im sogenannten Darknet fand, einem versteckten Teil des Internets, sei noch nicht endgültig geklärt.

Offen sei auch, ob es sich damals um eine Schreckschusspistole oder um eine scharfe Waffe handelte. Für das von ihm geplante Massaker in der Synagoge baute er mehrere Waffen selbst und stellte auch Munition her – nach Informationen von WDR, NDR und Süddeutsche Zeitung im Geräteschuppen seines Vaters.

SPD-Fraktion verlangt Aufklärung über neue Entwicklungen

Die SPD-Fraktion im Düsseldorfer Landtag verlangte von der NRW-Regierung Aufklärung über die neuen Ermittlungen. Für die Innenausschuss-Sitzung am 7. November solle die Regierung berichten, welche Bezüge nach NRW es im Zusammenhang mit der Tat in Halle gebe und ob der Attentäter Kontakte zu Personen in Nordrhein-Westfalen unterhalten habe. Außerdem will die Oppositionsfraktion wissen, welche konkreten Maßnahmen nach dem Attentat zum Schutz jüdischer Einrichtungen in NRW ergriffen wurden.(dpa)

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