Innenstädte

Neue Studien: Bis zu 20.000 Geschäfte schließen in NRW

Die Richtung ist klar. Leerstände wie hier in Mülheim werden sich in den kommenden Jahren mehren.

Die Richtung ist klar. Leerstände wie hier in Mülheim werden sich in den kommenden Jahren mehren.

Foto: Michael Dahlke/FUNKE Foto Services

Ruhrgebiet.   Die Innenstädte werden sich radikal verändern: Bis zu 20.000 Geschäfte schließen in NRW. Neue Studien zeigen, was jetzt zu tun ist.

Innenstädte und Geschäftsstraßen stehen vor einem gewaltigen Wandel. Schätzungen des „Instituts für Handelsforschung“ besagen, dass in den nächsten zehn Jahren in Nordrhein-Westfalen 13- bis 20.000 Geschäfte (von derzeit 110.000) verschwinden werden. Auch für ganz Deutschland gibt es eine Zahl: 50.000 weniger. Grund sind vor allem der Online-Handel und die Verstädterung.

„Alle Zahlen deuten darauf hin, dass man sich in vielen Lagen – vor allem auch in Klein- und Mittelstädten – von der prägenden Präsenz des Einzelhandels verabschieden muss“, heißt es in der neuen Studie „Einkaufsstraßen neu denken.“

„Das ist keine Schikane von irgendwelchen Planern“

Sie schlägt vor, leere Ladenlokale für Dienstleister und Handwerker zu nutzen oder sie zu Wohnungen umzubauen. „Das ist keine Schikane von irgendwelchen verrückten Planern, sondern das ist der Gang der Dinge“, sagt Mitautor Rolf Junker, Raumplaner aus Dortmund.

Mit Laden- und Leerstandsmanagement erreiche man nur noch „punktuelle Erfolge“, heißt es. In kleineren Städten liegt demnach die Leerstandsquote im Extremfall bei 20 bis 22 Prozent, etwa in Rheinberg oder Uedem.

Handel hat andere Funktionen der City verdrängt

„Viele Not leidende Geschäftsstraßen gehen an ihrem Erfolg zugrunde“, sagt der Architekt Holger Pump-Uhlmann, der andere Autor. Die Dominanz des City-Handels im späten 19. und im 20. Jahrhundert habe dazu geführt, dass es in vielen Innenstädten keine „Funktionsmischung“ mehr gebe, wie sie vorher geherrscht habe.

Man erwarte „ziemlich radikale Veränderungen in den nächsten acht bis zehn Jahren“, sagt Hartmut Hoferichter, Bauausschuss-Vorsitzender des Deutschen Städtetages und Stadtdirektor von Solingen. Seine Stadt (mit rund 160.000 Einwohnern) erwarte, dass ein Drittel der geschäftlich genutzten Innenstadt verschwinden wird.

Experimente mit neuer Nutzung in vielen Städten

Verschiedene Städte experimentieren mit Nachnutzungen ehemaliger Ladenlokale. So testen in Nürnberg ständig wechselnde Betreiber ihre neuen Produkte und neuen Verkaufstechniken. In einem Restaurant in Köln ändern sich alle zwei Wochen der Wirt und das Angebot radikal.

Ein anderes Ex-Ladenlokal wird tagsüber als Büroraum und abends als Restaurant vermarktet. In Wien wurden frühere Geschäftsräume zu verstreut liegenden Hotelzimmern umgebaut, Zimmerkarte und Frühstück gibt es beim nächsten Bäcker.

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